Alle meine Exen – Teil I: Der erste Freund

Im Schnitt hat der Mensch sechs Sexualpartner pro Leben. Das heißt: einige hat man schon hinter sich: Die Exfreundinnen und –freunde. Teil eins dieser kurzen Serie ist natürlich dem allerersten gewidmet
christina-waechter

Der allererste Freund ist wichtig. Nicht unbedingt, weil man mit ihm sein erstes Mal erlebt hat, das wiederum zu einem Leben voll gutem oder schlechtem Sex geführt hat. Das ist schon auch wichtig. Aber am wichtigsten am ersten Freund ist, dass man dank ihm Eingang in die wunderbare Welt der zwischenmenschlichen Beziehungen bekam. Er (und man selbst vermutlich ihn ebenfalls) hat einen davor bewahrt, komisch zu werden. Denn wenn man nicht irgendwann angefangen hätte mit diesem ganzen Beziehungszeugs, dann wäre man spätestens jetzt ein komischer Kauz geworden. Und deshalb denkt man ihn dankbar zurück. Super war er damals für eine gewisse Zeit, weil er die Eigenschaften hatte, die man an ihm brauchte: Liebenswürdigkeit, Nettigkeit, einen ähnlichen Erfahrungshorizont wie man selbst und ein einnehmendes Wesen, damit die Eltern nicht Angst kriegen, weil man mit ihm tatsächlich Sex haben will. Trotz all dieser hervorragenden Eigenschaften hat die Beziehung nicht gehalten. Das kann an ihm gelegen haben oder an einem selbst, man kann sich nach einer Weile gar nicht mehr genau daran erinnern. Und so schmerzhaft die Trennung damals war, man hat sie schneller weggesteckt, als man jemals dachte. Weil nicht er so wichtig war, sondern die Beziehung zu ihm. Und weil nach ihm die Dinge um einiges spannender wurden. Manchmal trifft man ihn noch heute, denn über irgendwelche gemeinsamen Bekannten ist man noch lose mit ihm verbandelt. Dann sitzt man sich gegenüber, erzählt einander, was in der Zwischenzeit geschehen ist. Und seine Geschichte geht in vielen Fällen so: Nachdem die Beziehung beendet war, hat er schnell eine neue Freundin gefunden, mit der er heute noch zusammen ist. Die beiden wohnen zusammen und wenn sie nicht gestorben sind, leben sie bis an ihr Lebensende in einer gut geschnittenen drei-Zimmer-Wohnung in einem Stadtviertel, in dem auch Kinder gut aufwachsen können. Regelmäßig enden diese Begegnungen mit der Einsicht, dass man es nicht besser hätte treffen können. Damals. Und auch damit, dass man nicht mehr mit ihm zusammen ist. Denn all die Eigenschaften, die ihn zu einem so perfekten ersten Freund gemacht hatten, würden einem heute vermutlich ganz schön auf die Nerven gehen. Bild: ddp

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