Berufswunsch: Bundesligastar

Manuel Schäffler und Florian Jungwirth rücken in den Profikader des TSV 1860 München auf. Ein Porträt der beiden jungen Fußballer
andreas-glas

In Manuels Welt hat seine alte Wirkungsstätte, die Kreisklasse, noch immer einen festen Platz. Dabei verströmt das Stadion, oder sagen wir besser: der Sportplatz im ländlichen Moorenweis nahe Fürstenfeldbruck nicht gerade den Duft der großen weiten Welt des Fußballs. Nicht selten stehen bei den Heimspielen mehr Bäume als Zuschauer an der Seitenlinie. Ganz anders in Köln. Dort durfte Manuel Schäffler (19) in der vergangenen Zweitligasaison des TSV 1860 München erstmals Bundesligaluft schnuppern. Vor knapp 50 000 Fans: "Das war ein ganz neues Gefühl, in diesem Hexenkessel zu spielen. Einfach phänomenal."

Hier laufen Manuel und Florian bald mit: Der Profikader von 1860 München beim Training, Foto: dpa Das strahlende Scheinwerferlicht der ganz großen Fußballbühne könnte für Manuel schon bald zur Gewohnheit werden. Gleiches gilt für Florian Jungwirth (19) aus dem Landkreis Dachau. Zwei Wochen vor Beginn der Saisonvorbereitung hat Löwen-Trainer Marco Kurz die zwei Nachwuchstalente darüber informiert, dass sie in der kommenden Spielzeit von der zweiten Mannschaft in den Profikader der Sechziger aufrücken werden. Zusammen mit Stars wie Daniel Bierofka und Rückkehrer Benny Lauth sollen Manuel und Florian den Verein zum Aufstieg in die erste Liga schießen. Trotz der starken Konkurrenz im Löwenkader gibt sich Florian kämpferisch: "Wir können viel von den erfahrenen Spielern lernen. Aber wir werden schon alles versuchen, um uns bei den Profis zu etablieren." Zivi im Jugendwohnheim Von der Nachwuchshoffnung zum Stammspieler. Das ist das Ziel von Manuel und Florian. Besonders für Florian wird es ein steiniger Weg werden. Denn während die Profis vom TSV 1860 seit vergangener Woche um die Plätze in der ersten Elf kämpfen, bricht er mit der deutschen U 19-Nationalmannschaft um Trainer Horst Hrubesch zur Europameisterschaft nach Prag auf. Ein Nachteil? "Ja", sagt Florian, "aber es ist schließlich eine große Ehre, das eigene Land bei einer EM zu vertreten." Wenn Florian die Nationalelf am kommenden Montag gegen Spanien als Mannschaftskapitän auf das Spielfeld führen wird, übertragen zahlreiche Fernsehsender die Spiele aus Tschechien live in alle Welt. Zudem werden Talentsichter der europäischen Spitzenklubs auf der Tribüne sitzen. Zur Erinnerung: Matthias Sammer, Thierry Henry und der aktuelle spanische Europameister Sergio Ramos sind nur drei Weltklassespieler, deren Stern bei einer U 19-EM aufgegangen ist. Von alldem will Florian aber nichts hören. Er gibt sich als Teamplayer: "Der Erfolg der Mannschaft steht im Vordergrund. Wir wollen Europameister werden." Dass sich Manuel und Florian bei allem Ehrgeiz selbst nicht zu wichtig nehmen, zeigt sich, wenn man nach den jeweiligen Qualitäten des anderen fragt. "Der Manu ist ein Kämpfertyp", sagt Florian. Kompliment zurück: "Im Zweikampfverhalten kann ich noch viel vom Flo lernen", sagt Manuel. "Schleimer!", fällt Florian ihm ins Wort. Gelächter schallt durch den bescheidenen Mediencontainer, in dem der TSV 1860 normalerweise seine Pressekonferenzen abhält. Da merkt man: Hier verstehen sich zwei. Auch neben dem Fußballplatz. Im Jugendwohnheim des Vereins absolvieren Manuel und Florian gerade ihren Zivildienst und verbringen daher fast jeden Tag zusammen. Doch das neue Leben als Fußballprofi hat auch seine Schattenseiten. Manuel lebt bereits seit einiger Zeit im Jugendwohnheim des Klubs. Florian wohnt zwar noch bei seinen Eltern in Karlsfeld, doch die meiste Zeit gehört auch in seinem Leben dem Fußball. "Es gibt schon Situationen, in denen man lieber mit den Freunden an den See gehen würde. Aber wenn man seinen Traum verwirklichen möchte, muss man auch zurückstecken können", sagt Florian. Manuel sieht das ähnlich: "Wir wollen unser Geld schließlich mal mit Fußball verdienen". Fußballer-Floskeln Apropos Geld: Was macht man denn nun mit dem ersten dicken Gehaltsscheck als Profi? Shopping in Schwabing? Ein neuer Sportwagen? Eine Jahreskarte beim Münchner Edelfriseur "Bash Club", bei dem auch Bastian Schweinsteiger seinen Haar-Tick auslebt? Man hätte sich diese Frage sparen können. Denn Florian weicht geschickt aus und flüchtet sich - ganz im Stile eines medienerprobten Fußballstars - in Worthülsen: "Jetzt hat erst einmal die U 19-EM oberste Priorität. Danach kann man sich über diese Dinge Gedanken machen." In der Bundesliga müssen Manuel und Florian ihre Qualitäten noch unter Beweis stellen. Die klassischen Fußballer-Floskeln beherrschen sie dagegen schon wie echte Profis. Autor: Andreas Glas Mehr auf SZ-Jugendseite

  • teilen
  • schließen