13. 2., <b>McKinsey kommt</b>

Der Satz ist eine Drohung: „McKinsey kommt“, steht im Terminkalender.
tobias-moorstedt

Der Satz ist eine Drohung: „McKinsey kommt“, steht im Terminkalender. Das hat Folgen: Geflüster auf den Fluren, kalter Schweiß unter den Achseln, Panik, Unsicherheit, kristallklare Angst vor den Menschen mit dem Rotstift. McKinsey ist die größte Unternehmensberatung der Welt, eine Ansammlung meist junger Männer und Frauen, teuer gekleidet und trainiert, auf jede Antwort mit denselben Fragen zu reagieren: Rentiert sich das? Lohnt sich das? Über diese Wirtschaftsgurus hat der Autor Rolf Hochhuth jetzt ein Theaterstück geschrieben. „McKinsey kommt“ wird heute am Brandenburger Theater uraufgeführt. Beginn ist um 19.30 Uhr. Zusammen mit der Heldin Hilde Zumbusch besucht der Zuschauer die Schlachtfelder der Arbeits- und Verteilungskämpfe: die Umkleide einer entlassenen Arbeiterin, eine Vorstandsetage, das Arbeitsamt. Der Weltmarkt umfasst den ganzen Erdball. Doch der Kapitalismus ist noch nicht zufrieden und expandiert weiter. Er dringt in die Kirchen und Krankenhäuser, in die Wohnzimmer und das Parlament und unterwirft alle Lebensbereiche seien Bedingungen. McKinsey berät alle, und hat für alle die gleichen Lösungen parat. „Schmeißen Sie doch ein paar Leute raus!“ „Ich zeige die Opfer einer weltweiten Religion, zu der die Diktatur der Weltwirtschaft geworden ist“, sagt Rolf Hochhuth. Die Dogmen der Business-Esoterik sind klar: Effizienz, Hochleistung, Gewinn. Mitleid für die Armen und Entlassenen kennt man in dieser Glaubensgemeinschaft nicht. Das Theaterstück endet vor dem Bundesverfassungsgericht. Hilde Zumbusch streitet dafür, „das Recht auf Arbeit“ im Grundgesetz zu verankern. Aber „McKinsey kommt“ ist ja kein Märchen. Die Klage wird abgewiesen.