"8. April: Ich habe 38 Pickel: 28 im Gesicht"

Vorgestellt: Fünf mehr oder weniger berühmte Tagebuchschreiber von Adrian Mole bis Thees Uhlmann
maria-freilich

Das geheime Tagebuch des Adrian Mole 13 3/4 Jahre alt Adrian Mole ist ein schwer pubertierender, englischer Jugendlicher, der täglich seine Penislänge misst. Er selbst sieht sich als Intellektueller und angehender Schriftsteller, seine Bemühungen sind allerdings nicht von Erfolg gekrönt. Die eigentliche Verfasserin heißt Sue Townsend und schuf mit den Tagebüchern einen Klassiker der Jugendliteratur. Auszug: „8. April: Die Nase ist etwas abgeschwollen. Als Mutter von der Vorsorgeuntersuchung heimkam, war sie schlechter Laune. Ich erlaubte Pandora, mich in meinem abgedunkelten Schlafzimmer zu besuchen. Wir hatten eine wunderbare Kußsession. Pandora trug unter ihrem Kleid den Janet-Reger-Seidenschlüpfer ihrer Mutter und erlaubte mir, die Saumspitze zu berühren. Ich war eigentlich mehr an den Spitzen ihrer Hemdträger interessiert, doch Pandora wehrte ab: »Nein, Liebling, wir müssen warten, bis wir unsere O-Levels* haben.« Ich erklärte Pandora, daß mein ganzer sexueller Frust verheerende Folgen für meine Haut habe. Doch sie sagte: »Wenn du mich wirklich liebst, wartest du.« Sie ging dann nach Hause, denn sie mußte unbedingt den Janet-Reger-Slip zurücklegen, bevor ihre Mutter von der Arbeit kam. Ich habe 38 Pickel: 28 im Gesicht und den Rest auf den Schultern.“


2. Kurt Cobain Zum zehnten Todestag von Kurt Cobain, dieses Märtyrers der Indie-Kultur, erschienen 2004 seine Tagebücher. Wer veröffentlichte sie? Natürlich seine vermeintlich geldgierige Witwe Courtney Love. Laut einer Literaturkritik, geben die Tagebücher des großen Cobanen zwar keine endgültige Antwort auf die Frage, warum er Selbstmord beging, dafür aber einen tiefen Einblick in das Seelenleben des wohl einflussreichsten Musikers seiner Zeit, ohne ihn jedoch preiszugeben. Wie das nachfolgende Zitat eindrucksvoll beweist: "Lies nicht in meinem Tagebuch, wenn ich weg bin. Ok, ich geh jetzt zur Arbeit. Wenn Du heut morgen aufwachst, lies bitte mein Tagebuch. Durchwühl meine Sachen und mach Dir ein Bild von mir"


Die Tagebücher der Anais Nin Anais Nin hieß eigentlich Angela Anais Juana Antolina Rosa Edelmira Nin y Culmell wurde 1903 bei Paris geboren und starb 1977 in Los Angeles. Dazwischen hatte sie eine langjährige Affäre mit dem Schriftsteller Henry Miller und schrieb erotische Tagebücher. Über eines, „Das Delta der Venus“, schrieb die New York Times „Dies ist das schönste und direkteste Buch, das je von einer Frau geschrieben wurde. Was es zum doppelten Genuss macht, ist seine Sprache: delikat und geschmeidig, direkt und sinnlich.“ “Ich bereue nichts. Ich bedaure nur, dass mir jeder das Tagebuch nehmen möchte, das mein einziger zuverlässiger Freund ist, der Einzige, der mein Leben erträglich macht; denn mein Glück mit Menschen ist prekär, mein Vertrauen selten, und das leiseste Zeichen von Interesselosigkeit bringt mich zum Schweigen. Im Tagebuch stimme ich mit mir überein.”


Adolf Hitlers Tagebücher Am 23. April 1983 behauptete der stern die geheimen Tagebücher Adolf Hitlers entdeckt zu haben. Reporter Gerd Heidemann hatte über einen Militaria-Sammler Kontakt zu Konrad Kujau erhalten, in dessen Besitz sich die Tagebücher befinden sollten. Angeblich sei eine Junkers-Maschine am 21. April über Sachsen abgestürzt. An Bord hätten sich die geheimen Tagebücher des „Führers“ befunden. Der stern bezahlte anschließend rund neun Millionen Mark. Daraus wurde der größte Presse-Skandal der Nachkriegsgeschichte, denn am 5. Mai 1983 stellte sich heraus, dass es sich um Fälschungen handelte. “September 1940: „Eva sagt, ich habe starken Mundgeruch. Lasse mir von den Ärzten einiges geben. (…) Da es Eva seelisch nicht gut geht, werde ich einige Tage auf dem Berghof bei ihr verbringen. Dieses tapfere Mädchen hat es sehr schwer, sich in die ihr zugedachte Rolle reinzufinden.“


Wir könnten Freunde werden: Die Tocotronic-Tourtagebücher Thees Uhlmann ist eigentlich Sänger der Band Tomte, war aber als solcher und vorher auch enger Freund der Band Tocotronic. Er begleitete sie als Fahrer, Freund und Roadie auf ihren ausgedehnten Live-Touren 1999. Es geht also um das Leben von Arne Zank, Jan Müller und Dirk von Lowtzow auf Autobahnraststätten, mit Alkohol und Sex. Was Musiker eben so machen. Uhlmann selbst sprach im Nachhinein von „der besten Zeit seines Lebens“, der Spiegel fragte: Muss das sein? "Man hat sowieso die feste Überzeugung, bei diesem Festival auf der richtigen Seite zu spielen, ..."

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