Alle meine Exen. Teil II: Die Ex, mit der man sich noch gut versteht

Im Schnitt hat der Mensch sechs Sexualpartner pro Leben. Das heißt: einige hat man schon hinter sich. Das sind dann die Ex-Freundinnen und –Freunde. Unsere kleine Serie widmet sich den verschiedenen Typen von Ex-Freundinnen und -Freunden. Teil zwei der Typologie: Die Ex-Freundin, mit der man sich noch super versteht
peter-wagner

Das waren Zeiten. (Foto: dpa) Da ist also die Beziehung vorbei (lassen wir dahingestellt, wer sie beendet hat und setzen wir voraus, dass die Trennung nicht gar so blutig verlief). Fortan muss man nicht mehr Freitag ab 17 Uhr telefonieren, ob die Feier von Dominik (der gute Freund der Freundin) nun zu besuchen sei oder ob man doch den Abend bei Couch und Wein verbringt und um Mitternacht gemeinsam ins Sofa dämmert. Beziehungsding also: beendet. Nun beginnt eine Phase, die zeigt, ob der während der Trennung geäußerte Verdacht stimmt, dass hinter jeder Weggabelung tolle Menschen lauern, die man endlich auch mal kennen lernen müsste. O-Ton: „Ich brauche endlich Luft. Das mit dir kann doch nicht alles gewesen sein!“. In dieser neuen Phase kann sich allerdings zeigen, dass die Frau, mit der man die vergangenen Jahre verbrachte, ein ganz brauchbarer Treffer war. Eine Erkenntnis, zu der man kommt, wenn das Angebot neuer Bekanntschaften manchmal doch ernüchternder ist, als man es, eingewickelt in den Kokon der Beziehung, zu glauben gewagt hatte. Denn leider: Diese „Wir-haben-uns-auf-Anhieb-verstanden“-Menschen regnet es einem nicht gerade in den Hemdkragen. Und dann vergeht ein Jahr und der Zufall oder der Blödsinn wollen es so und es passiert, was eben so passiert: Man trifft die Ex wieder. Und man spürt vielleicht, wie sich der Frust über Trennung oder die verkorkste Beziehung in Verständnis oder zumindest im Staub der Vergangenheit aufgelöst hat. Man verabredet sich. Und redet über das inzwischen Gewesene („WM gesehen?), die Erfahrungen („aber der war´s dann auch nicht“), den Krimskrams („nenee, ich bin wieder solo“), die umschifften Klippen („als wir damals im Urlaub gestritten haben! Hahaha!“), man ist ja in der Zwischenzeit erwachsen („ich merk schon, wir reden ganz anders“) und mit neuen Einsichten versehen („man darf sich nicht verschenken“). Es ist ein sehr schönes Gefühl: Man hat sich nicht verloren! Man präsentiert sich als neu geborener Mensch, soviel Stolz muss sein, und hat plötzlich wieder eine gewisse Freude am alten Umgang miteinander. Man schätzt sich wieder und freut sich aneinander, nur freundschaftlich, jaja, man redet sich mitunter in die „Super-wie-wir-uns-noch-verstehen!"-Kiste. Aber, Wermutstropfen, spritz` herein: Nicht immer aber doch sehr oft sitzt bei diesen Unterhaltungen ein Partner am Tisch, der den anderen doch gern wieder bei sich hätte. Nicht im Stande eines harmonischen Freundschafts-Klimbims, sondern im Stande einer handfesten Beziehung. Mit Film-auf-Couch und Dominik-ja-oder-nein. Das ist der Jammer beim Gut-mit-der-Ex-Verstehen: Eine Seite will insgeheim noch was. Wird es aber nie mehr bekommen. +++ Hier, nachgereicht, Teil I der Serie über die Ex-Freunde und Ex-Freundinnen: Der erste Freund.

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