Junge Schwedin stoppt Abschiebung eines Afghanen

Indem sie sich weigerte, sich im Flugzeug zu setzen.

So lange nicht alle Passagiere auf ihren Plätzen sitzen, darf ein Flugzeug nicht abheben. Diesen Umstand hat die schwedische Stundetin Elin Ersson sich am Montag in Göteborg offenbar zunutze gemacht, um die Abschiebung eines 52-jährigen Afghanen zu verhindern – und streamte ihre Aktion per Facebook-Live in alle Welt.

Im Video lässt sich mitverfolgen, wie das Bordpersonal und andere Passagiere immer wieder versuchen, Elin zum Hinsetzen zu bewegen, teilweise durch Einschüchterung und mit Wut im Bauch. Elin allerdings bleibt gefasst und verweist darauf, dass es in der Hand des Piloten läge, den Afghanen wieder von Bord zu lassen. Auch die Aufforderung, ihr Smartphone auszuschalten, ignoriert sie konsequent. Einige Passagiere solidarisieren sich offenbar mit ihr, darunter eine Fußballmannschaft, die ebenfalls aufsteht. Es gibt spontanen Applaus, Elin hat Tränen in den Augen. Das Kabinenpersonal sichert ihr schließlich zu, dass der Afghane das Flugzeug verlassen könne. Einige Stunden später postete Elin auf Facebook, dass die Abschiebung tatsächlich „unterbrochen“ worden sei.

Sowohl im Video als auch in ihren Posts merkt Elin immer wieder an, dass ihr Vorgehen vollkommen legal sei. Zumindest nach deutschem Recht stimmt das nicht ganz: Das Aufstehen kann – zumindest in der Theorie – als Ordnungswidrigkeit nach dem Luftsicherheitsgesetz ausgelegt werden, die mit Geldbußen bis zu 25.000 Euro bestraft werden kann.

Tatsächlich ist es bereits öfter vorgekommen, dass Passagiere eines Flugzeugs durch Aufstehen eine Abschiebung verhindert haben. Die Methode ist durchaus effektiv, der Pilot darf dann laut internationaler Bestimmungen nicht abheben.

Aktivisten nutzen diese Grauzone, sie verteilen am Flughafen Infozettel an Passagiere, in deren Flieger eine Abschiebung durchgeführt werden soll, fordern zum Aufstehen in letzter Minute und zu Apellen an den Kapitän auf. Im Jahr 2017 scheiterten bis Ende September 222 Abschiebungen an der „Weigerung der Fluggesellschaft“ oder des „Flugzeugführers“, wie aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linksfraktion hervorging.

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