Dieser CDU-Politiker fordert eine Deutschpflicht für Erstklässler*innen

Und die Menschen im Netz reagieren sehr unterschiedlich darauf.

Carsten Linnemann hat eine heftige Debatte angestoßen.

Foto: dpa

Gerade entbrennt eine Debatte darüber, ob Kinder, die kein oder nur sehr schlecht Deutsch sprechen, später eingeschult werden sollen. In einem Interview mit der Rheinischen Post hatte Carsten Linnemann, der stellvertretende CDU-Unionsfraktionschef, gesagt: „Um es auf den Punkt zu bringen: Ein Kind, das kaum Deutsch spricht und versteht, hat auf einer Grundschule noch nichts zu suchen.“ Er erlebe außerdem „bis tief hinein in die Mittelschicht“ Eltern, die ihre Kinder auf Privatschulen schicken, weil das Niveau an staatlichen Schulen sinke. Dem müsse man entgegenwirken.

Linnemann schlägt für die betroffenen Kinder eine Vorschulpflicht vor, notfalls müsse eine Einschulung auch zurückgestellt werden. Diese Haltung stößt sowohl in der Politik als auch in den sozialen Medien auf gemischte Reaktionen. Auf Twitter sind viele Menschen entsetzt – und teilen ihre eigenen Erfahrungen. „Ich kam mit 11 in das 2. Halbjahr der 5. Klasse und konnte kein Deutsch“, schreibt die Userin Aynur Gök. Später habe sie dann Jura studiert. In ihrem damaligen Jahreszeugnis stand der Satz: „Sie arbeitet trotz ihrer geringen Sprachkenntnisse sehr gut mit.“

Andere berichten, dass sie selbst im Kindergarten Deutsch gelernt haben– und deswegen besonders Rücksicht auf Mitschüler*innen genommen hätten, die kein Deutsch konnten.

Auch die Grünen-Politikerin Aminata Touré schaltet sich in die Debatte ein. Sie und ihre Schwester hätten als Asylsuchende gar nicht in den Kindergarten gehen dürfen. Deswegen habe sie Deutsch erst in der Schule gelernt.

Der Regisseur Nuran David Calis bedankt sich via Twitter bei seiner damaligen Klassenlehrerin und der Direktorin seiner Grundschule. Sie hätten ihm damals ermöglicht, in der Schule schnell Deutsch zu lernen.

Und die Journalistin Alice Bota fragt: Geht so heute Integration?

Dieser Student sagt: In der Grundschule habe er Deutsch gelernt, jetzt werde er Arzt.

Andere sehen Linnemanns Vorschlag weniger kritisch. Dieser User diskutiert vor allem den Umgang der Öffentlichkeit mit dem Zitat des Politikers: Linnemanns Aussage werde in Schlagzeilen und auf Twitter „völlig entstellt und unter größtmöglicher Empörung in die Tonne getreten“.

Der CDU-Politiker Christian Reinboth twittert: Die eigentliche Frage sei doch, ob Kindern eher gezieltes Sprachtraining helfe oder das Lernen im Schulalltag.

soas/rawe

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