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Screenshot: DDU

In den vergangenen Tagen wurde im Netz viel um den angeblichen CDU-Kandidaten Hannes Hertwig diskutiert. Hertwig will bei der sächsischen Landtagswahl 2019 für einen Wahlkreis Dresden antreten, sein Vorstellungstext kursierte schnell im Netz. Darin schreibt er in der Mitgliederzeitung der Dresdner CDU unter anderem: „Jeder Widerstand meiner Person gegenüber wird in noch nie dagewesener Brutalität niedergeschlagen. Deshalb bin ich eine gute Wahl.“

Des Weiteren bezeichnet er etwas wirr das politische System als „Regime“ und „Missgeburt“, das er wie Papier zerreißen wolle.

Nach einer ersten Empörungswelle setzt nun im Netz allerdings die Nachdenklichkeit ein: Kann der Mann echt sein? Ist er vielleicht psychisch erkrankt und hätte bei seinem Beitrag vom Kreisverband gestoppt werden müssen? Oder handelt es sich dabei doch um einen Fake, vielleicht ja sogar von Jan Böhmermann oder dem Titanic-Magazin? Ein Ostdeutscher mit fragwürdigem Demokratie-Verständnis, auf den die Twitter-Gemeinschaft mal wieder lustvoll verbal einprügeln kann, käme in der aktuellen Diskussion um Nazis in Sachsen doch ganz gelegen, oder?

Tatsächlich gibt es einiges, das für einen Fake spricht: Da wäre zum Beispiel Hertwigs Twitter-Profil, das erst seit einem Jahr existiert und nur einen Tweet beinhaltet, also leicht von einem verwaisten Account hätte umgewandelt werden können. Oder die Tatsache, dass von dem Mann nur ein einziges offizielles Foto im Netz existiert, auf dem er auch noch dem aktuellen Gesundheitsminister Jens Spahn ähnlich sieht, der ja auch immer wieder mehr Härte gegen verschiedenste soziale Gruppen fordert. Außerdem steht in Hertwigs LinkedIn-Profil, er sei aktuell arbeitssuchend und habe sich früher um die Sicherheitstechnik am Berliner Flughafen gekümmert – was von vielen Twitter-Nutzern natürlich auch als Steilvorlage für Witze auf Hertwigs Kosten genutzt wird.

Auf der anderen Seite wäre da allerdings die CDU-Dresden, die auf Nachfrage der Kollegen von watson.de bestätigt hat, dass Herr Hertwig echt sei. „Er ist seit einem Jahr Mitglied des Kreisverbands Dresden und jedes Mitglied darf sich bewerben", wird der Sprecher zitiert. Die Partei habe ihm von dem Bewerbungstext abgeraten, er habe aber darauf bestanden. In einem Statement gegenüber der Huffington Post äußerte sich der Sprecher ähnlich:

Radio Dresden hat nach eigenen Angaben sogar mit Hertwig telefoniert. Dabei habe er noch einmal betont, dass es sich bei den Aussagen nicht um Satire handele. 

Am 17. November wird in Dresden beim Wahlparteitag darüber entschieden, ob Hannes Hertwig oder seine Konkurrentin Barbara Klepsch für den Wahlkreis 47, Dresden 7 kommendes Jahr antreten dürfen. Spätestens dann werden der angeblich echte Hertwig sich einige Fragen gefallen lassen müssen - ob er nun möchte, oder nicht. Und sollte sich herausstellen, dass er tatsächlich psychische Probleme hat, würde dies eine ganz neue Diskussion entfachen - nämlich inwiefern die CDU ihn hätte schützen müssen.

chha