4. Dezember 2003

„Achtung, Achtung: dies ist ein Medium!“ spricht hier einer monoton über sägende Gitarrenriffs und seltsame Synthies.
daniel-erk
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Illustration: Julia Schubert

„Achtung, Achtung: dies ist ein Medium!“ spricht hier einer monoton über sägende Gitarrenriffs und seltsame Synthies. „Also: Ich wünsche Euch kein frohes Fest und keinen guten Rutsch ins neue Jahr.“ Auf das Weihnachtsgeschäft hat es das neue Album von „Kommando Sonne N-Milch“ mit dem wenig ebenso wenig erbaulichen Titel „Der Specht baut keine Häuser mehr“ wahrlich nicht abgesehen – und dieses neue Album wäre auch wohl nur ein schlechter Ersatz für all die Phil-Collins-Best-Of-Käufer im Rausch. Wer aber gar keinen Ersatz für seichten Pop und ebensolche Balladen sucht, sondern nach Musik, die so seltsam, schräg, aber dann doch schön ist wie – doch ja – das Leben selbst, der ist bei Kommando Sonne N-Milch bestens aufgehoben. In „Braune Engel“ offenbart sich der Kitsch der großen Liebe und idyllischen Natur als leere Hülle, denn „die Freundin ist wahlweise die rechte oder linke Hand und das Obst schmeckt nach Scheiße.“ Starker Tobak, stimmt. Die Gefahr weihnachtlicher Stimmung kommt auf diesem Album nicht auf, dazu ist die Musik (vielleicht manchmal etwas gewollt) zu sperrig und das Glück in den Texten stets vordergründig: „der 10. September war ein guter Tag“ erzählt ein Lied und selbst bei „In Hongkong ist der Puff kaputt und alle Nutten gehen stempeln“ kommt, trotz prinzipieller Bierzelteignung, keine Polonaisenstimmung auf. Wenn aber – spätestens am zweiten Weihnachtstag – auch in den deutschen Wohnzimmern die Idylle bröckelt, hat Kommando Sonne N-Milch eine echte Chance zum Soundtrack zu werden: „Es wird Zeit sich jetzt zu trennen – ihr seid schon lange reif dafür, hätten’s eher machen müssen und ewig warten hält nur auf“ heißt es. Recht so. Und ehrlich. Auf jeden Fall besser als vor Lügen und Kitsch bei der Christmette oder unter den Weihnachtsbaum zu kotzen. Das ideale Geschenk für die ganze Familie also. (P.S.: Für die Indie-Rock-Nerds unter euch: Natürlich ist Kommando Sonne N-Milch nicht irgendeine Band. Natürlich müsste angesichts all der endlosen, „Ex- und/oder auch“-Querverweise auf deutsche Elektro-Pop-, Hundepunk- und Hamburger-Schule-Legenden dieser ganze Text in Klammer gesetzt sein. Aber auch wenn hier tausendmal irgendwelche Stereo Totals, Sterne, Zitronen, Slimes, Omas, Hänse und was-weiß-ich mitspielen – zu hören gibt es Musik. Und die ist super.)

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