Alle meine Exen (6): Die Dings

Im Schnitt hat der Mensch sechs Sexualpartner pro Leben. Das heißt: Einige hat man schon hinter sich. Das sind dann die Ex-Freundinnen und –Freunde. Unsere kleine Serie widmet sich den verschiedenen Typen von Ex-Freundinnen und -Freunden.
durs-wacker

Ja, es stimmt schon – Jungs zählen sich manchmal, aber nur ganz manchmal alle ihre Exen auf, incl. One-Night-Stands und Fehltritte. Warum? Britische Forscher würden antworten: Weil es bei Lebewesen dicytogener Fortpflanzung zum genetischen Urtrieb der Männer gehört, ihr Erbgut möglichst breit in der Gesamtpopulation zu streuen – und da genetische Urtriebe bei Männern immer mit Prahlerei Hand in Hand gehen, sitzen Jungs in jenen dunklen Stunden, da die ganze lange Geschichte der Evolution auf einen Schlag über sie hereinbricht, nach acht Bier zum Beispiel, also da und sortieren ihr bisher gestreutes Erbgut bzw. ihre Exen. Nein, es stimmt nicht, dass es dabei nur um die nackte Zahl geht. Es geht wirklich um die Exen: die große Liebe, der kleine Fehltritt, die längste Beziehung, jede Ex wird bedacht. Dann ist es plötzlich still.

Im Schatten der Erinnerung: die Dings Foto: dpa Moment mal, denkt man, da war doch, verflixt, die Dings, von damals, na, weißt schon, ja zum Kuckuck, gibt´s doch gar nicht, die – wie hieß die denn gleich noch mal? Das ist die Ex, die man immer vergisst. Nicht, weil sie so unscheinbar gewesen wäre oder die Beziehung so kurz, und schon gar nicht, weil wir uns für sie schämen – nein, es ist einfach nur so, dass sich die Dings jeder Erinnerung entzieht: Ob sie nun unscheinbar war oder stets aufgebrezelt wie eine Zirkuspferd, ob sie nun vier Wochen oder nur ein Osterferien lang neben uns im Bett lag, was sie mochte, was sie hasste, was sie tat und was sie ließ – wir wissen es nicht mehr. Es ist alles weg, irgendwo in den Jackentaschen der Erinnerung verloren gegangen, einfach vergessen – und, das ist das Seltsame: Selbst das Vergessen hatte man vergessen. Bis zu jenem Zeitpunkt, an dem in der Parade der Exen dieser Schemen auftaucht. Das ist der Moment, in dem Jungen der schreckliche Verdacht anspringt, dass britische Forscher vielleicht doch recht haben könnten: Geht es nur um das verdammte Erbgut, sind Freundinnen nur dazu da, unser Erbe zu vervielfachen, ist uns in Wahrheit gar nicht wichtig, mit wem genau wir da schlafen, solange wir mit jemandem schlafen? Sind wir Männer einfach – ja, genau: Schweine? Ist aber nur so ein Gedanke. Ist ganz schnell wieder vergessen. +++ Hier geht es zu den anderen Teilen der Serie: Teil 1: Der erste Ex Teil 2: Die Ex, mit der man sich noch gut versteht. Teil 3: Der Arsch Teil 4: Die "Sex mit der Ex"-Ex Teil 5: Der Ex, der einem peinlich ist.

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