<b>Faust vs. Mephisto</b>

Foto: aileen-tiedemann Thomas D.
aileen-tiedemann
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Illustration: Julia Schubert

Foto: aileen-tiedemann Thomas D. und Bela B. lesen Faust Zwei Seelen wohnen in der Brust von Thomas D.: Die des Rappers und die des schöngeistigen Literaturliebhabers. Gemeinsam mit Bela B. hat er deshalb das Hörbuch „Faust vs. Mephisto“ aufgenommen, ein Rhyme-Battle auf höchstem Niveau. „Die CD haben wir innerhalb von zwei Tagen unter Einfluss von viel Rotwein eingespielt“ erzählten die beiden bei der Pressekonferenz in Hamburg. „Während der Aufnahmen musste ich mir Mühe geben, langsam zu sprechen. Das bin ich als Rapper nicht gewöhnt“, sagte Thomas D. Wer Mephisto und wer Faust seine Stimme leihen würde, stand von Anfang an fest. Bela B. entschied sich wegen seiner „Affinität zu düsteren Gestalten“ für den Part des Teufels. Thomas D., begeistert von Goethes Reimkunst, wählte den Wissenschaftler Faust, da auch er ein Suchender sei, der wissen wolle, „was die Welt im Innersten zusammen hält“. So ganz nimmt man dem Fanta-Vier-Rapper die Qualen der Erkenntnissuche allerdings nicht ab. Seine Stimme klingt oft monoton und Sätze wie „Allein bei meinem langen Bart fehlt mir die leichte Lebensart“ aus seinem Mund hören sich gewöhnungsbedürftig an. Zu sehr bringt man seine Stimme mit Zeilen wie „Ist es die da, die da am Eingang steht“ oder „An alle Nixblicker, ich bin der Picknicker“ in Verbindung. Anders ist es bei Bela B., von dem man Texte über Die Fette Elke mit dem Pizzagesicht oder Claudias Schäferhund gewohnt ist. Wenn er mit fieser Stimme raunt: „Alles was entsteht, ist Wert das es zugrunde geht“, dann glaubt man ihm das. Hinzu kommt, dass er selbst zugibt, den Teufel in sich spüren zu können. „Am stärksten, wenn ich bei einem Konzert die Massen manipuliere“, sagt er. Ob das Hörbuch mit der gleichen Begeisterung aufgenommen werden wird, wie die musikalischen Erzeugnisse von den Ärzten oder den Fanstastischen Vier, bleibt abzuwarten. Die Vertonung von Faust I, die auf die Auseinandersetzung zwischen dem Gelehrten und dem Teufel gekürzt worden ist, bietet jedoch einen guten Einstieg für all diejenigen, die sich nicht an den dicken Wälzer von Goethe herantrauen und schon immer mal hören wollten, wie Bela B. ein Schlaflied singt. Vielleicht gelingt es dem Rapper und dem Rocker ja so, das deutsche Urdrama der "Dieter-Bohlen-Generation" näher zu bringen. „Goethes Werk ist auch heute noch aktuell“, so Thomas D. „Denn es ist die Suche nach dem glücklichsten Moment, die uns ein Leben lang antreibt.“

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