„Täglich Rolls-Royce fahren“ - ein Praktikanten-Protokoll

André ist 27 Jahre alt und studiert an der Fachhochschule in Münster BWL. Seit August ist er Praktikant bei Rolls-Royce Motor Cars, sozusagen die First-Class-Marke der BMW Group. Wenn er von den Luxuswagen spricht, um die es bei seinem Praktikum geht, meint er Modelle, die circa 400 000 Euro kosten.
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Illustration: Julia Schubert

(Foto: privat) Das Praktikum hier ist wirklich mein Wunschpraktikum. Ich war schon immer absolut Auto-begeistert. Als normaler Besucher auf der Internationalen Autoausstellung allerdings kam man an die richtigen Luxuskarossen früher nie so ganz heran. Einmal hinter dem roten Samtsperrband stehen, auf der Seite der Aussteller, das war ein Traum von mir. Seit fünf Monaten arbeite ich nun im deutschen Regionalbüro in München im Vertrieb und im Marketing. Regionalbüro heißt in dem Fall, dass von hier aus die Geschäfte für Kontinentaleuropa und den Mittleren Osten abgewickelt werden. Insgesamt werde ich sieben Monate bleiben und plane im Anschluss auch meine Diplomarbeit hier zu schreiben. Weil es einfach superspannend ist. Zu meinem Tagesgeschäft gehört besonders der Kontakt zu Händlern und Kunden d.h. auch schon mal mit Dubai oder Monaco zu telefonieren. Die ganze Korrespondenz läuft daher zu 80 Prozent auf Englisch, auch Französisch kommt schon mal vor. Man muss sich in jedem Fall reinhängen. Es ist immer viel zu tun, viel Action, Leistung und Einsatz sind gefordert. Auf der anderen Seite bringt es mich ungemein weiter. Wenn ich zum Beispiel komplett für eine Anzeigekampagne verantwortlich bin oder am Bodensee das Fotoshooting für ein Automagazin betreue, sehe ich, was dabei herauskommt. Das sind dann schöne Projekte, die Spaß machen. Natürlich mache ich auch ganz normale Büroarbeiten. Außerdem fahre ich fast täglich Rolls-Royce, geschäftlich natürlich nur. Denn ich kümmere mich um den Fuhrpark und sorge dafür, dass unsere Exemplare vom „Phantom“, dem aktuellen Modell, tiptop aussehen. Ich lasse die Wagen waschen und zu den verschiedenen Events überführen. Insgesamt verbinden sich so ganz unterschiedliche Bereiche: das Wissen aus Verkauf, BWL und Marketing. Ich habe mit Zahlen, Händlern, Kunden und der Presse zu tun. Flexibilität ist dabei keine Floskel, sondern man muss wirklich multitaskingfähig sein. Oft arbeite ich an sechs verschiedenen Dingen gleichzeitig. Bei so einem exklusiven Auto richten wir uns in erster Linie natürlich an das entsprechende Klientel. Klar also, dass viel Wert auf Stil, gute Umgangsformen und das richtige Auftreten gelegt wird. Ein guter Anzug, Hemd und Krawatte sind ein absolutes Muss. Da ich eine Ausbildung zum Automobilkaufmann gemacht und als Vertriebler lange bei einem BMW-Händler gearbeitet habe, ist das nichts völlig Neues für mich. Mein absolutes Highlight des Praktikums war bislang die IAA in Frankfurt. Da stand ich dann am Messestand von Rolls Royce und durfte die Marke vertreten. Aufregend – und auch wenn es etwas kitschig klingt, da war ich fast ein bisschen gerührt.

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