50 Jahre Lego. Erinnerungen an den Baustein einer Kindheit

Eine der wenigen Sachen, die einem heute manchmal fehlt: Das Gefühl der Richtigkeit, mit dem ein Legostein auf einen anderen gesetzt wurde.
max-scharnigg

An die Anfänge erinnert man sich ja nicht. Wo das Zeug herkam, diese Grundmenge an Steinen und Männchen und Bodenplatten, die wie ein bunter Bergrutsch in einer großen Kiste (bei manchen auch: Tonne) lagerte. Vielleicht kam es vom großen Bruder, auch wenn man gar keinen hatte, oder von den entwachsenen Nachbarskindern. Jedenfalls: die Lego-Kiste, war eine üppige, immer verfügbare Verheißung. Fragen musste man, bevor sie ausgeleert werden durfte und nur das machte Sinn, wenn man wirklich ernsthaft loslegen wollte mit dem Bauen. Es galt den Bergsturz zu überblicken, denn gerade die kleinsten, flachen 2er-Steine waren ja so wichtig, die fand nur, wer im Haufen saß, umgeben von Lego-Geröll. Also: „Darf ich Lego?“ Dann das schöne, fließende Geräusch, wenn man die Kiste in einem Schwung ausleerte. Und Mama: „Aber nicht wieder überall verteilen.“

Nur vage war anfangs immer die Vorstellung von dem, was gebaut werden sollte, rechteckige Grundrisse erstmal, die eine Burg werden konnten, Turm, Raumschiff oder Riesen-Klotz. Fortwährend galt es dabei architektonische Probleme zu lösen. So war es etwa gar nicht einfach, eine geschlossene Fassade zu bauen, weil es ja immer „aufgehen“ musste, um die Ecken herum. Wenn die Steine knapp wurden, standen dann die überlangen Klötze aus den Wänden der Burg, wie verirrte Dachbalken. Immerhin konnte man darauf später die Männchen stellen, dann sah es aus, als balancierten sie. Man lernte: Wände, die nicht um die Ecke verzahnt waren, kippten leicht aus der Fassung und Symmetrie hat Vorteile. Fenster und annähernde Giebeldächer wurden sowieso erst später berücksichtigt - kurz bevor man eigentlich zu alt dafür war. In jeder Klasse gab es auch welche, die über diesen Zeitpunkt hinaus bei Lego blieben und es zunehmend als Grundlage ihrer physikalischen Brillanz missbrauchten. Zu Geburtstagen und wenn Besuch kam, gab es Lego als Geschenk. Dabei bot die Produktpalette ganz nach Wichtigkeit des Anlasses alles von Mini-Sets (Ritter mit Brotzeitbox), bis hin zu riesigen Packungen (Sternenflotte). Diese neuen Sachen kamen immer mit fester Definition, waren also ganz klar Feuerwache, Tankstelle oder Mondbuggy. Beim erstmaligen Aufbau folgte man den vorgesehen Plänen. Einmal fertig gebaut, war das neue Spielzeug dann aber auch nahezu am Ende. Der Weg, das lernte man mit Lego ohne es zu merken, war immer das Ziel. Das Fertige war langweilig, kantig und stand nur herum. Erst wenn man es wieder einriss, bröckelte Stein für Stein wieder Lebendiges hinein. Und die nagelneuen Sachen wurden nur durch ihre erste Zerstörung zum vollwertigen Teil der Lego-Kiste. Nie öfter als einmal baute man das Original zusammen, stattdessen mengte man die roten Feuerwache-Steine mit den grauen Ritterburg-Steinen zur Inka-Pyramide ineinander und hatte seine liebe Not, die futuristischen Cockpit-Hauben der Raumschiffe dabei auch noch einigermaßen zu integrieren. Es gab Steine, die klemmten so fest zusammen und waren dabei gleichzeitig so glatt, dass die Knöchel sich weiß färbten, beim Versuch, sie zu trennen. Wichtig waren in erster Linie die Formen, die man schuf, die Anlagen. Ihre Belebung durch die Lego-Männchen war ein eher zweitrangiges Vergnügen, zu begrenzt war das Potential ihrer Arme und Beine. Auf den Packungen trugen die Männchen stets fast lebensechte Züge, waren in Bewegungen fotografiert, die sie Daheim nie einnahmen. Ihre Clip-Hände konnten viel weniger fassen, als die der Playmobil-Männchen, für die es, einziges Zugeständnis, auch die interessantere Auswahl an Waffen gab. Die Männchen kamen jedenfalls zuletzt, wenn die zeitlose Zerstreuung schon fast vorbei war. Und ihnen folgte, Mama: „Räumst du die Steine wieder in die Kiste. Aber alle!“ und darauf, irgendwann später, Papa: „Himmel-Aua, was war denn das?“. Aber da lag man schon wieder im Bett und dachte an ganz was anderes. Auf den nächsten Seiten: 50 Jahre Lego, da kommen allerhand Unsinnigkeiten zusammen. Eine Bildergalerie


Dieser Mann macht Lego-Kunst. Noch ein bisschen erstaunlicher: er verdient seinen Lebensunterhalt damit.


Gott kann man auch dienen, indem man für ihn eine Kirche aus Lego baut.


Und wenn man Abends mal wieder nicht einschlafen kann, einfach ein berühmtes Kunstwerk mit Legosteinen nachbauen. Hier: Edward Hoppers „Nighthawks“.


Ein Lego-Werbe-Film, der an "The Big Lebowski" erinnert: hübsch!


Und aus dem Film “Grease”:

, nachgespielt in Lego.


Sehen Sie, staunen Sie! Rote Steine. Bild: dpa


Geht auch politisch: Das Brandenburger Tor in Steinen. Bild: ddp


Die tollsten Fußballer der Welt, in Lego gegossen. Bild: AP


Nochmal Fußball: Die Münchner Allianz-Arena in klein. Bild: ddp


Noch mal Fußball, noch mal Arena, hier das Fritz-Walter-Stadion. Bild: ddp

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