6.Mai 2004

Leipzig klingt nicht unbedingt nach einem Hort der musikalischen Rebellion.
susanne-klingner
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Illustration: Julia Schubert

Leipzig klingt nicht unbedingt nach einem Hort der musikalischen Rebellion. Aber hier kann man ab heute Abend durch die Gegend rennen und schreien "Ey Krise, dich gibt's doch überhaupt nicht!" Alle würden nicken. Denn zum dritten Mal ist (Pop Up und alles, was mit dieser Musikmesse zu tun hat, fühlt sich keineswegs nach jenem Untergang der Musikbranche an, der seit einigen Jahren wehklagend verkündet wird. Auf der (Pop Up wird über das Musikmachen und nicht über Kopierschutz und Bezahl-Downloads diskutiert. Es wird in den Gesprächsrunden besprochen, wie man von einem Indie-Label überhaupt Miete und Essen bezahlen kann, und gestritten, ob es in Ordnung geht, wenn junge deutsche Pop-Bands plötzlich ihren Nationalstolz entdecken. Mit der Idee, einfach alles zu ignorieren, was nichts mit der Leidenschaft für Musik zu tun hat, haben die (Pop Up-Veranstalter Erfolg: Die (Pop Up ist die zweitgrößte Musikmesse Deutschlands. Nach der Popkomm. Im ersten Jahr, 2002, standen 35 Labels, Verlage, Merchandise-Firmen und Booking-Agenturen im Leipziger Fabrik-Club Werk II - in diesem Jahr sind es schon 120. Und auch die Besucher interessiert, was da im Osten des Landes passiert: Im letzten Jahr kamen 1.300 Besucher - dreimal so viele wie im Jahr davor. Während des Festivals treten in sieben Leipziger Clubs 70 Künstler und Bands auf: unter anderen Die Sterne, Stella, Rhythm King And Her Friends, Superpunk oder Hidalgo. Außerdem legen DJs wie Matthias Tanzmann, Jazzanova oder Sevensol & Bender auf. Die Atmosphäre auf der Messe selbst ist unaufgeregt interessiert, jeder kann schauen, wo, und ausfragen wen er will. Und der Besucher kriegt kein Monster-Programm um die Ohren gehauen, mit dessen zeitlicher Organisation er dann selbst fertig werden muss. Alle Clubs sind zu Fuß zu erreichen. Die zwanzig Leute, die jedes Jahr den harten Kern des (Pop Up Teams ausmachen, arbeiten ohne Bezahlung. Ein Stand auf der Messe kostet 50 Euro, ein Festivalpass 30 Euro für vier Tage. Preise, wegen derer die Popkomm-Veranstalter entweder lachen oder weinen dürften. Doch genau so soll die (Pop Up funktionieren: Jedes noch so kleine Label soll sich einen Auftritt leisten, und jeder Musikfan dabei sein können. Die Veranstalter kümmern sich für No-Budget-Aussteller sogar um Schlafplätze.

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