3. Februar 2003

Weltmännisch durch den WSV! Es sind doch eigentlich nicht nur die oft bemühten Wühltische, die das Elend eines Winterschlussverkauf ausmachen.
max-scharnigg

Weltmännisch durch den WSV! Es sind doch eigentlich nicht nur die oft bemühten Wühltische, die das Elend eines Winterschlussverkauf ausmachen. Es sind auch nicht die angeblich morgens um halb sieben an Kaufhäuser hämmernden Hausfrauen. Es sind vor allem auch die Preisschilder und Werbepappen, die gräßlich gefärbt Rabattaktionen beschreien und mit denen Hemd und Hose tapeziert sind. Es sind vermutlich die vollgestopften Plastiktüten in den Händen und die übereilten Blicke in den Augen der Menschen. Es sind fast sicher die schlecht angezogenen Verkäufer mit feuchter Stirn. Es auf jeden Fall Namen wie: Schnäppchenzone, Rabattaktion, Fundgrube, Preishammer. Es ist die laute, drängelnde Gier die alle befällt, sobald sie die grellen Preisschilder an Hemd und Hose entdecken. Kurzum: Das Übel eines WSV ist die geballte Stillosigkeit, die alle mutwillig in Kauf nehmen und die die konsumierende Menschheit für ein paar Tage aussehen läßt, wie einen schmutzigen Hyänenkäfig zur Fütterungszeit. Wer sich nicht da nicht einreihen will, befolge meinen Plan: In den Kaufhäusern und Boutiquen sofort die Ecken mit den neuen Kollektionen aufsuchen. Das ist da, wo es ganz leer ist. In Ruhe einen Pullover für dreitausend Euro auswählen und damit zur Kasse gehen. Das ist da, wo Menschenschlangen mit Rabatten zugepflasterte Fetzen schleppen. Arrogant an der Schlange stehen und das Preisschild offensichtlich baumeln lassen. Beim Bezahlen dann scharf und gut hörbar nachfragen, ob man den Pullover zurückgeben könne, schließlich wäre es ja keine reduzierte Ware! Während des letzten Halbsatzes, verächtlich die wartenden, grellen Fetzen mit einem Seitenblick streifen. Dann wie ein König, vor dem sich die wühlende Menge teilt, den restlichen Tag gemächlich in der Fußgängerzone auf- und abspazieren und die gehetzten Tütenschlepper überlegen grüßen. Das irritiert sie nachhaltig. Am nächsten Morgen auf dieselbe Art wieder das Kaufhaus besuchen und an der umlagerten Information lautstark nach der Rückgabekasse fragen. Die neidischen Blicke lustvoll zur Kenntnis nehmend, zur verwaisten Rückgabekasse flanieren und den Pullover zurückgeben. Schließlich kostet der in einem halben Jahr nur noch ganz wenig.

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