"Hoffentlich können wir Norbert Hofer wieder verhindern"

Was erwarten junge Österreicher von der bevorstehenden Neuwahl in ihrem Land? Und vor was haben sie Angst?
aus der jetzt-Redaktion
Neuwahlen in Österreich
dpa; Bearbeitung Jessy Asmus

Der österreichische Verfassungsgerichtshof hat die Bundespräsidenten-Stichwahl gekippt. Sie muss nun in ganz Österreich wiederholt werden. Das hat der Verfassungsgerichtshofes entschieden, nachdem die FPÖ geklagt hatte. In vielen Wahlbezirken war es zum Teil zu gravierenden Fehlern gekommen. Der FPÖ -Kandidat Norbert Hofer unterlag dem bisherigen Gewinner, dem Grünen Alexander Van der Bellen,  mit einem äußerst knappen Vorsprung von etwa 30 000 Stimmen. Wir haben junge Österreicher gefragt, was sie sich jetzt erwarten. Und wovor sie Angst haben. 

Kerstin Pluch, 27, aus Wien, arbeitet in einem Architekturbüro

bildschirmfoto 2016 07 01 um 14 45 34

Kerstin Pluch.

Foto: privat

„Natürlich gehört es geahndet, wenn in den Wahllokalen nicht rechtskonform vorgegangen wird. Aber das sind eben auch nur Menschen, die dort arbeiten. Die Fehler machen, die auch mal schlampen. Das Blöde ist, sich dadurch angreifbar zu machen, nicht hunderprozentig korrekt zu arbeiten. Aber dass das etwas am Wahlergebnis geändert hätte, glaub ich nicht. Aber wer weiß, vielleicht würde ich mich auch auf solche Spitzfindigkeiten versteifen, wenn es für meinen Kandidaten nicht gut ausgegangen wäre.

Als ich heute hörte, dass noch mal gewählt werden muss, habe ich im Büro kurz aufgeschrien.

Es ärgert mich, dass das noch mal neu aufgerollt wird, ich und meine Freunde dachten, dass gerade noch mal alles gut ausgegangen ist.

Aus meinem Freundeskreis hat jeder gewählt, und alle Van der Bellen. Das ist schon ein wenig ein Dunstkreis, in dem man sich bewegt. Wenn man weiß, dass 50 Prozent den Hofer gewählt haben, und man kennt von denen niemanden, dann ist das schon ein wenig schräg.

Der Unterschied zwischen Stadt und Land ist riesig bei uns. Sobald man dort ist, kriegt man die Hofer-Euphorie mit. Das liegt wahrscheinlich auch daran, dass du auf dem Land viel weniger mit Menschen aus anderen Ländern konfrontiert wirst...und man hat halt auch schnell Angst vor dem, was man nicht kennt.

Ich wehre mich dagegen, Angst vor einem neuen, möglicherweise anderem Ergebnis zu haben. Denn Angst, das ist der einzige Inhalt der FPÖ.

Ich hoffe jedenfalls, dass der Brexit keinen negativen Einfluss auf unsere Wahl hat und Europa noch weiter nach Rechts rutschen lässt.“

Sebastian Müller, 31 Jahre, Wien, selbstständiger Texter:

"Dass wir jetzt schon wieder wählen müssen finde ich, mit einem Wort gesagt: anstrengend. An der Entscheidung des Verfassungsgerichtshofes ist natürlich grundsätzlich nichts auszusetzen, aber jetzt noch einmal so einen Wahlgang mit all den Diskussionen und dem Geplärre im Vorfeld durchzustehen, ist schon ermüdend. Ich hoffe natürlich, dass alles gut geht für Van der Bellen, dass der Kurs, der in unserer Gesellschaft bereits eingeschlagen wurde, erneut bestätigt wird.

Die FPÖ-Anhänger gehen ja dagegen davon aus, dass die Wahl in Van der Bellens Sinne manipuliert war und deswegen nun Hofer gewinnen müsste. Was ich in diesem Fall tun würde, weiß ich absolut nicht. Ich habe das bisher ganz gut ausgeblendet, daran denkt man wirklich nicht gerne.

Im Falle des Brexit gab es ja laut Medienberichten sofort einen Anstieg an rassistischen Übergriffen in Großbritannien, auch hier könnten nach einem Sieg Hofers die rechtsextremen Leute, wie zum Beispiel die Identitären, auf der Straße wesentlich selbstbewusster auftreten."

 

 

Lukas Kremser, 28 Jahre, Wien, studiert Publizistik

 

"Ich finde es ganz furchtbar, dass die Wahl jetzt wiederholt wird. Allein die Vorstellung, dass wieder die Möglichkeit besteht, dass wir einen Präsidenten bekommen der Mitglied einer deutschnationalen Burschenschaft ist, die Österreich als Staat nicht anerkennt, macht mir Angst! Ich hoffe, die Österreicher und Österreicherinnen wählen im Herbst erneut mehrheitlich einen Repräsentanten, der für Weltoffenheit und Vielfalt steht und nicht für Fremdenfeindlichkeit."

 

 

 

Daniel Topolanek, 26 Jahre, aus Tulln, studiert BWL

bildschirmfoto 2016 07 01 um 13 46 05

Daniel Topolanek

Foto: privat

"Ich habe natürlich gehofft, ja sogar erwartet, dass es keine Wiederholung geben wird. Nun gibt es sie doch. Dass es Ungereimtheiten gab, ist offensichtlich und die scheint es (traurigerweise) schon immer gegeben zu haben. Dass Wahlbetrug von beiden Seiten theoretisch möglich gewesen wäre ist auch wahr. Aber dass HC Strache immer sagt es WAR Wahlbetrug, da stellen sich bei mir die Nackenhaare auf. Hoffentlich können wir Norbert Hofer wieder verhindern. Nicht, dass der Präsident so wichtig wäre, aber es hätte eine starke Symbolwirkung nach innen und außen."

 

Jakob Penner, 28 Jahre, Krems, Social-Media-Redakteur

 

"Jetzt müssen die Leute zum dritten Mal in diesem Jahr zur Wahl - unglaublich. Und die FPÖ profitiert von den Fehlern ihrer eigenen Leute, die als Wahlbeisitzer ihre Arbeit nicht ordentlich gemacht haben. Und wenn die neue Stichwahl wieder verloren wird? Wird dann solange angefochten, bis Norbert Hofer vorne liegt? Ich glaube aber, dass es für Alexander Van der Bellen schwer wird, seine Wähler noch einmal zu mobilisieren - da hat es Hofer leichter, da sein Klientel ja zu großen Teilen von einer "Manipulation" der Wahlen überzeugt war. Sollte Hofer Bundespräsident werden, dann Gute Nacht Österreich..."

 

Vor der Wahl bitte hier noch nachlesen:

  • teilen
  • schließen