Süddeutsche Zeitung

Unsere Kernprodukte

Im Fokus

Partnerangebote

Möchten Sie in unseren Produkten und Services Anzeigen inserieren oder verwalten?

Anzeige inserieren

Möchten Sie unsere Texte nach­drucken, ver­vielfältigen oder öffent­lich zugänglich machen?

Nutzungsrechte erwerben

An der Jugend vorbei: Wie die Tarifeinigung im öffentlichen Dienst bei jungen Arbeitern ankommt

Teile diesen Beitrag mit Anderen:

Acht Prozent mehr Lohn, eine Einmalzahlung von 225 Euro und eine halbe Stunde mehr Arbeit pro Woche: Wie war die Stimmung bei euch heute Morgen? Ich persönlich finde das, was bei den Verhandlungen herausgekommen ist, ein bisschen wenig. In dieser Einigung wurde ja auch unsere Arbeitszeit erhöht, von 38,5 Stunden Arbeit pro Woche auf 39 Stunden. Man muss das alles auch vor dem Hintergrund sehen, dass wir seit 1992 mit unseren Tarifeinigungen ständig unter den Teuerungsraten liegen. Das ist kein Grund zu jubeln. Mit den Tarifabschlüssen aus den 90er Jahren hast du aber nichts zu tun… Das muss man trotzdem berücksichtigen. Viele meiner Kollegen waren damals schon dabei, von denen bekomme ich das mit. Ich gebe ja zu, die Prozente sind okay, doch die Arbeitszeit hätte runter gehen sollen und nicht hoch. Weiter runter mit der Arbeitszeit? Auf wie viel denn? Eine 35-Stunden Woche fände ich gut. Das würde auch Arbeitsplätze schaffen. Wärst du bereit, für eine 35-Stunden Woche auf Geld zu verzichten? Nein, 35 Stunden bei gleichem Gehalt natürlich.

Thomas fühlt sich als Jugendvertreter von Verdi manchmal nicht ernst genug genommen Du bist ein Vertreter der Jugend-Abteilung von Verdi. Gibt es spezielle Jugend-Anliegen, die du versucht hast, durchzudrücken? Ich bin als Jugendgewerkschaftler natürlich besonders daran interessiert, was mit den Azubis passiert. Wir hatten für die aktuellen Tarifverhandlungen ganz konkrete Ziele für unsere Azubis: 120 Euro mehr im Monat, die unbefristete Übernahme aller Azubis und einen Ost-West-Ausgleich. Herausgekommen sind leider nur 70 Euro mehr im Monat. Die Jugend fällt bei solchen Verhandlungen immer ein wenig hinten ab. Nimmt eure Gewerkschaft euch denn nicht ernst? Es ist schon so, dass uns manchmal zu wenig zugetraut wird von unserer Gewerkschaft. Auch in den Medien sind wir einfach nicht gut genug vertreten. Wir wurden in diese Verhandlungen nicht genug eingebunden. Wir hätten auch einen Jugend-Aufstand zustande gebracht. Es würde auch nicht schaden, wenn wir personell besser aufgestellt wären. Bei den Stadtwerken München, bei denen ich angestellt bin, arbeitet noch genau ein anderer junger Mensch für die Jugendgewerkschaft. Hast du dir schon ausgerechnet, was diese acht-prozentige Lohnerhöhung für dich konkret bedeutet? Und was machst du mit dem Geld? Eine Einmalzahlung von 225 Euro für die Beschäftigten des öffentlichen Dienstes ist ja auch vereinbart. Nein, dazu hatte ich noch keine Zeit. Außerdem glaube ich so was erst, wenn ich es auf meinem Lohnzettel sehe. Mal gucken, was nach Abzug der Steuern noch von der Erhöhung übrig bleibt.

  • teilen
  • schließen