50.000 Euro Strafe für eine kopierte Abschlussarbeit?

Altes Thema, neue Meldung: Studenten bedienen sich für Haus- oder Schlussarbeiten gern der Copy-Paste-Methode und die Hochschulen beklagen diesen schlecht kontrollierbaren Sittenverfall. An der Universität Münster, so hieß es Anfang der Woche, drohe einer Studentin der Erziehungswissenschaften jetzt eine Geldstrafe, weil ihre Abschlussarbeit eine Kopie sei. Das NRW-Hochschulgesetz erlaubt eine Strafe von bis zu 50.000 Euro bei solchen Täuschungsversuchen. Muss die Frau nun zahlen? jetzt.de fragte bei Hans-Joachim von Olberg in Münster nach. Er ist der zuständige Studiendekan.
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Werden Sie oder die Universitätsleitung der Studentin eine Geldstrafe aufbrummen? Nein, die Studentin bekommt kein Bußgeld. Sie hat sich von sich aus exmatrikuliert. Ein Bußgeld gibt es zudem nur, wenn die prüfungsrechtlichen Voraussetzungen allesamt ausgeschöpft sind. Das war hier noch nicht der Fall. Was meinen sie mit diesen Vorraussetzungen? Zuerst wird die Arbeit mit der Note sechs bewertet. Dann kann ein Student auch von den nächsten zwei Prüfungen ausgeschlossen werden. Zudem kann man ihm die bisherigen Studienleistungen aberkennen. Das Bußgeld von 50.000 Euro ist dann die letzte und schärfste Maßnahme der Ahndung. Sie wurde noch nie angewandt. 50.000 Euro Bußgeld - ist dieser Betrag nicht zu hoch? Dieses Bußgeld ist keine Idee der Universität Münster. Die Zahl steht im Hochschulgesetz von Nordrhein-Westfalen. Außerdem bezeichnet sie nur die Obergrenze. Es kann genauso gut ein Bußgeld von 500 Euro verhängt werden.

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Illustration: Julia Schubert

Was macht die Studentin jetzt? Dazu gebe ich keine Auskunft. Aber raten sie doch mal! Ist sie an eine andere Universität gewechselt? In NRW gibt es elf Universitäten mit der Möglichkeit zum Lehramtsstudium. Sollte sie wechseln, weiß die neue Universität nichts von ihrem Plagiatsvergehen. Steigt an der Universität Münster die Zahl der Plagiatsfälle? Es ist nicht so, dass an der Uni Münster mehr plagiiert wird. Wir weisen die Studenten lediglich deutlicher darauf hin, dass sie nicht einfach aus dem Internet kopieren können. Benutzen Sie Software zur Erkennung von Plagiaten? Nein, wir sind keine Plagiatjäger. Aber wir verlangen von unseren Studenten eine eidesstattliche Versicherung, dass sie ihre Arbeiten selbst geschrieben haben. Wir wollen im Vorfeld ein größeres Unrechtsbewusstsein schaffen. Wie ist das Plagiatvergehen der Studentin aufgefallen? Ihr Dozent hat in ihrer Arbeit ungewöhnlich viele Fachtermini gefunden, die nie im Unterricht erwähnt wurden. Daraufhin hat er einen Satz der Arbeit in Google eingegeben. Er sah sofort Ergebnisse. Die Studentin hatte die ganze Arbeit von hausarbeiten.de kopiert und nur das Deckblatt verändert. Deshalb handelt es sich dabei auch um einen besonders schweren Fall! Foto: dpa

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