1000 km Deutschland: Das Wochenende

Christian, Hjalti der Wikinger und Falk (links), Gero und Frauke beim Ausruhen frauke-finsterwalder und christian-bock erzählen von ihrem ersten Wochenende auf der
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Illustration: Julia Schubert

Christian, Hjalti der Wikinger und Falk (links), Gero und Frauke beim Ausruhen frauke-finsterwalder und christian-bock erzählen von ihrem ersten Wochenende auf der 1000 km Deutschland-Tour. Tagesbericht Christian: Am Freitag Abend waren wir auf einem Wikingerfest in Rehna. Dort gab es Met zu trinken und Nachbauten von mittelalterlichen Katapulten anzuschauen. Alle waren als Wikinger verkleidet. Die Hobby-Wikis würden aber nie zugeben, dass sie verkleidet sind: Sie tragen Wikinger-Namen wie Hjalti und betreiten ein anderes, bürgerliches Leben zu haben. In Rehna gab es auch den verlassensten Bahnhof Deutschlands. Sah aus wie in einer verlassenen Wild-West-Stadt, alle Fenster zugenagelt. Und doch kommt ein paar Mal am Tag ein Zug der Mecklenburgischen Regionalbahn hier vorbei. Die Strecke soll aber seit Jahren eingestellt werden, jetzt hat sich eine Bürgerinitiative gegründet, die das verhindern will. Die Leute von der Bürgerinitiative haben sich vorgenommen, jeder Bahnschwelle auf dem bedrohten Streckenabschnitt, und das sind immerhin 6000, ein Gedicht zu schreiben. Die mit über 1000 geschriebenen Gedichten fleißigste Dichterin hat uns einige ihrer Werke vorgelesen. Samstag haben wir uns in einer kleinen Pension einen Ruhetag gegönnt. Dafür sind wir gestern in Hitze sehr viel gelaufen. Wir wollten bei Schattin eine Abkürzung nehmen, die wie immer keine Abkürzung war. Aber auf einer Kuhweide haben wir etwas Tolles entdeckt: Einen Nando, das ist ein anderthalb Meter großer Laufvogel aus Uruguay. Ein Bauer hatte die Vögel einmal importiert, einige sind ihm ausgebüxt. Und inzwischen leben 52 Exemplare im ehemaligen Todesstreifen. Herr Langmaack, der Nando-Papa genannt wird, weil er sich um die Vögel ein wenig kümmert und versucht zu verhindern, dass die Jäger sie abschießen, hat uns alles über die Nandos erzählt. Heute geht es nach Ratzeburg, dann nach Mölln, der Stadt von Till Eulenspiegel. Hat jemand ein paar Tipps für uns? Tagesbericht Frauke: Wir sind am Freitag nach Wunsiedel getrampt. Jan, ein Sachse mit tollem Mazda, hat uns mitgenommen, und das, obwohl er einen riesigen Umweg für uns machen musste. Und verfahren hat er sich auch ständig, weil er die ganze Zeit gequasselt hat. Gleich der erste Satz war super: „Mann, hab isch eenen Knast“. Damit wollte er uns sagen, dass er Hunger hat. Nach der Fahrt mit Jan muss ich sagen: Die Sachsen sind wirklich die nettesten Menschen Deutschlands. Dieser Satz darf gerne in sächsischen Image-Kampagnen zitiert werden. Wenn ich jetzt über Wunsiedel erzähle, muss ich doch vom Grab von Rudolf Hess erzählen – auch wenn User gebeten haben, mal was anderes zu berichten. Als wir in Wunsiedel ankamen, haben wir aber gleich Leute der Bürgerinitiative „Wunsiedel ist bunt, nicht braun“ getroffen, die sich gegen das Nazi-Image der Stadt und die häufigen Nazi-Aufmärsche wehren wollen. Für ihre Aktionen hat die Initiative den Bundespreis für Toleranz bekommen. Trotzdem trafen wir eine junge Frau, die sich nicht traute, eine Unterschriftenliste zu unterschreiben. Aus Angst, dann von Nazis terrorisiert zu werden. Am Samstag hatten wir eigentlich einen Ruhetag eingeplant, um den wieder in den Zeitplan zu kommen, sind wir trotzdem weitergewandert. Nach Tschechien. Hier erleben wir ein ganz neues Gefühl: Während wir uns in Deutschland immer etwas Landstreicher-mäßig vorkamen, fallen wir hier mit unserem Wander-Equipment auf. Die Tschechen sind nett, aber desinteressiert. Man sieht aber viel mehr junge Leute als gestern noch in Unterfranken. Gestern Nachmittag sind wir an einer Autobahn entlang gewandert. Da stand ein Auto am Rand, in dem eine Sinti- und Roma-Band war. Die dachten, wir wären von MTV, und haben uns bei 35 Grad auf dem Standstreifen ihre Musik vorgespielt, uns Schnaps eingeschenkt. Der Sound klang wie Lionel Ritchie auf tschechisch, gar nicht wie Zigeuner-Musik, obwohl sie das so nannten. Weiß jemand, wie man diese Musik auf Deutsch nennt? Heute müssen wir noch bis Karlsbad laufen, auch wenn endlich mal Gero und nicht mir die Füße wehtun. Wer kann Frauke und Christian Tipps für ihre Tour geben? Ihnen sagen, was sie Anscheuen, wen sie besuchen sollten? Schick ihnen doch eine jetzt-Botschaft. Wenn du wissen willst, was Frauke und Christian letzte Woche erlebt haben, klicke hier.

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