Auf dem Weg zu Allah: Der Internetsender "Faysal TV" will den Islam verbreiten

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Es ist ein Zeichen: Faysal TV sitzt in Köln – dort, wo ein Großteil des deutschen Fernsehens produziert und ausgestrahlt wird. Auch Sendungen über den Islam oder die Integration von Muslimen in Deutschland werden produziert, doch nicht immer im Sinne der Muslime selbst, findet Faysal TV. Das will der Fernsehsender in Gründung so bald als möglich ändern.

Die Website von "Way to Allah" Köln Ehrenfeld. Hier, in diesem alten Arbeiterviertel im Westen von Köln, wohnen viele Migranten, und hier befindet sich die Zentrale des islamischen Vereins „Way to Allah“, der Weg zu Gott. 2005 wurde der Verein gegründet, von Adel Zaghdoud, heute der Vorsitzende des Vereins, und Karim Hamunda, sein Stellvertreter. Adel Zaghdoud, 36 Jahre alt, und seine Frau Melek-Nicole empfangen in den Vereinsräumen von „Way to Allah“, an deren Wänden Regale stehen, gefüllt mit Schriften, Büchern und Informationsmaterial zum Islam. Adel trägt einen mittellangen Bart, wie ihn sich mittlerweile etliche junge Muslime wachsen lassen. Diese jungen Männer, die gelegentlich die „junge muslimische Generation“ genannt werden, orientieren sich dabei an Mohammed, dem Propheten des Islam, der so einen Bart getragen haben soll. Adel gehört der größten muslimischen Glaubenslehre an: den Sunniten, die ihren Namen von der Sunna ableiten, den überlieferten Taten und Taten und Aussprüchen des Propheten. Außerdem trägt Adel, wie viele seiner Glaubensbrüder, eine weiße Tunika und eine kleine Häkelmütze. Freundlich begrüßt er einen, mehr jedoch nicht: Einer Frau reicht er zur Begrüßung nicht die Hand. Bevor Adel 1999 nach Deutschland kam, um sein Deutsch zu verbessern, arbeitete er in Tunesien für einen deutschen Reiseveranstalter als Reiseführer. Er blieb und absolvierte eine Ausbildung als Physiotherapeut. „Auf Sylt habe ich in einem Kurort gearbeitet, aber das war nichts für mich“, sagt er. Bald lernte er den marokkanischstämmigen Studenten Karim Hamuda kennen. Mit ihm entwickelte er die Idee zu dem Verein „Way to Allah“. Warum? Adel war aufgefallen, dass viele Deutsche den Islam nicht kennen. „In den Dörfern ist es besonders schlimm. Was dort die Menschen für Vorurteile haben, ist unglaublich“, sagt Adels Frau Melek-Nicole hinzu. Melek trat mit der Heirat zum Islam über. Wie ihr Mann ist sie als Muslimin sofort zu erkennen: Melek trägt ein eng an den Kopf geschnürtes orangefarbenes Kopftuch, das nur die Haare und nicht den Hals bedeckt. Ihr freundliches Gesicht strahlt mit dem Orange. Melek arbeitet in einem Jugendheim. „Wenn ich die Arbeitsstelle nicht vorher gehabt hätte, dann würde ich mit dem Kopftuch sicherlich keine Arbeitsstelle bekommen“, sagt sie. Der Vorstand von „Way to Allah“ besteht aus vier Personen, die im Umkreis von Köln leben. 30 Mitglieder hat der Verein, die sich für unterschiedliche Projekte und die richtige Darstellung des Islam engagieren wollen und Geld spenden. Die Mitglieder stammen aus allen Kontinenten. „Wir haben viele Interessenten und Unterstützer auch im Ausland, die unsere Webseite besuchen“, sagt Adel und zeigt auf seinem Computer den Counter der Internetseite von „Way to Allah“. Dieses Jahr haben sich 36 000 Menschen die Seite angesehen, eine Zahl, die Adel stolz macht. „Was uns alle verbindet“, sagt er, „ist der Islam.“ In Adels Büro steht eine kleine Bibliothek, das Herz von „Way to Allah“. Der Verein verleiht kostenlos deutschsprachig-islamische Literatur an Muslime wie Nichtmuslime. Bücher wie „Was sagt die Bibel über Mohammed“ oder „Koran und die moderne Wissenschaft“ können für einen Monat ausgeliehen werden. Diese Bücher stammen in erster Linie aus der „King Fahd National Library“ aus Saudi-Arabien, die vom strengreligiösen saudischen Staat finanziert wird und sich auf die Fahnen geschrieben hat, den Islam durch die kostenlose Verteilung seiner Schriften in aller Welt zu verbreiten. So bekommt „Way to Allah“ schon mal einen ganzen Karton mit Büchern, die dann bei Infoständen kostenlos an Passanten verteilt werden. Die Infostände werden bundesweit organisiert; damit, so hofft der Verein, werden neue Mitglieder gewonnen. „Way to Allah“ lädt mit Postkarten zudem Priester, Imame und Rabbiner zum interreligiösen Dialog auf ihre Webseite ein. „Es gibt Muslime, die sagen, dass wir den Nichtmuslimen aus dem Weg gehen sollen“, sagt Adel. „Wenn wir friedlich zusammenleben wollen, geht das so nicht.“ Auf der Webseite findet deswegen eine Art Dialog statt – de aber mehr an einen Schlagabtausch erinnert. „Way to Allah“ stellt gerne Aussprüch wie folgenden online: Da sagt ein katholischer Ordensmann: „Mit Hochachtung betrachtet die Kirche auch die Muslime, die den alleinigen Gott anbeten.“ Die Antwort eines Buchautors, die „Way to Allah“ online stellt: „Die Muslime hören immer wieder gerne, was das Vatikanische Konzil In Nostra aetate über sie gesagt hat. Doch das liegt fast ein halbes Jahrhundert zurück, und die Muslime warten immer noch darauf, dass die katholische Kirche auch Muhammad als einen Propheten und den Koran als eine göttliche Offenbarung anerkennt. Solange dies ausbleibt, kann echter Dialog nicht stattfinden.“ Eine weitere Äußerung des Ordensmann ist nicht nachzulesen. So mancher Moslem könnte hier das Gefühl von religiöser Überlegenheit bekommen – hier sind wir, die Muslime, mit der einzig wahren Wahrheit, und dann erst kommen all´ die anderen. Vielleicht ist dies von „Way to Allah“ auch beabsichtigt. Adel sagt dazu nichts. Der Verein sieht sich als nicht politisch; das einzige Ziel, so Adel, sei es, den sunnitischen Glauben zu lehren. Heißt das Missionierung? Adel lächelt. Seine Frau Melek antwortet für ihn: „Wir können die Menschen nicht bekehren. Wenn jemand zu Allah findet, dann wird er ihn dort hinleiten.“ Diese Sichtweise ist typisch für einen Verein wie „Way to Allah“. Adel und seine Frau sehen sich als Diener Gottes und wollen speziell Andersgläubigen den Islam vermitteln. Ihre Ansichten sind dabei überaus konservativ, angefangen bei der Stellung der Frau bis zur Rolle des Islams, der von seinen Gläubigen als die einzig wahre und vollkommene Religion angesehen wird. Allerdings unterscheidet sich „Way to Allah“ im Gegensatz zu ultrakonservativen islamischen Vereinen in einem Punkt – „Way to Allah“ lehnt es nicht ab, mit Nichtmuslimen in Kontakt zu treten. Dem Ziel, den Islam zu verbreiten, dient auch das aktuelle Projekt von „Way to Allah“ – der erste deutschsprachige muslimische Fernsehsender Faysal TV. „Der Sender soll den wahren, nicht den verfälschten Islam aus den Medien darstellen und die Jugendlichen von den radikalen Moslems fernhalten“, sagt Adel. Und Melek fügt hinzu: „Viele der zweiten und dritten Generation der Muslime in Deutschland kennen nicht einmal die fünf Säulen des Islam.“ Diese wären: Fünf Mal am Tag beten, Fasten im Ramadan, Almosen geben, das Glaubensbekenntnis zu Allah und die Hadschfahrt nach Mekka. Mit diesem Thema beschäftigt sich die erste Sendung von Faysal TV, die bereits produziert worden ist. Wann sie jedoch ausgestrahlt wird, ist noch nicht sicher. In zwei Monaten will „Way to Allah“ mit Faysal TV auf Sendung gehen – allerdings zunächst online, als Internet-Fernsehen. Andere Möglichkeiten, ihr Programm auszustrahlen, hat „Way to Allah“ verworfen. „Für uns kam ein offener Kanal nicht in Frage, da man nur Regional zu einer bestimmten Zeit senden kann“, sagt Adel. „In den Medien werden Muslime kaum zu Wort gelassen“, fügt Melek hinzu. Bei der Frage, ob Frauen im Sender zu sehen sein werden, meint sie zwar, dass sie bereits aktiv mitarbeiten, allerdings lieber im Hintergrund bleiben möchten. Jedoch: Wenn eine Frau verschleiert sei, dann, sagt Melek, könne sie auch moderieren. „Wir sind für alles offen“, sagt Adel. Das Programm soll aus Koranrezitationen, Gesprächskreisen, Predigten, Koch- und islamischen Kindersendungen bestehen. Nicht alle dieser Sendungen sollen selbst produziert werden, Faysal TV will auch Sendungen aus arabischen Ländern oder von anderen muslimischen Organisationen produzierte Formate übernehmen. „Wir prüfen alle eingesandten Sendungen auf den Inhalt und dass sie nicht gegen die Verfassung verstoßen“, sagt Adel. „Wir sind einfach für alles offen.“

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