15 Studenten und 80 Obdachlose: Das Wiener Audimax ist geräumt

Ende des Audimaxismus: In Wien hat die Polizei den größten Hörsaal der Uni geräumt. Verliert über Weihnachten auch der Protest an deutschen Hochschulen an Nachdruck?
michael-mettke

In Wien nahmen die Studentenproteste im Herbst ihren Anfang und in Wien gehen sie nun kurz vor Weihnachten zu Ende: Am Montagmorgen um 6.30 Uhr löste die Polizei die Besetzung des Wiener Audimax auf. Friedlich.

Nach Angaben einer Unisprecherin waren zum Zeitpunkt der Räumung noch 15 Studenten und 80 Obdachlose im Hörsaal. Die Universitätsleitung hatte den Schritt mit Sicherheitsproblemen begründet, die sich in den beiden vergangenen Wochen gehäuft hatten.

Zitat: Steigender Drogenhandel und –konsum, besonders bei "Technoparties", so am vergangenen Wochenende, sowie anhaltende Brandschutzprobleme ließen das Gefahrenpotenzial im Hauptgebäude der Universität Wien ständig anwachsen.

Am vergangenen Wochenende kam es angeblich zu Schlägereien unter den Besetzern. Für viel Sorge hatte bei Rektor Georg Winckler offenbar die Tatsache gesorgt, dass ein "polizeilich gesuchter deutscher Demonstrant" im Hörsaal festgenommen worden war.

Für die Obdachlosen aus dem Audimax wurden angeblich alternative Unterkunftsplätze organisiert. Die Studenten kündigten für den späten Montagnachmittag neuerliche Proteste an. Die Universität Wien schrieb auf ihrer Website: "Audimax über Weihnachten geschlossen."

Viele Besetzer deutscher Hochschulen zogen ihre Motivation aus dem überraschenden und konsequenten Aufbäumen der österreichischen Studenten. Welche Folgen hat die Räumung von Wien für die deutschen Hörsäle? Bleibt der Protest über Weihnachten am Leben?

Aus mehreren deutschen Hochschulen ist zu hören, dass die Räumung in Wien eher Motivation denn Resignation ausgelöst habe. Viele Besetzer planen nun aus Trotz, ihre Protestaktionen auch über Weihnachten fortzusetzen. Aus Solidarität mit Wien wollen zum Beispiel die Besetzer des Münchner Audimax am Montagabend vor dem österreichischen Generalkonsulat Wiener Walzer tanzen. Insgesamt hat die Unterstützung zumindest für die Münchner Protestierer in den vergangenen Wochen abgenommen. Waren am Anfang der Proteste noch einige hundert Studenten in den Hörsälen, saß am Montagnachmittag nur noch ein harter Kern von zwanzig Leuten im Audimax. Und auch der wird sich dezimieren, weil einige über die Weihnachtsfeiertage nach Hause fahren. Ein Student sagt: „An Weihnachten hört die Solidarität der eigenen Familie auf. Da sollte man lieber nach Hause kommen“.

Ein Weihnachtsprogramm ist trotzdem in Planung. An Heiligabend wollen die Besetzer im Münchner Audimax Kuchen und Plätzchen backen. Am zweiten Weihnachtsfeiertag sollen Workshops für Eltern angeboten worden, in denen es unter anderem um die Zukunft der Bildung geht. Eine Räumung nach Wiener Vorbild ist zumindest vorerst nicht vorgesehen, heißt es in der Pressestelle der Ludwig-Maximilians-Universität. Das Sicherheitsrisiko scheint noch tragbar, selbst wenn am Montag Schneebälle durch den Saal flogen - vermutlich waren es vermummte Burschenschaftler, die so ihre Ablehnung der Proteste zum Ausdruck brachten. Text: michael-mettke - Fotos: rtr, privat

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