Band umgeht eigenen Kopierschutz

Als die Musiker der amerikanischen Band Morning Jackete im Oktober ihr viertes Album „Z“ veröffentlichten, konnten sie noch nicht wissen, dass sie sich damit an vorderster Front eines ideologischen Grabenkampfes wieder finden würden.
michael-moorstedt
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Illustration: Julia Schubert

Als die Musiker der amerikanischen Band Morning Jackete im Oktober ihr viertes Album „Z“ veröffentlichten, konnten sie noch nicht wissen, dass sie sich damit an vorderster Front eines ideologischen Grabenkampfes wieder finden würden. Dieser wird ausgetragen zwischen dem Weltkonzern Sony BMG, der Bürgerrechtsinitiative (Electronic Frontier Foundation), diversen Staatsanwaltschaften der US-Staaten Texas und New York und dem Musikkonsumenten an sich. Es war jedoch nicht der Indie-Rock von My Morning Jacket, der die Aufregung auslöste, sondern das von ihrer Plattenfirma Sony BMG verwendete Kopierschutzprogramm. Die Software namens MediaMax verhindert nicht nur das Abspielen der Musik und beansprucht übermäßige viel Rechnerkapazität, sondern installiert auch Spyware, welche angeblich Urheberrechtsverletzungen durch illegale Downloads unbemerkt vom User an die Plattenfirma berichtet. Eine weitere Eigenschaft wurde kürzlich bekannt: Das Unternehmen Sophos, Hersteller von Antivirus-Software, berichtete, dass ein Trojaner das Programm benutzt, um sich unentdeckt auf Computern zu installieren. Zuvor hatte Sony BMG die Bösartigkeit des Programms wiederholt heruntergespielt, bis kürzlich doch eine Entschuldigung veröffentlicht wurde, zusammen mit dem Angebot, alle CDs, welche MediaMax enthalten vom Markt zu nehmen, von einer Entschädigung für beschädigte Computer war jedoch nicht die Rede. Das verschonte die Plattenfirma jedoch auch nicht mehr vor diversen Klagen. Der einzige Schutz bis jetzt ist wohl die CDs nicht zu kaufen – eine Entwicklung, die wohl eher nicht im Sinne des Erfinders sein kann. Hier stellt die Electronic Frontier Foundation eine Auflistung aller Titel bereit, die mit der Software ausgestattet sind. So kann man sehen, ob das neu erstandene Lieblingsalbum auch ein potentieller PC-Schädling ist. Laut Aussage ihres Managers wusste die Band nichts von der Tatsache, dass ihr Album als Träger von Spyware benutzt wurde. Um sich vom Verdacht zu befreien, bloße Knechte der Musikindustrie zu sein, stellt die Band nun auf ihrer Website einen Link zur Verfügung, welcher den Fans erklärt, wie man die Software umgehen kann. Sollte auch das nicht funktionieren, so versprechen die Musiker, würden sie höchstpersönlich neue CDs brennen. My Morning Jacket ist zwar nicht die erste Band, die sich gegen das rigide Verhalten des Majorlabels wehrt - auch die Foo Fighters oder die Dave Matthews Band haben schon ihre Missbilligung ausgedrückt – aber sicherlich diejenige mit der unkonventionellsten Art und Weise. Die ‚handgearbeiteten’ CDs wurden schon an 100 Fans verschickt. (Bild: dpa)

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