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Trauer und Fassungslosigkeit dominieren die Titanic-Redaktion.  Am Odeonsplatz verleihen die Reakteure und Redakteurinnen ihren Gefühlen Ausdruck.

Foto: Jamin Schneider

Vor der Feldherrnhalle in München sah es gegen Montagmittag aus wie auf einer  Trauerfeier. Einer speziellen Trauerfeier. Vielleicht wie auf einer, auf der man um den von uns Gegangenen nicht wirklich trauert. Schwarze Banner, schwarze Schilder, in Schwarz gekleidete Menschen zwar – aber auch Menschen, die plauderten, lachten,  Wodka und Bier tranken. Urheber des ganzen Trubels: das Satire-Magazin Titanic.

Mitglieder der Redaktion, einschließlich Chef-Redakteur Moritz Hürtgen, wollten einen Trauermarsch veranstalten. Und für wen? Diese zweifelhafte Ehre hat sich die arme, arme CSU „verdient“, als sie am Sonntag ihre historische Wahlschlappe (nur 37,2%!) hinnehmen musste. Das sind selbstredend katastrophale Zustände, die artikuliert gehören. Das dachte sich jedenfalls die Titanic-Redaktion  und hatte online dazu aufgerufen, an dem Trauermarsch teilzunehmen. Vor allem jüngere Menschen schienen sich angesprochen gefühlt zu haben und tauchten mehr oder weniger zahlreich (insgesamt waren vielleicht 50 Leute da) auf.

Auf den Hinweis, dass es natürlich auch optimistische Stimmen gibt, für die 37,2 Prozent gar kein so schlimmes Ergebnis seien, hatte Hürtgen eine klare Antwort: „Man kann diesen Verlust gar nicht relativieren. Er ist einfach verheerend. 37 Prozent, das ist nur ein ganz normales, demokratisches Ergebnis. Das ist für Bayern eine Katastrophe.“

„Tolle Sache, jetzt müssen nur noch Söder und Seehofer weg!“

Auf großen Bannern und Plakaten verlieh die Redaktion ihren Gefühlen Ausdruck:  „Wir trauern um die CSU“ stand da oder„Landtagswahl: Ein Satz mit X. Wiederholen, Kruzifix!“, „Mia san das Volk!“, „Christlicher Sozialismus JETZT!“ oder „Was macht ihr Silvester?“

Auch die Aufmerksamkeit von einigen Schaulustigen wurde dadurch erregt. Bei den einen fand die Titanic-Aktion Anklang: „Tolle Sache, jetzt müssen nur noch Söder und Seehofer weg!“ hieß es da zum Beispiel. Bei anderen stieß das Ganze eher auf Unverständnis. Ein sehr aufgebrachter, älterer Herr redete lange und wütend auf die Veranstalter und unschuldig Dabeistehende ein. Er wollte den Feldherrnhalle nicht für solche Spielchen missbraucht sehen und erboste sich zudem darüber, dass man in dieser Zeit doch Einheit und Geschlossenheit zeigen solle. Laut Redaktion hat seine ausführliche Kritik aber anscheinend ein tiefergehendes Verständnis der satirischen Veranstaltung vermissen lassen.

Der Marsch sollte eigentlich vom Odeonsplatz zur Bayerischen Staatskanzlei führen. Um dort gemeinsam zu „trauern“  und „Blumen an einem CSU-Grabstein niederzulegen“, wie Titanic-Chef Hürtgen sagte. Doch die Polizei ließ sie nicht bis vor die Kanzlei ziehen. Warum, ist unklar. Vielleicht fehlte einfach die dafür nötige Genehmigung.

Für den Chefredakteur der Titanic blieb dennoch zu hoffen, dass es in fünf Jahren überhaupt noch Wahlen gibt. Für die CSU hatte er ein paar Ratschläge – die Partei solle  einfach auf altbekannte Traditionen zurückgreifen: In den letzten Jahren seien viel zu viele junge Menschen  zu Wort gekommen, auch Frauen seien ein großes Problem der Partei. Lieber wieder zurück zu altbekannten Männergrößen, wie Beckstein, Stoiber oder etwaigen Strauß-Nachfahren.