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"Dass gerade die FDP die Gespräche abgebrochen hat, finde ich undankbar"

So denken Studenten über das Ende der Jamaika-Verhandlungen.
Protokolle von Annalena Sippl
  • Umfrage Sondierungsgespräche
    Collage: Jessy Asmus

Am Sonntagabend hat Christian Lindner (FDP) die Sondierungsgespräche beendet und damit ganz Deutschland in eine Schockstarre versetzt. Fest steht: Eine Regierung aus Union, Grünen und FDP wird es nicht geben. Die große Frage lautet nun: Wie geht es weiter? Wir haben uns umgehört, wie die Münchner Studenten über das Koalitionsdebakel denken.

 

"Jeder macht sich wichtig und am Ende kommt dann doch nichts dabei heraus" 

  • Umfrage Sondierungsgespräche Darius
    Foto: Annalena Sippl

Darius, 20, studiert Lehramt für die Mittelschule

 

Um ehrlich zu sein, finde ich es ziemlich blöd, dass sie so lange um den heißen Brei herumgeredet haben. Jeder macht sich wichtig und am Ende kommt dann doch nichts dabei heraus – gerade von der FDP bin ich nun schon ziemlich enttäuscht. Falls es zu Neuwahlen kommen sollte, wäre ich fast schon ein wenig demotiviert, noch einmal abzustimmen. Aber ich bin dennoch zuversichtlich, dass es – auf welchem Weg auch immer – vor Weihnachten noch eine Entscheidung gibt. Vor vier Jahren gab es ja schon mal ein ähnliches Problem bei der Regierungsbildung mit der großen Koalition. Damals hat es auch sehr lange gedauert, aber die SPD hat dann schon irgendwie in Richtung CSU eingelenkt. 

"Ich hätte aber nicht gedacht, dass am Ende die FDP das Handtuch wirft" 

  • Umfrage Sondierungsgespräche Cosima
    Foto: Annalena Sippl

Cosima, 22, studiert Journalismus

 

Als ich es gehört habe, dachte ich: Das war ja irgendwie klar. Die Parteien waren sich in den vergangenen Wochen ja schon sehr uneinig, da hat sich so ein Ausgang abgezeichnet. Ich hätte aber nicht gedacht, dass am Ende die FDP das Handtuch wirft, da hätte ich eigentlich eher auf Die Grünen getippt. Denn bei ihnen hatte ich das Gefühl, dass sie während der Sondierungen am weitesten von ihren Standpunkten und Forderungen abrücken mussten. Mögliche Neuwahlen sehe ich schon ein wenig kritisch: Denn ich könnte mir vorstellen, dass viele, die CDU/ CSU gewählt haben, nun aus Enttäuschung über die Uneinigkeit die AfD wählen würden. Für die anderen Parteien wären Neuwahlen wahrscheinlich nicht so günstig, für die AfD vielleicht schon. Deshalb hoffe ich, dass sie jetzt irgendetwas auf die Reihe bekommen – sei es die Große Koalition oder was auch immer. Ich bin ein wenig unsicher, wie das Ganze nun weitergeht. 

"Ich finde es eigentlich gut, dass die FDP die Sondierungsgespräche abgebrochen hat"

  • Umfrage Sondierungsgespräche Alex
    Foto: Annalena Sippl

Alex, 30, studiert Statistik, Biologie und Mathe

 

Ich finde es eigentlich gut, dass die FDP die Sondierungsgespräche abgebrochen hat. Erstens mag ich die Partei nicht besonders – sie ist mir zu liberal in marktwirtschaftlichen Fragen, deshalb hätte ich sie nicht gerne in der Regierung gehabt. Zweitens wäre eine segmentierte Regierung meiner Meinung nach ohnehin nicht wirklich handlungsfähig, weil sich so alle Parteien gegenseitig bremsen. Falls es zu Neuwahlen kommt, werden die Stimmen ja noch mal neu verteilt und manche Parteien werden hoffentlich handlungsfähiger – ich persönlich hoffe da sehr auf die Linke, selbst wenn sie nicht viel Regierungserfahrung hat. Natürlich kann es auch passieren, dass die AfD bei Neuwahlen noch einmal viele Stimmen für sich gewinnt. Ich habe einen Migrationshintergund, schon aus diesem Grund wäre das nicht angenehm für mich, aber Demokratie ist eben Demokratie. Dieses Szenario sollte aber eigentlich ein großer Anreiz für die Parteien sein, sich jetzt noch zusammenzureißen und einen gemeinsamen Weg zu finden.  

"Da kaum Zeit vergangen ist, glaube ich, dass sich das Ergebnis bei Neuwahlen kaum verändern würde"

  • Umfrage Sondierungsgespräche Johanna
    Foto: Annalena Sippl

Johanna, 18, studiert Tiermedizin

 

Ich habe gestern noch mit meiner Mutter telefoniert und von ihr erfahren, dass die Sondierungsgespräche abgebrochen wurden. Da war ich schon ein wenig überrascht. Aber klar, man kann ein Zusammenfinden nicht erzwingen und es gab einfach zu viele Auseinandersetzungen und Streitpunkte zwischen den Koalitionsparteien. Da war es schon absehbar, dass es für alle schwierig wird, aufeinander zuzugehen. Für mich selbst war es die erste Wahl, es war gar nicht mal so leicht, sich da eine Meinung zu bilden. In der Schule bekommt man nämlich kaum Input zu politischen Themen. Da seit der Wahl kaum Zeit vergangen ist, glaube ich, dass sich das Ergebnis bei Neuwahlen kaum verändern würde. Ich würde zumindest erneut dieselbe Partei wählen, denn in den vergangenen Monaten hat sich meine Meinung nicht geändert. Ich denke, so wie mir geht es vielen anderen auch, denn jeder hat ja nach seinem Standpunkt gewählt und seine Gründe dafür gehabt. 

"Dass gerade die FDP die Gespräche abgebrochen hat, finde ich ein wenig undankbar"

  • Umfrage Sondierungsgespräche Sarah und Anna
    Foto: Annalena Sippl

Sarah (l.), 18, und Anna, 19, studieren beide Jura

 

Sarah: Ich war schon ziemlich enttäuscht, als ich gehört habe, dass die FDP die Verhandlungen hat platzen lassen. Denn diese Uneinigkeit des Wahlausgangs hat Deutschland ja widergespiegelt – so denken die Menschen, die hier leben. Deshalb wäre es in meinen Augen ein sehr gutes Zeichen gewesen, wenn es diese unterschiedlichen Parteien geschafft hätten, eine regierungsfähige Koalition zu bilden. Dass nun gerade die FDP die Sondierungsgespräche verlassen hat, finde ich fast ein wenig undankbar. Bei der letzten Wahl haben sie ja nicht einmal die Fünf-Prozent-Hürde geschafft und nun, wo sie mitgestalten könnten, brechen sie die Gespräche ab.

 

Anna: Falls es zu Neuwahlen kommt, hätte ich Sorge, dass die AfD noch mehr Zulauf bekommt. Vor lauter Enttäuschung über die gescheiterten Sondierungsgespräche, könnten sich nun wieder viele von deren leeren Versprechungen angezogen fühlen. Wir würden natürlich beide wieder abstimmen gehen, wenn Neuwahlen stattfinden – denn auch beim zweiten Versuch zählt ja jede Stimme. 

 

 

 

 

So reagiert das Netz auf das Jamaika-Aus:

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