Auf geht's zum Ego-Schwammerln!

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Vergangenes Jahr war es das Slack-Lining, das die Menschen nach draußen gelockt hat, diesen Sommer diente dem selben Zweck das Guerilla-Gardening. Für den Herbst schlagen wir jetzt das Ego-Schwammerln vor. Ein total verrücktes Hobby, das so ähnlich schon unsere Großeltern betrieben haben und bei dem man am Ende sogar satt wird. Hier die Regeln fürs Ego-Schwammerln:

1. Ego-Schwammerln kann nur draußen stattfinden. Geeignet sind erstmal alle Wälder, zum Beispiel der Perlacher Forst aber auch der kleine namenlose Wald zwischen der Vorortgemeinde in der du gewohnt und der, in der du in die Schule gegangen bist. Riecht gut da? Dann bist du richtig. 2. Als Ausrüstung brauchst du ein tragbares Behältnis und ein Messer. Die richtige Kleidung sollte dich vor peitschenden Ästen und Zecken schützen und ein wenig vor den Blicken der Konkurrenz tarnen. Für alle, die einen schlechten Orientierungssinn haben, empfiehlt sich außerdem ein Kompass, oder eine eigene individuelle Wegmarkierung (Vgl. Hänsel und Gretel). 3. Ego-Schwammerln ist kein geselliger Zeitvertreib. Wenn du siehst, dass schon 15 Autos am Waldparkplatz stehen oder im Wald aus jedem Dickicht Menschen mit der gleichen Ausrüstung brechen, wechsle vorsichtshalber den Platz. 4. Ego-Schwammerln selber funktioniert wie ein Computerspiel: Sammle so viele essbare Pilze ein, wie du auf deinem Weg findest. Aber Vorsicht, wenn du aus Versehen einen Giftpilz sammelst, verlierst du ein Leben. Wenn du zu viele gute Pilze sammelst, kriegst du Ärger mit dem Förster, denn in Bayern darf nur etwa ein Korb (Ist: eine ortsübliche Menge) pro Person gesammelt werden. 5. Essbare Pilze zu erkennen ist nicht ganz leicht. Am besten du kaufst dir ein Pilzbuch und siehst dir zusätzlich die drei Sorten an, die auch am Viktualienmarkt verkauft werden. Steinpilze erkennt man an ihrem dicken weißen Stiel (meistens), dem krempigen und festen braunen Hut und weißen bis gelblichen Schwamm unterm Hut. Pilze mit diesen Schwämmen nennt man auch Röhrlinge. Bei den Maronen ist er gelb, die sind außerdem etwas windiger und dünner als die Steinpilze. Pfifferlinge erkennt man daran, dass sie sehr gelb und rund um München sehr selten sind. 6. Du hast deinen ersten Pilz gefunden? Toll! Fahre vorsichtig mit der Hand unter seinen Hut, das nennt sich unter Profis „Pilz-Crawling“. Fühlt man da weiche Blätter und Falten? Dann lass den Fund lieber stehen. Zwar gibt es eine menge essbarer Lamellenpilze, zum Beispiel Parasole oder Speisetäublinge, aber die Gefahr, dass es ein Endgegner ist, etwa ein Knollenblätterpilz, ist zu groß. Vor allem wenn dir der Pilz im Wald vorkommt wie ein Champignon. Den findet man am ehesten auf Wiesen, aber eigentlich nur im Supermarkt. 7. Das Spannende am Ego-Schwammerln ist, dass die Pilze gut versteckt sind und sich oft perfekt tarnen. Nur derjenige wird ein guter Schwammler, der auch nach einer Stunde noch ein Buchenblatt am Boden von einem kleinen Steinpilz unterscheiden kann. 8. Wer versehentlich auf einen Steinpilz tritt, scheidet aus. Auch Giftpilze sollte man vor Wut nicht in die Ecke kicken. Hat meinen einen Steinpilz sicher erkannt – ganz unten abschneiden! 9. Ein guter Ego-Schwammler muß nicht nur Pilze bestimmen können, sondern sollte sie später auch artgerecht zubereiten. Wie wir von den Schlümpfen wissen, wohnen in Pilzen allerlei Lebewesen, die großzügig weggeschnitten oder ausgeschüttelt werden müssen. Außerdem sollten die Röhren abgekratzt werden. Dann Pilze mit Stiel zu Butter und Zwiebeln in die Pfanne. 10. Wer beim ersten Ego-Schwammeling nichts findet: Keine Sorge, das passiert oft. In diesem Fall ist es nur wichtig, jemand anderem die Schuld dafür zu geben. Es empfehlen sich: Wetter, andere Schwammler, Rehe und Wildsäue, Klimawandel allgemein, Mistfichten und Tschernobyl.

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