Alle wollen Jason: Über den wohl wichtigsten Studenten im US-Wahlkampf

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Jason Rae ist ein unscheinbarer 21-jähriger Junge mit kurzen blonden Haaren und einer Brille. Er studiert in Wisconsin Politikwissenschaften und Geschichte. Am 25. Januar, am Vorabendabend der Vorwahlen in South Carolina, klingelte sein Handy, gerade als er sich fertigmachen wollte, um mit seinen Freunden auszugehen. „Jason, please hold for the former president“– Sekunden später meldete sich Bill Clinton persönlich. Jason Rae ist Mitglied des „Democratic National Committee“ und somit automatisch ein „Super-Delegate“ – ein Super-Wahlmann der Demokraten. Bei einer Präsidentschaftswahl hat er noch nie teilgenommen – bei der letzten Wahl war er noch keine 18.

Screenshot von huffingtonpost.com Jason ist derzeit der wohl gefragteste 21-Jährige in den USA. Vor zwei Wochen erreichte ihn ein Anruf von Senator John Kerry, dem ehemaligen Präsidentschaftskandidaten. Kerry hatte sich auf das Gespräch gut vorbereitet, sprach mit Jason über den Wahlkampf und sein Uni-Leben. Alle, die im US-Wahlkampf etwas zu sagen haben, suchen die Nähe von Jason: Die Ex-Außenministerin Albright rief ihn an, die Ehefrau von Barack Obama traf sich mit ihm zu einem Gespräch. Am vergangenen Montag lud ihn die Präsidententochter Chelsea Clinton zum Frühstück in der Nähe von Jasons Universität ein. Jason trank Apfelsaft, aß eine Banane und ging nach einer halben Stunde wieder – er musste in eine Vorlesung. Jason wurde als 17-jähriger Schüler in diese Nationalversammlung gewählt. Er kandidierte damals für den Staat Wisconsin, der zwei männliche Delegates zur demokratischen Nationalversammlung entsendet. Der Schüler, der nach eigenen Angaben mit 15 das erste Mal Wahlhelfer war und mit 16 die erste Spende an die Demokraten tätigte, setzte sich damals in einem landesweiten Wahlkampf gegen den Präsidenten der Feuerwehr-Union durch. In einem Rennen um die Präsidentschaftskandidatur der Demokraten, das selten so eng war, könnten die Stimmen der Super-Delegates entscheidend sein. So ist es Wahlkampfstrategie der Lager Clinton und Obama, möglichst persönlich um die 796 Super-Delegates zu werben – so engagiert sich Albright und für Clinton und Kerry für Obama beispielsweise. Sollte bis zur Nationalversammlung noch kein Kandidat der Demokraten feststehen, entscheiden die Super-Delegates, ob Obama oder Clinton zur Wahl antreten. Sollte es soweit kommen, sieht es für Hillary Clinton gut aus. Laut einer Umfrage des US-Senders msnbc, fallen auf Clinton derzeit 261 Stimmen und auf Obama 176 Stimmen. Unentschlossen sind demnach 359 Super-Delegates. Die Versammlung der Super-Delegates setzt sich zusammen aus den demokratischen Mitgliedern des Kongresses, den Gouverneuren, den noch lebenden US-Präsidenten und den Mitgliedern des „Democratic National Committee“, einer Nationalversammlung, in die man gewählt wird. Am 19. Februar wird Jason das erste Mal wählen – bei den Vorwahlen in Wisconsin. Das Werben um Jason wird in den nächsten Wochen weitergehen, unabhängig vom Ausgang dieser Vorwahl.

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