Alles verstehen mit Sal Khan

Eigentlich wollte Sal Khan nur seiner Cousine eine Matheaufgabe erklären - jetzt verändert er auf YouTube mit seinen Lehrvideos die Bildung.
verena-kuhlmann

Alles fing vor sieben Jahren sehr klein an: Der damals 27-jährige Sal Khan aus New Orleans hilft seiner 13-jährigen Cousine, die an der Ostküste der USA lebt, bei  Verständnisproblemen im Fach Mathematik. Während er ihr den Stoff am Telefon erklärt, zeichnet er online mithilfe eines Programms Skizzen und Formeln, die die Cousine auf ihrem Bildschirm mitverfolgen kann. Irgendwann bittet sie ihn, das Ganze als Video aufzunehmen, damit sie in ihrem eigenen Tempo lernen, zurückspulen, wiederholen und bereits Gelerntes überspringen könne. Also produziert Khan, der einst Mathematik, Elektrotechnik und Computertechnik studiert hat, mehrere Videos, in denen er auf einfache Art und Weise mathematische und physikalische Formeln erklärt.

In den kleinen Filmen ist stets eine Art „Tafel" zu sehen, auf der in Khans Handschrift Formeln und Skizzen erscheinen, die die Erklärungen, die von ihm als Overvoice über das Video gelegt wurden, auf ganz einfache Art und Weise ergänzen. Khan selbst ist in den Videos nie zu sehen – es geht einzig um seine logischen aber leicht nachvollziehbaren Erklärungen und die helfenden Skizzen. Die Videos lädt er stets in einen eigenen

.


Solche handschriftlichen Skizzen sollen das Lernen erleichtern.

Hier findest du zwei Beispielvideos, in denen Sal Khan

und den

erklärt

Mittlerweile hat Khan mehr als 2400  solcher Lehrvideos aus vielen Fachgebieten produziert. Er zeigt nicht nur, wie Mathe geht, er unterrichtet auch Biologie oder Geschichte. Und mittlerweile hat er sein Hobby zum Beruf gemacht. Er hat seinen Job als Manager eines Hedge Funds aufgegeben und die Khan Academy gegründet. Denn die Einfachheit und Verständlichkeit der Filme kommen gut an. Unter anderen haben ihm "Google" und Bill Gates finanzielle Unterstützung angeboten. Sal Khan will nun die Art, wie wir lernen revolutionieren.

Im Vordergrund steht bei der Khan-Academy das Coaching. Die Teilnehmer werden durch die Videos und extra ausgebildete Coaches an Themen und Problematiken herangeführt, Sachverhalte auf einfache Art und Weise erklärt. Danach kann man das Gelernte in den Übungen umsetzen und trainieren. Dafür gibt es eine „knowledge map", eine Art Diagramm-Karte, auf denen alle zur Verfügung stehenden Übungen ausgewählt werden können.


So sieht die "knowledge map" zum Thema Addition aus.

Zoomt man aus der Karte heraus, können sogenannte „Challenges" absolviert werden, für die man Punkte und Abzeichen erhält. Wer alle Aufgaben gemeistert hat, darf sich einen „Meister der Mathematik" nennen. Alle absolvierten Leistungen und auftretenden Schwierigkeiten werden gespeichert, um den Coaches und dem Teilnehmer selbst einen Einblick in die Fortschritte und Lernerfolge zu ermöglichen.

Das Programm der Academy kann sowohl von Studenten und Schülern als auch von ganzen Klassen unter der Leitung einer Lehrkraft in Anspruch genommen werden. Und dieses Angebot stößt zunehmend auf Interesse. Im November letzten Jahres wandelte sich Khans Idee in den USA vom Webseiten-Angebot zum tatsächlichen Schulunterricht. Drei Schulen in Kalifornien haben begonnen, ganze Stunden mithilfe seiner Videos abzuhalten und die Academy so in einer Art Pilotprojekt auf ihr Potenzial zu testen. Im normalen Unterricht besteht das größte Problem darin, dass der Lehrer wenig Möglichkeiten hat, auf die unterschiedlichen Wissensstufen der einzelnen Schüler einzugehen. Die weiter fortgeschrittenen Schüler langweilen sich oft, diejenigen mit Verständnisproblemen sind schnell überfordert. Durch die Videos kann der Schüler nun im eigenen Tempo lernen und sich bei Bedarf von Coaches helfen zu lassen. Das Lernen soll effizienter werden.

Es gibt allerdings auch Kritiker von Sal Khans Programm. Sie werfen ihm vor, er bringe die Schüler und Studenten dazu, unentwegt auf ihre Bildschirme zu starren, statt mithilfe der Lehrkraft in der Klassengemeinschaft zu lernen. Doch Khans Videos sollen die Lehrkräfte gar nicht ersetzen, sagt er. Er möchte nicht die Art und Weise verändern, in der Unterricht abgehalten wird. Er möchte das Lernverhalten seiner Teilnehmer verändern und individualisieren. Es scheint meistens zu funktioniren. Bill Gates sagt, dass selbst seine Kinder mit der Khan-Academy lernen. Im Herbst vergangenen Jahres wurde Sal Khan im Jahrbuch des Magazins "Fortune" sogar auf Platz 34 in der Liste der „40 under 40" gewählt, die bemerkenswerte Geschäftsaufsteiger des Jahres nennt. Viel Aufmerksamkeit wurde ihm bei seinem Auftritt bei der TED-Konferenz zuteil:

http://www.youtube.com/watch?v=gM95HHI4gLk

Und es geht weiter mit Khans schneller Karriere als der wichtigsten Bildungserneuerer in Amerika. Einige von Sal Khans Videos wurden von „Kno", einem Unternehmen für E-Books, in neue elektronische Schulbücher integriert. Außerdem werden die Videos in immer mehr Sprachen übersetzt. Damit jeder so leicht lernen kann wie Sal Khans Cousine.


Text: verena-kuhlmann - Fotos: Screenshots, Khan-Academy

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