Aus dem Leben eines Tennisprofis: Bald trifft Benni Becker auf Boris Becker

Der Saarbrückener Benjamin Becker, 26, ist seit 2005 Tennisprofi und belegt derzeit Rang 74 der ATP-Weltrangliste - die ATP präsentiert bei 63 Turnieren in 30 Ländern Tennissport. Für jetzt.de schreibt Benjamin Tagebuch und beschreibt heute, warum er gerade den Tennisplatz meidet und warum kurz vor Weihnachten ein Traum seiner Kindheit in Erfüllung geht.
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Hallo! Die Saison neigt sich dem Ende zu und für mich steht nur noch ein Turnier in der Ukraine auf dem Programm. Nach der Woche in Paris habe ich die letzten Tage wieder zu Hause in Deutschland verbracht. Mein Trainer ist mit zu meinen Eltern gereist und wir haben im Saarland viel an meiner Kondition gearbeitet. Meine Schulter macht immer noch Probleme, daher waren wir viel im Wald laufen und haben den Tennisplatz gemieden. Ansonsten habe ich natürlich die Geschehnisse der Tenniswelt verfolgt - plötzlich steht mein Sport wieder in den Schlagzeilen. Nicht wegen der Spannung des Spiels, nicht wegen manch herausragendem Sportler und unseren Leistungen, nein: Nun hat auch der weiße Sport einen möglichen Skandal zu bieten. Schade, dass sich die Presse jetzt um Gespräche und Informationen mit und von uns Spielern reißt, nur weil Wettbetrug gewittert wird. Sonst fristet das Tennis in Deutschland nach der Ära Graf, Becker und Stich ja eher wieder ein Schattendasein. Eigentlich schade, denn der Großteil von uns Spielern nimmt den Job sehr ernst und auch die Worte „fair play“ sind keine Phrase. Schwarze Schafe gibt es natürlich immer und überall, warum sollte es im Tennis also anders sein. Doch dass nun gleich Hunderte von Spielern schräg angeschaut werden, die sich rein gar nichts zu schulden haben kommen lassen?! An diese Situation muss man sich erst einmal gewöhnen. Doch zurück zu den schönen Seiten des Lebens: Für mich steht in einigen Wochen, kurz vor Weihnachten, ein ganz persönliches Highlight an. Ich werde ein Match bestreiten, von dem ich schon als kleiner Junge geträumt habe und das damals auf meinem Wunschzettel an den Weihnachtsmann gestanden hat. Ich stehe meinem sportlichen Idol und Namensvetter Boris Becker – nein, wir sind nicht verwandt - auf dem Platz gegenüber und darf mich mit ihm messen.

Wir bestreiten gemeinsam einen Schaukampf in Saarbrücken, es geht also eigentlich um nichts, aber irgendwie doch um alles. Zumindest ideell. Ich habe Boris natürlich schon einige Male getroffen und trage ja auch seine Bekleidungslinie. Aber auf dem Platz begegnet sind wir uns bislang nur einmal für ein Fotoshooting. In meiner Phantasie hatte ich mir das Aufeinandertreffen als Kind auch anderes vorgestellt. Ich träumte von einem ausverkauften Stadion bei einem Endspiel eines großen Turniers. Als es dann eines Tages so weit war, hatte ich für die Fotoaufnahmen plötzlich frisch geföhnte Haare und Make-Up im Gesicht. Nicht wirklich nah dran an meinem Wunsch. Gut, dass es nun also die zweite Chance gibt und wir einfach nur mit- und gegeneinander spielen können. Das Modeln überlasse ich lieber anderen! Es grüßt aus der Heimat: Benni +++ Mehr Benjamin Becker: Hier geht es zum ersten Tagebucheintrag. Hier geht es zum zweiten Tagebucheintrag.

Text: benjamin-becker - Fotos: BrunoMedia

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