Alle meine Exen. Heute: Die mit der man hinterher wieder ins Bett geht

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Ja, da hat man also Schluss gemacht damals, aus seltsamen Gründen. Sie wollte nicht schon wieder so was zu Festes. Oder er musste nach Greifswald ziehen zum Studieren. Oder, wenn wir in Düsseldorf sind: beide hatte gerade total anstrengende Projekte zu leaden. Es waren Soft-Gründe jedenfalls, die die Beziehung langsam ausgefadet haben, kein Geschrei, keine Heulkrämpfe, eher abfahrende Züge oder seltener werdende Anrufe. War ja auch nicht so lange diese Beziehung, vielmehr ein ausgedehnter One-Night-Stand, ein fröhlicher Sommer.

Sauberer Spaß: Der Sex mit der bedeutungslosen Ex. (Foto: dpa) Man ist sich also höchstens ein bisschen verschmollt, und wenn man sich dann nach ein paar Monaten wieder sieht, senkt sich schnell seidigweiche Freundschaft über das gemeinsame Gespräch, das –weil man sich schon nackt sah – die gleiche Intensität besitzt, wie eine mehrjährige Freundschaft ohne Nacktsehen. Es gibt kein Schuld-Gefälle, keinen Versöhnberg über den man drüber müsste, es gibt eigentlich nur die Lust, sich doch bitteschön noch mal nackt zu machen, weil eben diese Phase ja nur bedauernswert kurz war - und weil sie eigentlich das einzig Erinnernswerte überhaupt darstellte. Das Drumherum, bisschen Essen, Reden, Tanzen hatte noch keinen eigenen USP, noch keinen eigenen Geschmack. „Schlafen wir noch mal miteinander?“ klingt beiden so wie „Fährst du mich noch nach Hause?“ – wobei natürlich nicht drüber geredet wird, es ist eher eine nette Selbstverständlichkeit, sehr, sehr entspannt. Dieser Sex ist auch nicht zu verwechseln mit dem, was man macht wenn man sich eigentlich gerade trennt, die Körper aber noch mal gegen alle Vernunft zusammenklatschen. Er ist viel leichter, weil er nichts will und weil am nächsten Morgen nicht Sätze drohen wie: „Hörzu, das gestern Nacht war nur eine einmalige Sache, ich habe das gebraucht um für mich abzuschließen.“ oder „Puh, sorry, da kommen ganz viele alte Gefühle wieder hoch, das ist gar nicht gut.“ Dazu hätte man vorher eine richtig feste und lange Beziehung führen müssen. Mit Mrs. Leichtfuß aber ist alles lockig und schön - das kann soweit gehen, dass sich daraus eine - unter Laborbedingungen gesehen – ideale Konstante entwickelt: jeder der beiden kann beim anderen anmelden, wenn mal wieder Bedarf besteht, es gibt keine Gefühlsemissionen, kein Herzdreck - sehr sauber alles und viel einfacher, als sich immer einen neuen One-Night-Stand suchen zu müssen. All das funktioniert aber nur, solange beide den gleichen Status haben: beide Single, beide in festen anderen Beziehungen (dann aber Vorsicht: unmoralisch!), beide unglücklich anderweitig verliebt. Sobald sich einer doch wieder „mehr“ wünscht oder aber plötzlich glücklich verliebt, ist es aus mit der ganzen unbeschwerten Wiedersehensvögelei und meist ist sie zwischen diesen beiden für immer vertan – ein Umstand der dann doch wieder seltsam stark schmerzt.

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