Bam, Oida! Zum Beginn der Fußball-EM stellen wir die wichtigste Jugendbewegung Österreichs vor

Seit letztem Jahr breitet sich in der Alpenrepublik eine sehr exklusive Jugendszene aus: Die Krocha - vorgestellt in einem A bis Z
philipp-mattheis

A wie Anfang: Wann die Krocha-Bewegung ihren Anfang genommen hat, lässt sich schwer genau bestimmen. Auf jeden Fall tauchten um das Jahr 2007 vermehrt junge Menschen auf, die solariumgebräunt mit Neon-Caps zu Techno tanzten und oft "Bam, Oida!" sagten. B wie Bam, Oida!: Wichtigstes Vokabular der Krocha, mit dem so oft wie möglich Sätze begonnen und/oder beendet werden. D wie DJ Stee Wee Bee: Der 45-jährige Stefan Berndorfer ist angeblich der Namensgeber der Szene. „In der Diskothek Schatzi in Hagenbrunn habe ich vor einem Jahr regelmäßig eine Classics-Nacht veranstaltet, bei der ich Dancetracks aus den Neunzigerjahren gespielt habe.“, sagte der DJ kürzlich in einem Interview. Das soll dem Publikum so gut gefallen haben, dass sie ständig etwas von „voi einekroch’n“ sagten. Kurz darauf sicherte sich Stee Wee Bee die Internetdomain krocha.at. E wie einekroch’n: auf hochdeutsch so viel wie „hineinkrachen“. „Kroch’ma eine in’d Schicht“ bedeutet „zusammen in die Nachtschicht (= Krocha-Discothek in Wien) gehen“ F wie Fix, Oida: siehe B wie Bam, Oida! G wie Gschiatiachl: auf Hochdeutsch „Geschirrtuch“. Als Gschiatiachl werden die unter den Krochan sehr beliebten Pali-Tücher bezeichnet. H wie Halbwertszeit: Soziologen sprechen der Krocha-Bewegung keine lange Verweildauer zu und halten sie eher für eine kurzfristige Modeerscheinung. I wie Ironie: Auch, wenn die Krocha auf den ersten Blick wie eine große Persiflage wirken – die meisten Krocha nehmen sich selbst durchaus ernst.


J wie Jumpstyle: Bei Krochan beliebter Tanzstil, der ein bisschen an MC Hammer und die frühen Neunziger erinnert, andererseits aber auch an Tektonik aus Frankreich.

K wie Kapperl: Eine Zeitlang waren Neon-Kapperl (=Caps) der letzte Schrei unter Krochan, mittlerweile sollen sie allerdings schon wieder am absteigenden Ast sein. Trotzdem: Kapperl (am besten von Ed Hardy) bleiben beliebt. L wie Labels, wichtige: Dolce&Gabana, De Puta Madre 69 und Ed Hardy M wie Millenium: Neben der „Nachtschicht“ eine der beliebtesten Diskotheken der Krocha in Wien. N wie Nachtschicht: Die „Nachtschicht“ kurz „Schicht“ ist die Krocha-Disse: „in’d Schicht einekroch’n“ O wie Oida: Hochdeutsch für „Alter“. „Oida“ ist das wichtigste Wort der Krocha und wird so oft wie nur irgendwie möglich verwendet. P wie Patient: Bezeichnung für Besucher von Großraumdiskotheken Q wie Querverbindung: zu Besuchern deutscher Großraumdissen lassen sich nicht so einfach ziehen, wie man vielleicht denken könnte. „Krocha“ sind trotz einiger Parallelen (siehe S wie Soli) nicht einfach mit Proleten gleichzusetzen.


R wie Rasieren: Angeblich sollen sich männliche Krocha sowohl Arme wie Beine rasieren. Sch wie Schranzen: ein Hybrid aus den Wörten „schreien“ und „tanzen“ S wie Soli: Kurzwort für Solarium, das wie der Selbstbräuner von Krochan benutzt wird, um einen Kontrast zur hellen Kleidung zu erzeugen.

T wie Tutorial: Wer wie ein „Schicht Patient“ tanzen möchte, kann es

Text: philipp-mattheis - Foto: www.fix-oida.at

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