30 Jahre Grüne! Ein Geburtstags-ABC

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Arschloch „Mit Verlaub, Herr Präsident, Sie sind ein Arschloch“, rief Joschka Fischer 1984 Bundtagsvizepräsident Richard Stücklen zu. Der nämlich hatte zuvor den Abgeordneten Jürgen Reents des Raumes verwiesen, weil der Helmut Kohl als „von Flick freigekauft“ bezeichnet hatte. Flick hatte der CDU Geld „zur Pflege der politischen Landschaft“ gespendet. Bündnis 90 – waren verschiedene Bürgerrechtsbewegungen in der DDR, die zusammen als „Bündnis 90“ zur ersten und letzten freien Volkskammerwahl der DDR antraten. 1993 schlossen sich die Grünen und das Bündnis 90 zu einer Partei zusammen. Cem – Özdemir, ->Mulitkulti-Aushängeschild der Grünen und neues Alphatier. Die „Bonusmeilenaffäre“ überstand Cem nach einer kurzen Politikpause gut und ist mit Claudia Roth seit 2008 Bundesvorsitzender der Partei (siehe dazu auch Quote) Dosenpfand – Als Umweltminister war Jürgen Trittin dafür verantwortlich, dass am 1.1.2003 das Dosenpfand (die offizielle Bezeichnung lautet „Einwegpfand“) eingeführt wurde. Da der Einzelhandel bis zur letzten Minute auf eine juristische Verhinderung gehofft hatte und deswegen auf die Einführung nicht vorbereitet war, startete das Dosenpfand im Chaos. Dem Einzelhandel wurde eine neunmonatige Übergangsfrist gewährt, während die Geschäfte nur Verpackungen zurücknehmen mussten, die sie selbst verkauft hatten. Es kam zu Insellösungen. Erst 2006 wurden die verschiedenen Pfandsysteme vereinheitlicht. Während der normale Verbraucher sich längst an das Dosenpfand gewöhnt hat, sind Angehörige der Punk-Bewegung noch immer sauer, dass ihnen Jürgen Trittin alias DJ Dosenpfand die geliebte Bierdose weggenommen hat.

Energie Der Atomausstieg ist eines der Themen, an denen in den 30 Jahren seit Gründung der Grünen nicht gerüttelt wurde. Die Anti-Atomkraftbewegung der Siebziger Jahre war und ist eine der sozialen Strömungen, aus denen sich die Partei speist. 2002 wurde der Atomausstieg beschlossen.

Farbbeutel Im Jahr 1999 – 54 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs – beteiligten sich deutsche Soldaten zum ersten Mal wieder an einem Krieg. Dafür, dass die Bundeswehr am Kosovo-Einsatz teilnahm, trägt der damalige Außenminister Joschka Fischer Verantwortung. Er begründete den Einsatz mit einem überzogenen Holocaustvergleich: „Ich habe nicht nur gelernt: Nie wieder Krieg. Ich habe auch gelernt: Nie wieder Auschwitz.“ Auf dem Parteitag der Grünen im Mai 1999 in Bielefeld wurde er deshalb mit einem Farbbeutel beworfen. Fischer platzte bei der Attacke das Trommelfell.


GAL so heißen die Grünen in Hamburg, steht für „Grüne Alternative Liste“. Heulsuse Etwas gemeine Bezeichnung für Claudia Roth. Die ehemalige Managerin der Band „Ton Steine Scherben“ und heutige Bundesvorsitzende der Grünen ist für ihre Emotionalität bekannt. Insellösung - technische Systeme, „die nur innerhalb ihrer eigenen Grenzen wirksam sind und nicht mit ähnlichen oder verwandten Systemen der Umgebung zusammenwirken können bzw. kompatibel sind.“ (nach wikipedia.de). Während der Einführung des -> Dosenpfands wurde der Begriff einer breiteren Masse bekannt. Jugend, Grüne - 1994 gegründete Jugendorganisation der Grünen. Sie setzt sich für einen kontrollierten Verkauf aller Drogen in Fachgeschäften ein, lehnt Studiengebühren ab und fordert die Gleichstellung verschiedener Formen des Zusammenlebens. Sie hat etwa 6500 Mitglieder. Kelly, Petra Die „Jeanne d’Arc der Grünen“ war Gründungsmitglied der Partei. 1980 lernt die Pazifistin den Bundeswehrgeneral Gert Bastian kennen. Bastian hatte sich als junger Mann freiwillig zur Wehrmacht gemeldet und an der Ostfront gekämpft. Später machte er Karriere in der Bundeswehr. Der General opponiert gegen den -> NATO-Doppelbeschluss und wird Mitglied der Grünen. Unter bis heute nicht völlig geklärten Umständen erschießt 1992 der 70-Jährige seine 24 Jahre jüngere Lebensgefährtin und tötet sich anschließend selbst. Latte, Dachlatte Gerät, mit dem manche Politiker gerne die langhaarigen Grünen aus dem Parlament geworfen hätten. So sagte der ehemalige hessische Ministerpräsident Holger Börner, SPD, angesichts der zotteligen, strickenden Wesen: „Früher auf dem Bau hat man solche Dinge mit der Dachlatte erledigt.“

Multikulti Verballhornte bzw. verniedlichende Form des „Multikulturalismus“, den die Grünen von allen Parteien am deutlichsten propagieren - siehe Wahlkreis Kreuzberg-Friedrichshain-Prenzlauer Berg. NATO-Doppelbeschluss Man kann sein Leben ganz gut und erfolgreich leben, ohne dabei zu wissen, was der Nato-Doppelbeschluss ist. Man kann auch kurz lesen, was er beinhaltet und es dann gleich wieder vergessen. Fakt ist, dass Anfang bis Mitte der Achtziger Millionen von Menschen gegen diesen Beschluss demonstrierten und daraus eine ganze Friedensbewegung wuchs. Also ganz kurz: Es ging um die Begrenzung von Atomraketen in Mitteleuropa. Der erste Beschluss: Man wollte mit dem Warschauer Pakt über eine Abrüstung verhandeln. Der zweite Beschluss: Wenn die Verhandlungen scheitern, stellt die NATO noch mehr Pershing-II-Raketen auf. Die Verhandlungen scheiterten und die Raketen wurden aufgestellt. Die SPD unter Kanzler Helmut Schmidt befürwortete den Beschluss, weswegen hunderttausende junge Wähler zu den Grünen wechselten. Ökostalinisten Der ehemalige Bundeswirtschaftsminister Michael Glos, CSU, bezeichnete Jürgen Trittin 2008 als „Ökostalinisten“, mit dem eine Koalition undenkbar sei. Doch schon vor Glos wurde der Teil der Grünen, der einer Regierungsbeteiligung kritisch gegenüberstand, „Fundis“ genannt. Jutta Ditfurth, Galionsfigur der Grünen, bezeichnete sich lieber als „Radikalökologin“.


Putzgruppe Bezeichnung für eine Gruppe junger Männer, die sich Anfang der Siebziger Jahre in Frankfurt mit Steinen und Knüppeln bewaffneten, um sich „mit Helmen gegen die Staatsmacht zu schützen, die die Auseinandersetzung gesucht“ habe. Als bekannt wurde, dass auch Joschka Fischer sich mit Polizisten geprügelt hatte, ging ein Aufschrei der Empörung durch konservative Kreise der Republik. Quote Bei den Grünen gilt eine Frauenquote von 50 Prozent. Realos Das Gegenstück zu den „Fundis“. Die Begrifflichkeit der innerparteilichen Auseinandersetzung wurde hauptsächlich in der Zeitschrift „Pflasterstrand“ ausgetragen. Von dort aus wanderte sie über andere Medien in den allgemeinen Sprachgebrauch. Realpolitiker orientieren sich an der Machbarkeit von Entscheidungen und halten Werte für verhandelbar. Stricken im Bundestag Anfangs eine beliebte Beschäftigung unter grünen Abgeordneten. Heute kaum mehr anzutreffen.

Turnschuhe Der erste grüne Minister in einem Flächenland war Joschka Fischer. Er wurde 1985 in Hessen als Umwelt- und Energieminister von Ministerpräsident Holger Börner vereidigt. Dazu trug Fischer ein grobes Jackett und weiße Nike-Turnschuhe. Ein Foto der ausgelatschten Treter hing später in seinem Büro, als Fischer Außenminister war.

Unschuldsverlust Der fand spätestens 1999 statt, als die Partei ehemaliger Friedensaktivisten den ersten Bundeswehrkriegseinsatz beschloss. Heute wird die Partei vor allem von linksliberalen Besserverdienern gewählt. Volksbegehren „Wir wollen, dass die Bürgerinnen und Bürger auch zwischen den Wahlen per Volksinitiative, Volksbegehren und Volksentscheid – bei Gewährleistung der Grundrechte und des Minderheitenschutzes – über wichtige bundespolitische Fragen entscheiden können, auch wenn deren Umsetzung Geld kostet“, heißt es im „Neuen Grünen Gesellschaftsvertrag“ aus dem Jahr 2009. Die Grünen stehen seit jeher für mehr Basisdemokratie – das die aber nicht nur positive Seiten hat, sollte man sich ab und an vergegenwärtigen und an das Schweizer Minarettverbot denken. Wahlkreis Kreuzberg-Friedrichshain-Prenzlauer Berg Das ist der Wahlkreis, von dem Hans-Christian Ströbele mit 46,8 Prozent der Erststimmen wieder in den Bundestag gewählt wurde. Wenn der Bezirk ein Land wäre, wären die Grünen seit 30 Jahren ununterbrochen an der Regierung – meist mit der absoluten Mehrheit. Zukunft Immer wieder wird Schwarz-Grün als Bündnis der Zukunft beschworen. Die Grünen haben sich in den letzten 30 Jahren stark der bürgerlichen Mitte angenähert, während die CDU in ihrer Breite längst nicht mehr so konservativ ist wie 1980. Nach einer Umfrage des ZDF aus dem Jahr 2008 fanden 52 Prozent der CDU-Wähler und 73 Prozent der Grünen-Wähler in Hamburg eine solche Kombination „gut“. Ob eine Jamaika-Koalition tatsächlich dauerhaft funktionieren kann, wird zur Zeit in Hamburg ausprobiert. Sollte die SPD allerdings ihre Schwäche nicht überwinden, werden schwarz-grüne Bündnisse schon rein rechnerisch wahrscheinlicher werden. *********** Mehr zum Thema auf jetzt.de: +++ Spießer gegen Ökos - Interviews mit den Jugendorganisationen der Grünen und der CDU vor Schwarz-Grün in Hamburg. +++ Debatte: Die Grünen - eine Partei für alle, die nicht erwachsen werden wollen? +++ Interview zum Klimagipfel in Kopenhagen: Die Grünen-Abgeordnete Nestle sagt Ich will auch öffentlichen Druck machen +++ Backstage versus P1? Malte (CSU) und Judith (Grüne) sprechen vor der Bundestagswahl 2009 über schwarze und grüne Politik

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