Schon x-mal gesehen

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Egal ob es als Logo eines Fotografen, eines alternativen Restaurants oder einer Partyreihe herhalten muss, das Prinzip X ist immer mehr oder weniger dasselbe: Man setze ein rechtwinklig-symmetrisches X ins Zentrum und fülle die Freiräume wahlweise mit einzelnen Anfangsbuchstaben und/oder Symbolen der jeweiligen Zunft, je nach Beruf also zum Beispiel mit einer Kamera (Fotograf), einem Knopf (Designer) oder einem Reifen (Fixie-Bike-Verkäufer). So stolpert man im Netz derzeit in allen Ecken über das immergleiche Symbol, zumeist auf Seiten von Menschen die sich selbst der Gruppe der „Kreativen“ zuordnen würden. Mit den Logos ist es aber noch nicht genug, auch im Text treibt das x als kreuzendes Element zwischen zwei Worten sein Unwesen. DJ Mustermann spielt in Beispielclub B, die einfallsreichen Promoter nennen das Event „Mustermann x Beispielclub“. Ein Label macht eine Fashionshow in Berlin, der Name: „Label x Berlin“ und so weiter.

Im Netz haben bereits einige den langsam überhand nehmenden Trend erkannt und betreiben mit ironischen Blogs das bereits vom Dreieck bekannte Hipster-Bashing. So kann man sich mit dem Hipster-Logo-Generator in wenigen Sekunden sein X-Logo erstellen, der Nutzer muss nur die passenden Buchstaben für die Zwischenräume auswählen. Auch der Typograf Dave Spengeler bedient sich auf seinem Tumblr „Hipster x Branding“ des X-Logo-Baukasten-Prinzips und gibt den Logos von Großkonzernen wie Coca Cola, Fedex oder Nescafé ein vermeintlich zeitgemäßes Rebranding. Damit will er nach eigener Aussage der „artsy community“ aus Grafikern und Kreativen den Spiegel vorhalten, die offentsichtlich vor lauter demonstrativer Individualität ihr langsam voranschreitendes Abdriften in eine gleichförmige Beliebigkeit verschlafen hat. Die von Spengeler neu designten Logos wirken zwar zeitgemäß, gleichzeitig aber so aussageschwach, dass man sich beim Durchklicken intuitiv das gute alte McDonalds-M oder den Coca-Cola-Schriftzug zurückwünscht.

Im Gegensatz zu den fiktiven Rebrandings von Spengeler ist die Sammlung hunderter, zum Verwechseln ähnlicher X-Logos auf Ean Mac Kayes Tumblr real. Der Autor empfindet die inflationäre Verwendung des X als reines Designhilfsmittel, als eine Kommerzialisierung eines Buchstaben, der in der Hardcore- und Straight-Edge-Szene noch eine echte Bedeutung hat. Mit einem X auf dem Handrücken wurden im LA der frühen Achtziger Minderjährige in Bars markiert, um sie am unerlaubten Alkoholgenuss zu hindern. Die langsam entstehende Hardcorepunk-Szene um Bands wie Minor Threat adaptierte das X, welches sich im Laufe der Zeit zum zentralen Symbol des Verzicht auf Drogen, Alkohol, Promiskuität und Markenwahn entwickelte und Klamotten, Plakate und Flyer zierte. Die Bands Judge und Slapshot integrierten das x in ihre Bandlogos und mit dem New York Hardcore-Emblem war damals auch bereits das Ausfüllen der Zwischenräume mit Buchstabenkürzeln en vogue. Ean MacKaye’s Tumblr dient nun mit seinen täglichen Updates als öffentlicher Pranger der „kreativen“ X-Schänder aus aller Welt, der treffende Titel: „Your Logo is not Hardcore“.

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