Waffenlobby will Schüler zum Schweigen bringen

Unterstützer der NRA reagieren mit Morddrohungen und Verschwörungstheorien auf den Protest der Teenager.

Emma Gonzalez tröstet eine Mitschülerin, die um die Opfer des Amoklaufs trauert, während einer Versammlung in Sunrise, Florida.

Foto: Reuters/Pool

Nach dem Amoklauf an der Marjory Stoneman Douglas Highschool (MSD) in Parkland, Florida haben sich die Überlebenden entschlossen, dafür zu kämpfen, dass eine solche Tragödie nie wieder geschieht: Die „Teens for Gun Reform“ wollen durchsetzen, dass die Waffengesetze in den USA verschärft werden.

Millionen von Menschen auf der ganzen Welt bewundern das Engagement der Teenager, viele Promis und Politiker, darunter auch die Familie Obama, sicherten ihnen ihre Unterstützung zu. Trotzdem lässt sich kaum sagen, ob die Schüler tatsächlich etwas verändern werden. Denn ihr Gegner könnte kaum mächtiger sein: die US-amerikanische Waffenlobby „National Rifle Association“ (NRA).

Die NRA verfügt über viel Geld und hat großen Einfluss auf die US-Politik. Auch Donald Trump  gab sich im Wahlkampf immer wieder als Freund der NRA, die zudem für seine Kampagne gespendet und ihn vor allem öffentlich in seiner Politik unterstützt hat. Dass die NRA-Mitglieder nun bereit sind, für ihr Recht auf Waffen zu kämpfen, zeigte sich schon Stunden, nachdem die Schülerin Emma Gonzalez, Überlebende des Amoklaufs an der MSD, mit einer leidenschaftlichen Rede die Nachricht vom Widerstand verbreitet hatte. 

Rechte und der NRA wohlgesonnene Medien reagierten auf die Kampfansage der Schülerbewegung, indem sie Verschwörungstheorien über die Teenager und ihre Unterstützer aufstellten. So wurde auf der rechten Webseite Gateway Pundit zum Beispiel behauptet, der Vater des Schülers David Hogg, ebenfalls Teil der „Teens for Gun Reform“, arbeite für das FBI. Die Aktivitäten seines Sohnes seien deshalb Teil einer größeren Anti-Trump-Kampagne, für die dieser gecoacht worden sei. Eine andere: Einige der überlebenden Schüler seien vermutlich gar nicht auf die MSD gegangen, sondern als Jungschauspieler nur auf Ruhm und Ehre aus. Dieser Vorwurf wurde schnell widerlegt: Ein Blick ins Jahrbuch der Highschool genügte

Waffenbefürworter attackieren die Gruppe außerdem auch über die sozialen Netzwerke. Zum Beispiel, indem sie die Verschwörungstheorien weiterverbreiten oder neue aufstellen.

Ein Nutzer antwortete auf Davids Hoggs Forderung an Floridas Senator Marco Rubio, sich gegen die NRA zu stellen, mit einer Unterstellung, deren Formulierung alleine schon Trump-Nähe vermuten lässt: „Sehr verlässliche Quellen“ – die ungenannt bleiben – würden sagen, dass David und seine Freunde den Amokläufer durch Mobbing zu der Tat getrieben hätten. Schlimmer noch: Sie hätten ihn durch provokante Fragen erst auf die Idee gebracht, sie zu begehen. 

Manche versuchen die Jugendlichen allerdings auch auf eie ganz simple Art und Weise zu entmutigen: Indem sie ihnen schreiben, wie sehr sie sie hassen. Emma Gonzalez etwa hat schon einige „Anti-Fans“ gesammelt – hauptsächlich männliche Twitter-User, die mehrmals täglich eine Hassnachrichten an sie senden. 

Während die 17-jährige Emma sich anscheinend dazu entschieden hat, Nachrichten wie diese zu ignorieren, fällt es Cameron Kasky wohl schwerer, Abstand von den Beschimpfungen und Drohungen zu nehmen.  

Auch er ist ein Überlebender, der sich zusammen mit Emma, David und anderen Mitschülern für schärfere Waffengesetze engagiert. Mit einem Tweet äußert er sich zu den Nachrichten seiner Gegner: Er habe sich vorübergehend von Facebook abgemeldet, weil es dort keine begrenzte Zeichenzahl gibt. „Die Morddrohungen der NRA sind dort also etwas bildlicher als die auf Twitter“, schreibt er.

Aber Cameron hat auch Unterstützer. Unter anderem Chelsea Clinton, Tochter von Hillary Clinton, antwortete auf seinen Tweet. Er solle sich nicht unterkriegen lassen – und falls er dabei Hilfe brauche, sei sie für ihn da. Ähnlich reagierten mehr als zehntausend weitere Nutzer. Es sieht momentan also ganz danach aus, als hätte die NRA es selbst mit sehr entschlossenen Gegnern zu tun. 

 

lath

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