Trauernde im Februar nach dem Amoklauf in Parkland. Damit es in Zukunft weniger Todesopfer gibt, will die US-Regierung nicht die Waffengesetze ändern, sondern Schüler zu Ersthelfern machen.

Trauernde im Februar nach dem Amoklauf in Parkland. Damit es in Zukunft weniger Todesopfer gibt, will die US-Regierung nicht die Waffengesetze ändern, sondern Schüler zu Ersthelfern machen.

Foto: AFP/Joe Raedle

Seit Monaten kämpfen Tausende Schüler dafür, dass es weniger Amokläufe an US-Schulen gibt. Doch die Regierung unter Donald Trump verschärft die Waffengesetze nicht, wie die Jugendlichen fordern, sondern will Waffengewalt lieber mit noch mehr Waffen bekämpfen. Nun, kurz vor den Kongresswahlen im kommenden Herbst, hat sie sich noch etwas anderes einfallen lassen.

1,8 Millionen US-Dollar will sich die Regierung laut Angaben des Departement of Homeland Security (DHS) die Ausarbeitung eines Programms kosten lassen, von dem sie glaubt, dass es für weniger Tote bei Amokläufen an Schulen sorgen könnte: das sogenannte „School-Age Trauma Training“. Das Programm soll Schülern an High Schools beibringen, wie sie Blutungen stoppen können. So sollen sie verwundete Mitschüler oder Lehrer vor dem Verbluten bewahren.

Das Training sei, so steht es im zugehörigen, vom DHS veröffentlichten Dokument, ähnlich wie Fahrschulunterricht: Alle würden dabei die notwendigen Skills lernen. Die Schüler müssten endlich wissen, „wie sie mit Händen, ihrer Kleidung und Druckverbänden Blutungen kontrollieren können.“ Der Ansatz lehnt sich an die landesweite Kampagne „Stop the Bleed“ des DHS an, die US-Bürger ermutigen und befähigen soll, stark blutenden Opfern, meist mit Schussverletzungen, zu helfen.

Das Training, das noch final ausgearbeitet werden muss und vermutlich erst in ein bis zwei Jahren an US-Schulen etabliert wird, ist nicht der erste Versuch der Regierung, die Gefahren von Amokläufen einzudämmen, indem sie potenziellen Opfern die Verantwortung aufbürdet.

So schlug die Regierung als Reaktion auf den Amoklauf in Parkland vor, dass Lehrer mit Waffen ausgestattet werden sollen, um sie gegen Amokläufer einsetzen zu können. Für Jugendliche in den USA ist es außerdem schon lange normal, sich bei Übungen für den Ernstfall unter Tischen zu ducken, beim Betreten der Schule kontrolliert zu werden wie am Flughafen und durchsichtige Rucksäcke tragen zu müssen. Sogar im Kindergarten wird – in bunten Farben und Reimform – schon gelehrt, wie man sein Leben im Falle eines Amoklaufes am ehesten retten kann. 

Die Debatte um mehr Sicherheit an Schulen wird in den USA aus gutem Grund besonders hitzig geführt: Seit dem Jahr 2000 starben dort rund 250 Lehrer und Schüler durch Amokläufe an Schulen. Die Zahl derjenigen, die verletzt oder traumatisiert wurden, liegt deutlich höher. Im Durschnitt finden etwa zwei Schießereien pro Woche an US-amerkanischen Schulen statt

lath

Währenddessen kämpfen Tausende Schüler für schärfere Waffengesetze: