Die Schwachstelle des Donald Trump: seine kurzen Finger

In einem Interview kam das Trauma wieder zum Vorschein.
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Es begann alles 1988: Im US-Magazin Spy nannte der Journalist Graydon Carter Donald Trump einen "short-fingered vulgarian". Trump, der offensichtlich besser gegen Ethnien, Religionen und Frauen austeilen kann, als auch nur den Hauch eines Angriffs gegen seine Person einzustecken, schickt Carter seitdem regelmäßig Briefe. Darin befinden sich Zeitungsausschnitte mit Trump-Fotos, auf denen Donald himself mit einem goldenen Marker seine Finger eingekreist hat: "Siehst du, nicht kurz", steht daneben.

Diese doch eher peinliche Anekdote hat John Oliver in seinem 20-Minuten-Rundumschlag gegen Trump erst vor Kurzem noch einmal hervorgeholt (ab 06:05) und genüsslich breitgetreten. 

Jeder vernünftige PR-Berater würde angesichts solcher manischer Eitelkeitsanfälle seines Präsidentschaftskandidaten wohl tunlichst davon abraten, die kurzen Finger noch einmal in einem Interview zu thematisieren.

Aber was macht Trump? Anstatt Fragen zu seiner kontroversen Idee zu beantworten, den IS mit Nuklearwaffen zu bombardieren, "bis sie glühen", kam Trump in im Interview mit der Washington Post wieder auf seine Hände zu sprechen.

Und obwohl wir wohl langsam beginnen müssen, uns mit voller Ernsthaftigkeit mit einem möglichen Präsidenten Donald Trump auseinanderzusetzen: Was er da in einem vollkommen wirren Monolog vom Stapel lässt, ist (unfreiwillig) komischer, als jeder John-Oliver-Gag. Hier sein übersetztes O-Ton-Statement in voller, abstruser Länge:

"Schau dir meine Hände an! Die sind völlig in Ordnung. Niemand außer diesem Graydon Carter damals hat das je behauptet. Meine Hände sind normale Hände. Während einem Wahlkampfduell war er (Trumps Konkurrent Marco Rubio, Anm. d. Red.) gerade am verlieren und sagte: 'Oh, er hat kleine Hände und sie wissen ja, was das bedeutet.' Das war aber nicht ich, der das Thema aufgebracht hat, das war Rubio, der gesagt hat: 'Er hat kleine Hände und sie wissen ja, was das bedeutet.' Okay? Er hat angefangen! Also, was ich dann ein paar Tage später gesagt habe, es war so: Ich schüttelte gerade einer Reihe von Wahlkampfhelfern die Hände, da stand einer auf und sagte:  'Mr Trump, sie haben starke Hände. Sie haben Hände in einer guten Größe!' Und dann war da noch einer, der sagte: 'Sie haben ja tolle Hände, Mr Trump, das hätte ich gar nicht gedacht.' Ich fragte: 'Was meinst du?' und er sagte: 'Ich dachte, Sie wären irgendwie deformiert, ich dachte Sie hätten kleine Hände.'

Da waren 50 Leute... stimmt das? Leute schrieben, 'Wie sehen Trumps Hände aus?' Meine Hände sind völlig in Ordnung! Verstehen Sie, meine Hände sind normal! Sogar ein bisschen groß. De facto kaufe ich meine Handschuhe in etwas kleiner als groß, okay? Ich habe das also gemacht, weil alle gesagt haben: 'Oh, deine Hände sind sehr schön. Sie sind normal.' 

Rubio hat das gesagt, weil ihm sonst nichts eingefallen ist, ich hatte ihn schon ziemlich in die Enge getrieben. (...) Also war eines der Dinge, die er sagte: 'Er hat kleine Hände, und deswegen, sie wissen ja was das heißt, ist etwas anderes an ihm auch klein." Sie können das nachrecherchieren. Ich habe das nicht gesagt."

Wir finden: Ein bisschen kurz sind sie ja tatsächlich, diese Finger. Und: Wir wissen ja, was das bedeutet.

 

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