„Mehr Faschismus wagen“ steht groß auf den CSU-Plakaten, die derzeit im Internet kursieren –und die wohl auch in München hingen, auch, wenn nur wenige Menschen sie gesehen haben wollen.

Auf einem der Plakate lächeln unter dem Schriftzug der italienische Innenminister Matteo Salvini, der österreichische Bundeskanzler Sebastian Kurz und der Innenminister und CSU-Vorsitzende Horst Seehofer in die Kamera. Ein zweites Motiv zeigt Markus Söders Gesicht – dazu den Slogan: „Mehr Faschismus wagen. Dafür bitte ich um Ihr Vertrauen.“

Die Münchner Polizei sagt auf Anfrage zwar, Kenntnis von den Plakaten zu haben, sie aber beim Begehen der Orte nicht gesehen zu haben. Vielleicht gebe es am Mittwoch mehr Informationen, derzeit tappe man ziemlich im Dunkeln. Online verbreitet hat die Plakate das Berliner Aktivisten-Kollektiv Peng mit Posts auf Facebook, Instagram und Twitter. Doch sind die Aktivisten auch die Urheber der Plakate? Zuzutrauen wäre ihnen die Aktion auf jeden Fall, es wäre nicht das erste Mal. Schon häufiger hat die Gruppe in der Vergangenheit Webseiten gekapert oder Identitäten geschaffen, die gar nicht existieren. Da sind gefälschte Wahlplakate ein Leichtes.

Doch ein Anruf bei Peng in Berlin bringt wenig Licht in die Sache. „Ich stehe hier in Berlin auf dem Markt, ich weiß von gar nichts“, sagt Mitglied Gil Schneider. Er habe eher eine andere Vermutung: „Vielleicht hat die CSU es auch einfach verkackt und steht jetzt nicht zu ihrer wahren Meinung?“ Ein zweites Peng-Mitglied bestreitet auf Anfrage, dass die Gruppe hinter der Aktion steckt. Man habe aber Kontakt zu den Verantwortlichen, die jedoch anonym bleiben wollten.

Ganz schön viel Geheimniskrämerei also. Nach dem Ende des Telefonats ruft Schneider nur Sekunden später noch einmal in der Redaktion an: „Aber mal ehrlich: Sollte man nicht mehr über die Message der Plakate nachdenken und nicht darüber, wer es war?“ Wir finden: Es geht ja beides.

Eine Twitter-Nutzerin, die ihren Namen ebenfalls nicht in diesem Text lesen möchte, schreibt uns per Mail, sie habe eines der Plakate in der Poccistraße in München gesehen. „Ich konnte es erst gar nicht fassen, dann musste ich lachen“, schreibt sie. Die Plakate seien nicht als Wahlplakat gedruckt, sondern auf Pappe aufgeklebt gewesen. Und sie schreibt auch: „Ich musste spontan an ‚Mehr Demokratie wagen’ von Willy Brandt denken. Gerade bewegt sich Bayern jedenfalls nicht mehr Richtung Demokratie.“ Diese Gedanken dürften ganz im Sinne von Peng – oder der vermeintlichen anderen Gruppe – sein.

Es ist auf jeden Fall nicht das erste Mal, dass die CSU in diesem Wahlkampf einstecken muss. Erst wurde die Domain soeder-machts.de von der SPD gekapert, ein paar Wochen später landete jeder, der www.mutterallerprobleme.de in der Browser eingab, auf die Website der CSU. Jetzt also die Plakate. Mal sehen, was bis zur Wahl am Sonntag noch passiert.

soas

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