„Wie viele Menschen küssen sich wohl gerade in diesem Moment?“ Das war die Frage, von der aus die Miomi-Gründer Thomas Whitfield und Charly Toni ins Philosophieren kamen, als sie bei einem Glas Wein zusammen saßen. Jetzt, ein halbes Jahr später, leiten sie mit ihrem Freund Richard Schreiber ein eigenes Web 2.0-Unternehmen. Ihre Idee, einen interaktiven Zeitstrahl im Internet zu schaffen, gewann nicht nur den renommierten und mit 5000 Pfund dotierten Idea Idol-Award der Universität Oxford, er überzeugte auch zwei Mitglieder der Jury, gleich selbst zu investieren und den Studenten für die Umsetzung ihrer Idee einen dicken Scheck zu schreiben. 100 Millionen Dollar, hieß es, hätten sie den drei Jungs zur Verfügung gestellt. Ganz so war es leider nicht, stellt Thomas richtig: „Es stand niemand mit einem Koffer voller Scheine vor uns, aus dem wir uns jetzt nach Belieben bedienen können.“

Miomi-Gründer Toni, Schreiber und Whitfield (Foto: miomi) Das Geld der Investoren reichte aber aus, um die Idee der Drei Realität werden zu lassen. Dieser Tage geht miomi.com online und soll, wenn es nach Thomas geht, das Netz und seinen Inhalt revolutionieren und um eine Ordnungsebene erweitern: Die Zeit. Jeder User kann auf dem großen Zeitstrahl Momente markieren, ganz gleich, ob welthistorische Ereignisse, den ersten Kuss oder den Geburtstag der Großmutter. So wird sichtbar, was für Dinge an einem Zeitpunkt passiert sind oder passieren werden. Man kann sowohl das große Ganze betrachten und sich durch die Jahrhunderte scrollen, als auch seinen eigenen Zeitstrahl nach persönlichen Präferenzen erstellen lassen. Wer sich für Britneys Eskapaden mehr interessiert als für das iranische Atomprogramm, kann sie von der Glatze bis zum Auftritt bei den Videoawards verfolgen. Man kann ebenso nach Ereignissen aus dem 18. Jahrhundert suchen oder schauen, wann der Studienkollege in Griechenland sein wird. Unternehmen sollen Zeiträume sponsern können, beispielsweise ein Sportartikelhersteller die Zeit der Fußball-WM. Das British Museum hat eine Million Exponate digitalisiert, die auf seinem eigenen miomi-Zeitstrahl mit weiteren Erinnerungen verbunden werden sollen. Der Platz in einem Museum ist begrenzt, der Zeitstrahl hingegen kann beliebig weiter aufgedröselt werden. Auch die BBC hat schon Interesse angemeldet, einen Zeitstrahl in ihre Internetseiten zu integrieren, ebenso das Freundschaftsnetzwerk Facebook. Wie sehr Miomi das Netz verändern wird, bleibt abzuwarten. Die Leben seiner drei Gründer hat es bereits komplett umgekrempelt. Die Studenten mussten quasi von heute auf morgen zu Führungskräften heranreifen, die sich eine Belegschaft zusammenstellen und leiten mussten, komplizierte Verhandlungen zu führen und weitreichende Entscheidungen zu treffen hatten. Thomas wirkt in dieser Welt bereits sehr angekommen. Fachlich zumindest. Er „brainstormt“, „lowert“ und „shiftet“, erzählt von Strategien für die er sich „aktiv entschieden“ hat, von Venture Capital und Business-Plänen. Schwerer fällt es ihm, sich an den anderen Umgang in der Geschäftswelt zu gewöhnen. Kalt und hart sei diese Welt, in der „jeder seiner ersten Million hinterher hechelt“ und in der die ethische Grenzen sich bei vielen schon sehr nach oben geöffnet haben. Am schlimmsten sei das Gefühl, das er früher nur vom Beenden einer Beziehung kannte und nun fast jeden Tag durchleben muss. „Wenn man mit seiner Freundin Schluss macht, tut man das zwar aus bestimmten Gründen, ist diesem Menschen aber nichts desto trotz emotional verbunden. Das schlechte Gefühl, das man dabei bekommt, erlebt man im Business fast jeden Tag. Zum Beispiel, wenn man sich aus Kostengründen einen Vertrag mit jemandem kündigen muss, der einem sehr geholfen hat.“ Thomas hat keine Angst, dass er sich verändern wird. Er umgibt sich noch immer lieber mit seinen alten Freunden, als mit denen, die ihn „in den Special Members Club einladen.“ Einer seiner besten Freunde ist zum Beispiel Spengler in München. Wer weiß, was herauskommt, wenn er mit dem das nächste Mal auf ein Glas Wein zusammen sitzt.