Rap Rendezvous. Wir hören neue Platten mit Melbeatz

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Illustration: Julia Schubert


Melbeatz hat den Sound hiesiger HipHop-Produktionen geprägt wie keine andere. Ihren Titel als unbestrittene Queen Of Beats hat sie sich vor allem als langjährige Produzentin des King Of Rap, Kool Savas, erarbeitet, für den sie seit dessen Anfängen immer wieder innovative Instrumentals aus dem Hut zaubert. Aber auch sonst hat Melanie Wilhelm, wie die Berlinerin mit bürgerlichem Namen heißt, mit vielen großen Namen dies- und jenseits des Atlantiks zusammengearbeitet. Von Samy Deluxe, Jan Delay, Olli Banjo, Xavier Naidoo und Curse bis Kanye West, Mobb Deep, Ol’ Dirty Bastard und Tha Alkaholiks – Melbeatz ist und bleibt eine der gefragtesten Persönlichkeiten des Landes, wenn es um dicke Beats geht. Zur Zeit arbeitet sie jedoch mit der Sängerin Alex Prince unter dem Namen Durstlöscher an einem Elektro-Album. Doch auch vom lang geplanten MMS-Projekt mit Savas und Moe Mitchell soll man in diesem Jahr endlich etwas zu hören bekommen. 

 

 

Aber jetzt geht es los mit dem Rap Review Rendezvous und:

Raekwon - Shaolin vs. Wu-Tang  

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Illustration: Julia Schubert


Läuft dein persönlicher Zugang zu einer Platte immer zuerst über die Beats oder ist es doch das Gesamtgefüge aus Raps und Instrumental, das zusammenpassen muss?
Wenn ich eine Platte höre, gehe ich da nicht als Produzentin ran, sondern habe stets einen sehr unbefangenen, fast schon kindlichen Zugang. Für mich zählt immer der Gesamteindruck, nicht bloß einzelne Komponenten. Das läuft bei mir auf einer sehr emotionalen Ebene ab.  

Bist du generell eine Anhängerin der Wu-Tang-Soundästhetik mit den trockenen, düsternen Beats und dieser Kung-Fu-Mystik?
Ich bin auf jeden Fall kein Wu-Tang-Fan der ersten Stunde, hab die am Anfang richtig gehasst. Mir ging es damals richtig auf den Keks, was die für eine Welle geschoben haben und ich habe irgendwann eine totale Anti-Haltung entwickelt. Rückblickend war das aber natürlich ein bisschen albern, denn der Wu-Tang Clan ist schon geil (lacht).  


RZA, der den Wu-Tang-Sound maßgeblich geprägt hat, ist diesmal gar nicht auf der Platte vertreten. Stattdessen haben namhafte Produzenten wie Erick Serman, DJ Khalil, Sean Price, Kenny Dope und Alchemist Beats beigesteuert. Dein Eindruck?
Der alte Wu-Tang-Vibe kommt am deutlichsten bei „Butter Knives“ rüber, den Bronze Nazareth produziert hat. Aber auch „Snake Pond“ von Selasi ist absolut nach meinem Geschmack – und natürlich „Rich And Black“ mit Nas.  

Findest du die Platte durch die Vielzahl an Produzenten gelungen abwechslungsreich oder hast du den Eindruck, dass viele Köche den Brei verdorben haben?
Nein, die Rechnung geht durchaus auf. Es ist immer gut, wenn man durch verschiedene Produzenten für Abwechslung sorgt, solange die Homogenität nicht darunter leidet. Nach diesem Konzept sind ja auch viele Klassiker-Alben aus den 90ern entstanden. Im vorliegenden Fall hätte ich mir trotzdem ein bisschen mehr Mut zur Moderne gewünscht, denn die Platte hätte in der Form auch schon vor ein paar Jahren herauskommen können.

Auf der Platte sind einige prominente Rapper abseits des Clan-Umfeldes vertreten wie Busta Rhymes, Black Thought und Rick Ross. Hat dich einer davon besonders überzeugt?
Nein, außer Nas eigentlich nicht. Busta Rhymes ist wirklich ein guter Rapper, aber auf Dauer ist der mir einfach zu anstrengend. Und bei Rick Ross nervt mich irgendwie auch, dass er auf Gangsta-Rapper macht, in Wirklichkeit aber früher Gefängniswärter war. In dieser Hinsicht bin ich leider ein bisschen hängengeblieben: Mir ist es wichtig, dass man echt ist in seiner Musik. Das bin ich schließlich auch.    

Pharoahe Monch - W.A.R.  

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Illustration: Julia Schubert


 Nach welchen Kriterien beurteilst du einen Beat?
Für mich gibt es keine flachen oder dicken Beats – das muss man immer im Kontext des jeweiligen Songs sehen. Auch ein hingerotzt wirkender Beat muss nicht hingerotzt sein und kann durchaus Sinn machen. Bedenken kriege ich erst dann, wenn ich das Gefühl habe, jemand produziert bloß aus niederen Beweggründen.  

Wenn man die Leute nach der ersten Assoziation mit dem Namen Pharoahe Monch fragt, werden viele sofort „Simon says“ sagen – einem der großen HipHop-Hits des vergangenen Jahrzehnts. Ist so etwas mehr Fluch oder Segen? „Simon says“ war natürlich ein One-Hit-Wonder. Aber immer noch besser, als nie einen Hit gehabt zu haben, oder? Tatsächlich kommen beim Namen Pharoahe Monch auch bei mir alte Erinnerungen hoch – allerdings weniger an „Simon says“, sondern vielmehr an Pharoahes alte Band Organized Konfusion. Heutzutage kennen die aber wohl nur noch alte Leute wie ich oder irgendwelche HipHop-Fachidioten.

 


Produktionstechnisch hat Pharoahe Monch eine interessante Mischung auf der Platte vereint. Auf der einen Seite Traditionalisten wie Diamond D und Marco Polo, auf der anderen Seite Frickler wie Exile und Samiyam. Passt das zusammen?
Ich habe von den Produzenten noch nie etwas gehört – außer von Diamond D natürlich. Aber da waren tatsächlich ein paar richtig gute Sachen dabei. Mir hat vor allem das dramatisch-pathetische Intro gefallen. Das ist ganz nach dem Geschmack von Savas und mir. Wir mögen dieses Epische. Aber auch den Beat von „Evolve“ fand ich krass oder das gecuttete Sample auf „Let My People Go“. Doch auch die Platte klingt mir zu sehr nach den 90ern und ist mir insgesamt ein bisschen zu standard.    




Kitty Kat - Pink Mafia

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Illustration: Julia Schubert


Freust du dich darüber, dass endlich mal wieder eine Frau im hiesigen Rap-Zirkus auftaucht? Oder bewertest du generell immer nur nach Können und Relevanz, unabhängig vom Geschlecht?
Kitty Kat und ich sind befreundet. Ich feiere die extrem. Allerdings ist „Pink Mafia“ wirklich eine Mädchen-Platte geworden, mit der Jungs wahrscheinlich nicht allzu viel anfangen können.  

Du magst diese Frage, warum es im HipHop nur so wenig Frauen gibt, sowieso nicht so gerne, oder?
Nein, überhaupt nicht. Ich bin da auch die falsche Ansprechpartnerin, denn ich bin ja dabei. Die Frage müsste man vielmehr denjenigen stellen, die nichts Produktives zum HipHop-Geschehen beitragen. 

http://www.youtube.com/watch?v=HJawv6svWyY&feature=related

Was gefällt dir auf dem Album besonders?
Ich mag vor allem ihre Club-Sachen. Die können sich durchaus mit amerikanischen Produktionen messen. Mir macht es tatsächlich Spaß, in meiner Sprache etwas zu hören, das mit amerikanischen Sound-Standards mithalten kann. Einiges ist zwar auch sehr poppig ausgefallen, aber ich mag das.  

Auf dem Stück „Verzeih mir“ rappt Kitty Kat über die Abtreibung, die sie im Alter von 17 Jahren hat vornehmen lassen. Ist das ein Thema, von dem du dich als Frau besonders angesprochen fühlst?
Ja, auf jeden Fall. Den Song hat sie auch echt gut hinbekommen. Das ist ein Stück, das man auf jeden Fall alleine hören sollte – und nicht unbedingt in Anwesenheit seines Freundes (lacht). Aber sie hat das Thema echt unpeinlich umgesetzt – und das ist gar nicht so einfach.    

The Streets - Computers And Blues  

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Illustration: Julia Schubert


Als damals das erste Streets-Album herauskam, waren die Meinungen darüber noch sehr geteilt – gerade bei den typischen HipHop-Realkeepern. Konntest du direkt etwas mit The Streets anfangen?
Nein – und das kann ich auch heute noch nicht. Ich kannte von dem am Anfang nur ein oder zwei Singles, aber selbst die habe ich immer schon als nervig empfunden. Dann hat der auf einmal diesen Hype bekommen und wurde als krasser Poet bezeichnet. Das mag auch stimmen – aber der Typ und seine Musik lassen es einfach nicht zu, dass ich ihm lange genug zuhöre, um das mal zu überprüfen.  

Demnach magst du auch das Album nicht.
Leider nein. Der Typ versucht einfach immer so angestrengt anders zu sein, und das geht mir auf die Nerven. Das ist für mich unhörbar. Der hat zwar ein paar gute Ideen, aber das kommt bei mir überhaupt nicht an. Für mich ist das purer Stress.  

http://www.youtube.com/watch?v=b_ulRwXIzbo[/link]  

Kannst du mal ein Beispiel nennen?
Der Song „OMG“. Das Stück klingt am Anfang eigentlich ganz ok, bis dann plötzlich so eine blöde Fahrradklingel reinkommt – Hauptsache noch irgendwas Verrücktes. Aber das nervt extrem! Der Song an sich ist ganz schön, sehr harmonisch. Aber das war ihm wohl zu normal. Anstatt es aber dabei zu belassen, legt er noch dieses dumme Element drüber und macht damit den ganzen Song kaputt.  

Mike Skinner hatte bereits bei Erscheinen seines letzten Albums angekündigt, dass „Computers And Blues“ das letzte The-Streets-Album werden soll. Dann freust du dich sicher.
Nein. Mir ist das egal. Von mir aus kann der ruhig noch weiter Platten machen. Ist alles cool – solange ich sie mir nicht anhören muss. The Streets sind für mich wie der berühmte Sack Reis in China.    




Mels aktuelle Album-Top-Five:

Drake - Thank You Later
Vor allem die langsamen Songs laufen bei mir auf Heavy Rotation.

Sade - Soldier Of Love
Sie ist und bleibt die Beste.  

Medina - Welcome To Medina
Ein bisschen peinlich, ich weiß. Aber ich steh trotzdem drauf.  

Kanye West - 808 & Heartbeats
Er macht, was er will – und das ist auch noch großartig.  

Roisin Murphy - Overpowered
Die Coolste!    


Mels Alltime-Album-Top-Five:  

Dr. Dre - The Chronic
Das rundeste Album aller Zeiten.  

Dr. Dre - 2001
Die höre ich immer noch rauf und runter.  

Nas - Illmatic
Ohne Worte.  

Michael Jackson - Bad
Von der Platte kann ich nie genug kriegen.  

Mobb Deep - The Infamous
Mit diesem Album war ich das erste Mal in New York.   


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