Ein Logo für das Internet

Sascha Lobo fordert: Das Internet braucht ein eigenes Logo. Dem jetzt.de-Investigativ-Team wurden heute einige Vorschläge zugespielt, zum Beispiel von Helmut Schmidt, Boris Becker und Marina Weisband.
christian-helten

Netzmensch Sascha Lobo hat am Montag Abend auf der re:publica einen etwa einstündigen Vortrag gehalten. Es ging darin natürlich um das Internet als Großes und Ganzes, um die Zukunft des Netzes, Fehlentwicklungen und was man in Zukunft tun müsste, um seine Freiheit und Tollheit zu bewahren und zu verbessern.   Um ein bisschen Aufbruchstimmung unter den deutschen Netzmenschen zu erzeugen, rief er sie unter anderem dazu auf, sich eine Macher-Haltung anzueignen. Man solle einfach machen. Er selbst habe eine lange Historie bekloppter Projekte. Dass die nicht funktioniert hätten, sei egal auf das Machen komme es an. Um gleich mit gutem Beispiel voran zu gehen, fragte er sich (im Video seines Vortrags etwa bei Minute 44): Was ist denn so mit das bekloppteste Projekt, das man sich heute ausdenken kann?

Die Antwort gab er gleich selbst: Ein Logo für das Internet. Lobos Logo-Vorschlag ist ein von zwei Klammern umgebenes Rautezeichen: (#) Es besteht aus Schrift, ist somit überall integrierbar. Es ist genau genommen nicht mal ein Logo, sondern ein Emoticon, ein Sinnbild für die vernetzte Welt.

Sascha Logo Lobo hat also vorgelegt. Und es sind schon weitere Vorschläge bei ihm eingegangen. Eigentlich noch streng geheim, wurden einige davon heute dem jetzt.de-Investigativteam zugespielt.

Der Entwurf von Boris Becker, ehemals Tennis-, heute Twitterstar

Das bedeutet das Netz für ihn: Eine ewige Cocktailparty im Vorraum eines Casinos. Alle sind bester Laune und er begrüßt jeden mit High-Five und einem Spruch über das Sportereignis von gestern Abend. Was er nicht merkt: Sobald er weitergegangen ist, kichern alle.

Sein Auftrag an den Grafiker (übermittelt per Twitter-Directmessage): "The guys from @jetzt_de asked me for a logo for the internet. So proud to be part of this!! It must be a beckerfaust, of course!"

Seine erste selbstgezeichnete Skizze: 

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Illustration: Julia Schubert

der Logo-Entwurf von Manfred Spitzer, dem erhobenen Zeigefinger des Internets 

Das bedeutet das Netz für ihn: Ewige Verdummungsquelle, Geißel der Jugend

Sein Auftrag an den Grafiker: "Na, dann nehmen sie mal den Füllfederhalter zur Hand! Das Internet ist ja wie eine Sucht, vielleicht also eine Spritze. Und wir saugen uns langsam aus, mit dieser Googelei. Ein Vampir also? . . . (denkt nach) . . . Jetzt, ich hab's: Ein Vampir mit Spritzen als Zähnen. Oder eine Spritze mit Vampirgesicht."

Seine erste selbstgezeichnete Skizze:

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Illustration: Julia Schubert

Der Entwurf von Oliver Kahn , hauptberuflicher Titan 

Das bedeutet das Netz für ihn: Er ist allwissend als ZDF-Experte, Fußball-Denker und Managertyp - daher weiß er: Internet, da musst du mitmachen, darfst dich nicht verstecken! Also hat er sich von seiner PR-Beraterin auf allen nötigen sozialen Netzwerken registrieren und eine top-professionelle Homepage bauen lassen. Weil er selbst kein Interesse hat zu twittern, nutzt er seinen Account mit 60.000 Followern als Dauerwerbesendung einer seiner Geschäftsideen .

Sein Auftrag an den Grafiker (per Blackberry-Anruf vom Flughafen London übermittelt) \"Ein Logo? Müsste man eigentlich erst mal die Marktforschung ran lassen. Aber komm, ich sag mal so: wenn du im Internet Erfolg haben willst, brauchst du erst mal 'ne gute Abwehr. 'Ne Viererkette. Da muss ein Dante rein, einer, der beweglich is'. Und vorne, da musst du immer voll da sein. Mit Biss - mit Eiern - überraschend! Also malt mal ein ordentliches 4-5-1-System.

Seine erste selbstgezeichnete Skizze: 

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Illustration: Julia Schubert

Der Entwurf von Altkanzler Helmut Schmidt, entschleunigter Demokratieexperte

Das bedeutet das Netz für ihn: Eine irrsinnige Beschleunigung, die einer wie er weder will noch braucht. Bevor man ohne nachzudenken etwas über Twitter rausbläst, sollte man sich lieber noch mal im Ohrensessel zurücklehnen und einen tiefen Lungenzug nehmen. Trotzdem sieht er es gelassen: Das Grammophon bedeutete schließlich auch nicht das Ende der Konzerthäuser.

 

Sein Auftrag an den Grafiker (handschriftlich, per Kurier): "Das Internet birgt unglaubliche Chancen für politische Teilhabe und eine lebendige Demokratie. Gleichwohl, so gebe ich zu bedenken, fördert es in bedenklichem Maße Oberflächlichkeit und Voreiligkeit. Zeichnen Sie also eine Justizia, die eine Wahlurne und eine Sanduhr in ihrer Waage trägt."   

 

Seine erste selbstgezeichnete Skizze:

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Illustration: Julia Schubert

Der Entwurf von Marina Weisband , Piratin und Zeichnerin

Das bedeutet das Netz für sie: So ziemlich alles. Die Irgendwie-immer-noch-Piraten-Frontfrau lebt im Netz. Es ist ihr Wohnzimmer, ihre Küche, ihr Garten und ihr Gästeklo zugleich. Deshalb ist ihr wichtig, was damit ist und vor allem, was daraus wird.

 

Ihr Auftrag an den Grafiker (übermittelt per Mail): "Das Internet ist unser Schlüssel zu einer besseren Welt. Wir müssen es nur richtig nutzen, dann können wir alle Türen damit aufschließen. Total schön wäre also ein Schlüsselbund, der irgendwie schwerelos wirkt und von ganz vielen Händen gleichzeitig gehalten wird. Im Anhang schon mal ein paar Skizzen , die ich noch in meinem Block hatte.

 

P.S. Ein Einhorn wäre auch total schön."

 

Ihre erste selbstgezeichnete Skizze:  

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Illustration: Julia Schubert

Text: Christian Helten und Jan Stremmel

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