<b>Johnny Cash - The Man In Black</b>

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Illustration: Julia Schubert

www.maninblack.net Johnny Cash war einer der größten und populärsten Musiker Amerikas. Und in den letzten 10 Jahren seines Lebens hat er Country sogar den Jungen, den Coolen beigebracht. So dass es auf einmal zu so schicken Kooperationen kam, wie der zwischen der gealterten Coalminer’s Daughter Loretta Lynn und Jack White von den White Stripes. Ohne Johnny Cash und natürlich auch ohne den Heavy-Rübezahl Rick Rubin, Produzent von Slayer und den Beastie Boys wäre das nicht vorstellbar gewesen. Johnny Cash and His Hot and Blue Guitar Begonnen hat die musikalische Geschichte von Cash, wie die der meisten Großen und Guten 1955 in den Studios von SUN-Records, dem legendären Label in Memphis, dessen Besitzer Sam Phillips auch Elvis Presley, Jerry Lee Lewis und Ike Turner auf den Weg gebracht hatte. Sein erster Hit Hey Porter machte ihn schnell berühmt, verheiratet war er seit kurzem mit Vivian, einer Highschool-Liebe, und die erste Tochter, Rosanna, war gerade geboren. Alles war fast perfekt, auch wenn Vivian nicht unbedingt begeistert von seinem Musiker-Leben war und ihn lieber wieder als (erfolglosen) Handelsvertreter sehen wollte mit gelegentlichen Wochenend-Auftritten in der Gegend. Aber dafür war es längst zu spät. Der Man in Black, der sang, er hätte in Reno einen Typen erschossen, nur um ihn sterben zu sehen, wurde immer größer. Seine düstere Ausstrahlung und seine Wildheit wurden durch die Einnahme diverser Drogen noch verstärkt. Uppers und Downers für jede Gelegenheit und Tageszeit. Eigentlich kein Wunder, dass er und seine „Tennessee Two“ chemischer Unterstützung bedurften, waren sie doch ab 1956 250 oder 300 Tage im Jahr auf Tour durch das Land. Ride This Train Während dieser Zeit lernte er auch (die ebenfalls verheiratete) June Carter kennen, Tochter und seit frühester Kindheit Mitglied der berühmten Carter Family, die schon seit Jahrzehnten erfolgreich im Geschäft waren und fast ganz alleine dafür gesorgt hatten, dass die musikalische Tradition Amerikas weiter lebte. Es sollte sechs Jahre dauern, bis beide sich aus ihren Ehen verabschiedet hatten und sie ihrem Status als Nashvilles berühmtestes Ehebrecher-Gespons ein Ende machten. Sie war die Liebe seines Lebens und schaffte es sogar, Johnny „The Beast In Me“ Cash von den Drogen wegzubringen. I Walk The Line 1958 verließ er SUN-Records und ging zu Columbia. Der Vertrag sollte 28 Jahre bestehen. Und auch wenn ganz kritische Zeitgenossen behaupten, er hätte nie wieder seine SUN-boom-chicka-boom-Qualität erreicht, die seien an die vielen Konzept-Alben, wie „Blood, Sweat and Tears“ erinnert. Und natürlich an die beiden Gefängnis-Alben Live in San Quentin und Live in Folsom Prison, die ihn zum berühmtesten Countrysänger der Welt machen sollten. 1986 wurde dann sein Plattenvertrag gekündigt. CBS hatte beschlossen, er sei zu alt und nicht mehr zu gebrauchen. Und so stand er da ohne Vertrag, einer der berühmtesten Musiker, und mittlerweile eine Ikone. Weil er zwar 1000 Lieder kannte, aber weder tanzte noch andere Mätzchen im Repertoire hatte. The Man Comes Around Als 1993 der Produzent Rick Rubin ihn auf einem Konzert abfing und einen Plattenvertrag anbot, war er nicht sofort Feuer und Flamme. Ausschlaggebend für seine Zusage war, dass Rubin ihm vorschlug, diese 1000 Songs alleine mit seiner Gitarre aufzunehmen. Und was danach geschah, ist bestens bekannt. Johnny Cash war eine widersprüchliche Persönlichkeit. Er setzte sich für die amerikanischen Ureinwohner ein, er war der einzige Countrystar, der mit Singin‘ In Vietnam Talking Blues ein Statement gegen den Vietnam-Krieg ablieferte. Er sang für Richard Nixon im Weißen Haus und unterstüzte Bob Dylan. Er war zutiefst religiös und sagte noch am Ende seines Lebens, dass er die Drogen vermisste. Er lebte eben. Oder wie er selbst aufzählte: I love songs about horses, railroads, land, judgment day, family, hard times, whiskey, coutrship, marriage, adultery, separation, murder, war, prison, rambling, damnation, home, salvation, death, pride, humor, piety, rebellion, patriotism, larceny, determination, tragedy, rowdiness, heartbreak and love. An mother. And God. Heute vor einem Jahr starb Johnny Cash und fehlt seitdem. Alles, was es über Johnny Cash zu wissen gilt, hat Franz Dobler in seiner wunderbaren Biographie The Beast in Me - Johnny Cash und die seltsame und schöne Welt der Countrymusik aufgeschrieben. Die aktualisierte Ausgabe ist bei Heyne erschienen und kostet 8,95 Euro. ISBN: 3-453-87952-8

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