An Awesome Book

Eigentlich hatte er das Buch nur für seinen Sohn geschrieben. Dann verkaufte Dallas Clayton fast 20.000 Stück davon. Jetzt hat er angefangen, es zu verschenken.
eva-schulz

"Es gibt zwei Arten von Träumen: Die, die du hast, wenn du schläfst, und die, die du hast, wenn du wach bist." Mit diesen Worten beginnt ein kurzes Video, das Dallas Clayton ins Netz gestellt hat. Darin beschreibt er die unglaubliche Geschichte von dem Buch, das eigentlich nur für seinen Sohn gedacht war - und von dem er inzwischen fast 20 000 Stück verkauft hat. Dallas ist 29 Jahre alt und lebt in Los Angeles. Er verdient sein Geld mit dem Schreiben. Das hätte schon angefangen, als er 13 war, sagt er. "Damals schrieb ich kleine Hefte, voll mit kindischen Ideen, und verkaufte sie für einen Dollar pro Stück an Menschen auf der Straße." Jetzt macht er die Sachen, die ihm Spaß machen, und dann noch die, die Geld bringen.

Er konnte nicht ahnen, dass er mit seinem Buch "An Awesome Book" beides vereinen würde. Es ist ein dünnes, kunterbuntes Buch, das ohne viele Worte auskommt. Darin beschreibt Dallas, dass die Leute heute von zueinander passenden Silberlöffeln oder einem neuen Hut träumten, anstatt von magischen Wassermelonenbooten oder von Autos, die man mit Bonbons antreiben kann. Manchmal, steht da zwischen lauter flatternden Dollarscheinen, träumten sie sogar Träume, die nicht mal ihre eigenen seien. "Das Buch soll die Leute daran erinnern, dass die fantastischen Träume, die wir im Schlaf haben, nicht enden müssen, nur, weil wir aufwachen." Als "An Awesome Book" fertig war, ließ Dallas eine kleine Auflage drucken und bot es für 15 Dollar im Internet an. Er nahm ein Video auf, nicht mal eine Minute lang, in dem er erklärt, dass dieses Buch wirklich das großartigste auf der ganzen Welt sei („nach der Bibel“), und baute es in seine Website ein. Sonst tat er eigentlich nicht viel. Trotzdem war die erste Auflage schon nach einer Woche vergriffen. Auf einmal gingen Bestellungen aus aller Welt ein, in Amerika, in Asien, Europa, überall wollte man sein Buch lesen. Bis heute kann er sich nicht recht erklären, wie es dazu kam. "Ich versuche, aus einer universellen Perspektive über grundlegende Themen zu schreiben, Dinge, die jeder verstehen kann: Kinder und Erwachsene, Reiche und Arme, egal welcher Herkunft. Etwas, von dem man gleichzeitig seinem besten Freund und seiner Großmutter erzählen will." Und das habe wohl gut geklappt.

So gut, dass Dallas inzwischen sogar auf Lesetour gehen konnte. "Das zu organisieren war das Einfachste, was ich je gemacht habe", sagt er. "Ich schrieb eine E-Mail an alle, die das Buch gekauft hatten, ging Mittagessen und als ich zurück kam, war die Tour gebucht." Zwei Wochen lang reiste er durch den Süden der USA, las in Schulen, Krankenhäusern, Geschäften und Parks. "Es war großartig!" Dallas und sein Sohn bekommen jetzt Post aus der ganzen Welt. Jemand hat das Buch ins Türkische übersetzt, um es seiner dreijährigen Nichte vorlesen zu können. Eine junge Frau hat es als Puppentheater inszeniert. Die amerikanische Modekette "Urban Outfitters" verkauft "An Awesome Book" in ihren Filialen. Und dann meldete sich auch noch der Regisseur Spike Jonze und bat Dallas, ihm bei der Gestaltung eines Weblogs zu seinem neuen Film "Where The Wild Things Are" zu helfen. Längst haben auch die Verlage Wind bekommen vom Erfolg des Indie-Kinderbuchs. Aber Dallas hat all ihre Angebote ausgeschlagen. "Ich habe anfangs zwar darüber nachgedacht, einen Verleger zu suchen, aber da gibt es so viele Regeln, und es dauert einfach zu lange", sagt er. "Ich wollte das Buch sofort mit allen teilen, als ich es fertig hatte. Ich konnte es nicht abwarten." Jetzt verdient er so gut, dass er seine Bücher sogar verschenken kann. "Weil ich so ein kleines Unternehmen bin, habe ich weniger Kosten. So muss ich 1000 Bücher verkaufen, um das Geld zu verdienen, das ich von einem großen Verlag für 100 000 bekommen hätte."

Im Sommer gründete er eine Stiftung, die "Awesome World Foundation". In ihrem Namen verschenkt er pro verkauftem Buch ein Exemplar an junge Leser. "Die Idee ist, es ganz direkt zu spenden, jemandem in die Hände zu geben – in Schulen, Kirchen, Heimen und überall auf der Welt, wo Kinder sind, und sie so zum Lesen und Träumen zu bringen", sagt Dallas. Gleichzeitig schreibt er an zwei neuen Büchern. Wovon die handeln, verrät er noch nicht. Nur, dass sie Ende des Jahres fertig sein sollen. Dann will er auch noch einmal auf Lesetour gehen, und nach Händlern und Hilfsorganisationen in Europa und Asien suchen, mit denen er zusammenarbeiten kann. Ein bisschen scheint das alles wie ein großer, unwirklicher Traum – nur, dass er darauf nicht mal im Schlaf gekommen wäre. [b]Im Video berichtet Dallas von der Lesetour und seiner Stiftung:[/b]

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