Alles über Geld: Das jetzt.de-ABC zum Thema Bank

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A wie Auszug Wenn es einen Eintritt ins finanzielle Erwachsenen-Alter gibt: der Kontoauszug ist der Papier gewordene Beweis fürs Ende der monetären Kindheit. Jahrelang hat man die Älteren bewundert, die bereits ein Konto und damit auch Auszüge hatten. Doch dann, keine vier Ausdrucke später, stellt man fest: Der Kontoauszug ist nur ein gedrucktes Zeugnis der eignen Unfähigkeit, das – zugegeben schmale – private Vermögen zu verwalten. Wenn man älter wird, ändern sich vielleicht die Beträge, das Grundübel, für das der Kontoauszug steht, aber bleibt.

Irgendein ehrgeiziger Azubi investiert dein Geld in Fonds, Illustration: katharina-bitzl B wie Berater Ich habe mittlerweile aufgehört, mich darüber aufzuregen, weil es ja wirklich keinen Sinn macht. Denn Bank-Berater müssen eben auch ihren Job machen. Und der beinhaltet in meinem Fall anscheinend einen Anruf alle zwei bis drei Monate mit der Bitte um ein Gespräch. Es geht den Leuten darum, dass ich immer noch ein Sparbuch habe. Das vertragen die irgendwie nicht, da werden sie ganz kirre, das mögen sie nicht. Also bekomme ich diesen regelmäßigen Anruf, es wird viel geschleimt und am Ende soll ich via Telefon zustimmen, dass irgendein ehrgeiziger Azubi mein jahrelang gespartes Geld in irgendeinen windigen Fonds investiert. Bisher habe ich immer nein gesagt. Aber neulich hatte ich ein älteres Berater-Exemplar am Telefon, der mir meine Zukunft in so düsteren Farben gemalt hat, dass ich ehrlich ins Zweifeln geraten bin. Vielleicht mache ich doch mal einen Termin aus und lasse mich von ihm informieren, welche Angebote die Bank für finanziell konservative Angsthasen wie mich hat.


C wie Cash-Group In den besten Momenten fühlt man sich beim Anblick des Cash-Group-Zeichens wie ein Mitglied eines exklusiven Gentleman-Clubs. Vor allem, wenn die anderen spät nachts zu nörgeln beginnen und nach einer unbedeutenden Provinzbank suchen müssen, um sich ein paar Euro zu sparen. Man selbst ist in diesem Augenblick Teil der globalen Finanzelite: unabhängig von Ort und Automat – überall gibt es Geld superbillig. Wie kleinlich und provinziell dagegen plötzlich die anderen: geoutet als jemand, der seit 20 Jahren dasselbe Konto hat (siehe J wie „Jeans-Sparbuch“). Leider hält dieses Gefühl nur solange an, bis der Automat kein Geld mehr rausrückt (siehe R wie Ratter Ratter und N wie Null). D wie Dauerauftrag Ist ja enorm praktisch, dass ich nicht jeden Monat an die Miete denken muss, sondern sie sich von selber überweist. Genau wie die Krankenversicherung, die Strompauschale, das Zeitungsabo, die Rate für den Aktienfonds und die Bandraumbeteiligung, der Solidarbeitrag für die örtliche Antifa, die Schnitzel-Flatrate und, und, und. So bequem das ist - die Liste der Daueraufträge macht mir Erfüllungsangst und belastet mich. Wenn ich vier Monate im Krankenhaus liege, so denke ich, haben sie mein Konto und den Dispo einfach aufgefressen. Deswegen versuche ich jedes Jahr an Sylvester wieder drei Fixkosten zu streichen. Oder zumindest doch wieder jeden Monat selber dran zu denken. E wie EC-Automat Gerade in fremden Städten ist der EC-Automat oft der Startpunkt in die Nacht (siehe oben bei C wie Cashgroup). Hier wird getankt für die langen Strecken durch fremde Kneipen. Und wie ausländischen Tankstellen (Benzinvorwahl in Italien z.B.) überraschen auch fremde EC-Automaten mit wunderbaren Besonderheiten: In München beispielsweise bieten die Automaten nur große Beträge zur Abhebung an: 50, 100, 200 oder 500 Euro müssen es hier schon sein. In Berlin und Hamburg dagegen, öffnet der Automat auch schon für 20 Euro sein elektrisches Maul (siehe dazu R wie Ratter Ratter). Was daran liegen könnte, dass hier mehr Menschen wohnen, die dass traurige Schweigen der Geldmaschinen kennen.
F wie Fettpolster Mach’ ich seit ich Geld verdiene: Einen Fixbetrag unter den ich nicht kommen darf. Mittlerweile habe ich mich so dran gewöhnt, dass dieser Betrag in meiner Wahrnehmung wie Null ist. Wenn unvorhergesehen ein Batzen abgebucht wird und mein Fettpolster ankratzt, bin ich nervös wie ein Pokerspieler der gerade das Haus seiner siebenköpfigen Familie eingesetzt hat. Nennt es spießig, aber mein Konto-Fettpolster beruhigt mich irgendwie. G wie Geheimzahl-Blackout Passiert zum Glück nur selten, aber wenn, ist es immer wieder peinlich. Neulich zum Beispiel beim Optiker. Ich warte an der Kasse, neben mir ist ein Pärchen damit beschäftigt, für den Herrn eine schicke Sonnenbrille für viel Geld zu kaufen, ich schaue den beiden fasziniert bei ihrem Tun zu. Der Kassierer unterbricht mich, reicht mir ein Gerät rüber, in das ich meine Geheimnummer eingeben muss, und ich habe einen völligen Blackout. Sofort fange ich an zu schwitzen, weil ich glaube, dass er mich gleich des Kreditkarten-Betrugs überführen und in Handschellen abtransportieren wird. Ich stammle herum, krame in meinem Geldbeutel und entdecke zum Glück, dass ich den Betrag gerade noch so bar zusammenkratzen kann. Dann schnell raus aus dem Laden und als sich die Türe hinter mir schließt, fällt sie mir natürlich wieder ein: „8532, du Idiotin! Das ist doch nicht schwer! 8-5=3 und 2 am Schluss!“ Aber da ist es zu spät. Ich werde den Laden nie wieder betreten können. H wie Heimatbank Selbst gestandene Tätowierte, die Aktien wie Kaugummis handeln und in goldenen Kisten herumfahren haben sie noch: Die Heimatbank. Sparkasse Simbach oder Volksbank Tuttlingen steht auf der EC-Karte und verrät alles. Denn die erste Bank, die man seinerzeit vielleicht noch mit der Mutter betreten hat um eine Basis für das Zeitungsaustragegeld zu schaffen, hängt einem aus Bequemlichkeit oft lange an. Ist ja auch nicht so schlimm - wenn einen der halbjährliche Anruf der Beraterin mit starkem Akzent nicht immer so unsanft daran erinnern würde, wo man eigentlich hingehört.
I wie IBAN IBAN spielt in einer Liga mit Begriffen wie Skonto, Lombard-Satz und Agio. Als ich zum ersten Mal nach meiner IBAN gefragt wurde, kam ich mir genauso blöd vor wie vor zehn Jahren, als mich mein Chef nach meiner Sozialversicherungsnummer fragte. Ich konnte nicht einmal sagen, dass ich keine hätte. Ich wusste es einfach nicht. Dabei bedeutet es eigentlich immer etwas Gutes, wenn man nach seiner International Bank Account Number gefragt wird: Man bekommt nämlich Geld. Die IBAN wurde eingeführt, um den internationalen Zahlungsverkehr zu erleichtern. Selbst innerhalb der EU ist die Trennung von Bankleitzahl und Kontonummer nämlich nicht Standard. J wie Jeans-Sparbuch Meine Einstiegsdroge in die Welt von Zinsen und Wertpapieren hatte einen blauen, etwas rauhen Überzug. Das ganze hieß „Jeans-Sparbuch“ und war das Jugendangebot der Heimatbank (siehe H wie Heimatbank). Jahrlang hielt ich dort einen beachtlichen Betrag von 5 DM vor. Doch seinen Wert erhielt das Jeans-Sparbuch auch Jahre später (es gab schon den Euro) durch etwas anderes: der blaue, rauhe Überzug fehlt mir manchmal, wenn ich die geschleckte Welt der Großstadtbanken betrete. K wie Kreditkarte Geld ist nicht wichtig im Leben. Geld ist immer irgendwie da. Man muss nicht wissen, wie viel es eigentlich ist. Die Kreditkarte ist wie Haschisch: sie vernebelt unsere Sinne, gaukelt uns vor, alles sei schon ok und verschafft uns ein angenehmes „Ist-doch-scheiß-egal“-Gefühl. Dazu kommt, dass man sie fast ausschließlich im Ausland benutzt. Die PIN weiß man schon lange nicht mehr, aber es genügt ja eh eine Unterschrift. Auch gut: Die Abrechnungen trudeln erst Wochen später ein. Dieser Moment kann allerdings sehr unangenehm sein (siehe N wie Null).
L wie Leihen Ich hab eine schreckliche Panik davor, Schulden zu machen. Es liegt in erster Linie daran, dass ich kein besonders organisierter Mensch bin und glaube, dass mir das ohne Weiteres passieren könnte, ohne dass ich es merke und dann schau ich einmal kurz nicht und bin bis über beide Ohren verschuldet, muss Privatinsolvenz anmelden, alle zeigen mit dem Finger auf mich und ich ende im Obdachlosenasyl. Um diese Angst ein bisschen einzuschränken, habe ich immer auf einen Dispo-Kredit verzichtet. Was wiederum die Bankberater (siehe B wie Berater) nicht daran hindert, mir immer wieder mit der frohen Botschaft zu kommen, dass sie mir jetzt – endlich – meinen wohlverdienten Dispo eingeräumt hätten. Muss ich dann immer in die Filiale gehen und ihnen auf die Finger klopfen.

M wie Monatsmitte Nach dem 20. schöpfe ich Hoffnung. Meistens. Dann kann man sich ausrechnen, wie viel Geld man noch hat pro Tag und wie viele eventuell auftretende Bedürfnisse damit befriedigt werden können. Denn leider trifft das alte Klischee oft zu: Das Ende des Monats und das Ende des Geldes treten völlig unabhängig voneinander auf. Natürlich gibt es noch den hinterhältigen Freund Dispo (siehe L wie Leihen). Wer aber seiner Bank nicht permanent Geld hinterher schmeißen will, hat zwei Möglichkeiten, mit dem Phänomen Monatsende vs. Geldende umzugehen. Ignorien, also einfach so weitermachen und wie die Oberschlauen Geld mit der Kreditkarte abheben, oder eben sparen und sich vornehmen: Nächsten Monat wird alles anders.


N wie Null Die Null hat in den letzten Jahren stark an Wert verloren. Früher war sie Anfang und vor allem Ende großer und kleiner Träume. Nur noch für wenige Menschen, die sich vor sich selbst schützen müssen und deswegen keinen Dispo haben, hat sie noch eine Bedeutung. Für alle anderen ist sie eine Zahl wie jede andere. O wie Oeffnungszeiten Banken sind ein wenig wie Urlaub im Süden. Nein, nicht in Bezug auf den Erholungsfaktor, sondern lediglich auf die ausgedehnte Mittagspause. Immer, wenn irgendein gelangweilter Forscher herausgefunden haben will, dass die Siesta in Spanien in Wahrheit zu einem Produktivitätsschub im Lande führt, muss ich an meine Siesta-Kasse, äh Bank denken. Hier wird auch ausführlich Pause gemacht. Morgens, mittags und nachmittags. Geöffnet ist lediglich in den tatsächlich kurzen Intervallen dazwischen. Samstags natürlich grundsätzlich nie. Man könnte manchmal denken, der Bankberater wolle seine Kunden gar nicht sehen und verstecke sich deshalb hinter absurd kurzen Öffnungszeiten, zu denen jeder normale Mensch in der Schule, an der Uni oder in der Arbeit ist. P wie Privatbank Dicke Teppiche in holzvertäfelten Zimmern, würdige Herren im Dreiteiler als Berater, Diskretion Ehrensache, jede Menge Tresore und Leichen im Keller – jeder stilbewusste Mensch muss irgendwann mal Kunde einer Privatbank werden. Schon allein um die grässliche Corporate Idendity der Massen-Banken mit Pappaufstellern im Kundenbereich und pickligen Azubis hinterm Panzerglas nicht mehr dulden zu müssen.
Q wie Qual: Im Rücken die Arroganz der besitzenden Klasse und vorne ein Satz, den man nicht sehen will. Entwürdigende Momente sind das, in denen der Automat plötzlich kein Geld mehr ausspuckt (siehe R wie Ratter Ratter). Man probiert es nochmals, verringert dieses Mal die Summe. Hinten in der Schlange grummelt es. Und dann wieder nichts. Es ein drittes Mal zu probieren, traut man sich nicht. Lieber einen anderen Automaten (siehe E wie EC-Automat) suchen und es mit der niedrigsten Summe probieren. R wie Ratter Ratter Mit der Karte öffnet man das Tor zur menschenleeren Halle, stellt sich an den Automaten, ruckelt seine Karte in den Schlitz, gibt die Geheimnummer ein, wählt den Betrag und dann rüttelt es im Getriebe. Ich stelle mir immer vor, dass das der Moment ist, in dem der Automat nachdenkt, ob er mir das Geld geben kann oder nicht. Und wenn er es kann, bin ich immer wieder sehr erleichtert. Die Karte quietscht sich aus dem Schlitz heraus, dann kommt das Geld. Und ich stecke die hübschen glatten Scheine in meinen Geldbeutel. Jetzt schnell raus aus der Halle und rein ins Vergnügen. S wie Scheck Hat Mama früher noch gemacht: Auf dem Kassenband im Supermarkt einen Scheck unterschrieben – wenn der Einkauf mal ein bisschen umfangreicher wurde. Es war die Zeit, als EC-Karten noch keine Chips hatten und mehrheitlich dazu benutzt wurden, die Kontonummer abzulesen. Ein Scheck war ein rechteckiges Papier mit komischem Muster drauf. Die Supermarkttante hat ihn irgendwo hinten in die Kasse einsortiert und der Einkauf war damit bezahlt. Verrückt, oder?
T wie TAN Irgendwann trat dieser Zettel in mein Leben. Auf ihm stand nichts als viele sechsstellige Nummern. Er wurde zu einem der wichtigsten Dokumente in meinem Leben. Ich bewahre ihn in einer Tasche zusammen mit Reisepass, Abiturzeugnis und erstem Liebesbrief auf. Wenn ich ihn verliere, bin ich mit einem Schlag zahlungsunfähig. Zumindest vorübergehend, bis der neue Zettel da ist. U wie Ueberweisung Der so genannte Überweisungsträger ist ein wunderbares Stück-Papier, mit dem man Zeitreisen unternehmen kann. Ein Zettelchen mit kleinen Buchstaben-Kästen, die man mit festem Stift ausfüllen musste, damit die Worte auch durchdrücken auf die andere Seite. So wurde zu Zeiten des Wählscheiben-Telefons Geld überwiesen. Das war bestimmt lustig. Wer heute bei rückständigen Banken einen Scheck einreicht, sieht dass der Bankberater diese Vordrucken noch ausfüllen muss. Das ist lustig - vermutlich aber nur wegen der Vorfreude auf das Scheck-Geld. V wie Verwendungszweck Meist sind es sogar schöne Anlässe, die dazu führen, dass man Freunden Geld überweist. Es geht um teure Konzertkarten, um ausgelegtes Geld im Urlaub oder um Mietkosten. Verbunden mit diesen Summen sind oft gemeinsame Erfahrungen, die die Investition lohnten. Nur so ist der Überschwang zu erklären, der entsteht, wenn Freunde das Feld mit der Überschrift „Verwendungszweck“ mit den Worten „für sexuelle Dienstleistungen“ ausfüllen. Das ist lustig und befördert neben den schönen Erinnerungen an die gemeinsame Zeit auch ein Lächeln aufs Gesicht des Kontobesitzers – das übrigens spätestens dann gefriert, wenn Monate später der Steuerberater alle Kontoauszüge (und darauf auch alle Verwendungszwecke) sehen will.
W wie Wertpapier Aktien hießen früher einmal Wertpapiere, Bankberater (siehe B wie Berater) nennen sie noch heute so. Aktien waren früher auch einmal sehr viel wert. Von 1997 bis 2000 war Deutschland im Börsenrausch und Manfred Krug machte Werbung für die Aktie der Deutschen Telekom. Die stürzte ab von 100 Euro auf 8 Euro. Nicht zuletzt wegen solcher Schwankungen ist das Wertpapier den Deutschen noch immer etwas suspekt. Z wie Zweitkonto Ich war eigentlich immer ein Ein-Konto-Mensch. Erst Sparkasse, dann umzugsbedingt Postbank (siehe C wie Cashgroup). Vor meinem Auslandssemester in Schweden waren vor allem meine Eltern daran interessiert, wie ich mich denn dort finanziell versorgen würde. Auf mein genuscheltes „Na ja, ich hab ja ne Kreditkarte“ reagierte mein Vater mit Berechnungen, wie viel Prozent man pro Abheben draufschlagen müsste und dass das doch alles rausgeschmissenes Geld sei. Eine Kommilitonin, die dasselbe Problem hatte, fand schließlich eine Lösung: Eine ungemein kundenfreundliche schwedische Bank hat in Deutschland Filialen aufgebaut. Eröffnet man dort ein Girokonto, kann man mit seiner EC-Karte an den Automaten dieser Bank in Schweden kostenlos Geld abheben. So kam ich in die schon angesichts meines Kontostandes beinahe lächerlich wirkende Lage, über zwei Konten zu verfügen. Das vermutet man ja sonst eher bei IT-Managern mit Konten in der Schweiz oder Politikern. In Schweden habe ich mir durch mein Zweitkonto jedenfalls wirklich viel Geld gespart. Interessanterweise werden beim Abheben erstmal Gebühren abgezogen – um dann ein paar Tage später wieder zurückgebucht zu werden. So weiß man, wie viel Gebühren man tatsächlich gezahlt hätte. Ich habe das Konto nach meiner Rückkehr für alle Fälle behalten – fast leer.

Text: nina-heinrich - max-scharnigg, christina-kretschmer, philipp-mattheis, dirk-vongehlen

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