Best Policy: Wie wir die Welt mit kopierten Ideen retten könnten

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Die Lobby des Guten wächst und wächst: Heute gibt es mehr als doppelt so viele NGOs wie 1990. Viele gute Ziele, viele gute Pläne. Nur wenige orientieren sich aber an dem, das schon mal funktioniert hat. Der Weltzukunftsrat hat das Konzept der „best policy“ entwickelt, mit dem die erfolgreichsten bestehenden Ansätze, ein Problem zu lösen, bekannt gemacht werden sollen. jetzt.de stellt die besten sechs Ansätze vor, mit denen die Welt schon ein bisschen verbessert wurde. 1. Solarverordnung

Wer hat’s erfunden? Die Stadtverwaltung von Barcelona. Worum geht’s? Barcelona hat fast zweieinhalbtausend Sonnenstunden – daraus ließe sich mittels Solarzellen oder Solarthermie 28-mal soviel Strom produzieren, wie die Stadt benötigt. Deshalb hat die Stadtverwaltung 1999 verfügt, dass jeder Neubau und sanierte Altbau, wenn er eine bestimmte Größe überschreitet, mindestens sechzig Prozent der Warmwasserbereitung selbst durch solarthermische Anlagen auf dem Dach des Gebäudes produzieren muss. Beheizbare Swimmingpools müssen hundertprozentig mit Sonnenenergie betrieben werden. Wie hat’s geholfen? Das Wachstum der Quadratmeterzahl von Sonnenkollektoren pro 1000 Einwohner in den vier Jahren nach der Einführung betrug 1400 Prozent. *** 2. Das Montrealer Protokoll Wer hat’s erfunden? Alle zusammen – das Montrealer Protokoll wurde 1987 von 192 Staaten verabschiedet. Worum geht’s? Bis in die Achtziger schien es so, als würden Kühlschränke, Farbe und Haarsprays die Welt zerstören, weil dabei ausgestoßene Fluorchlorkohlenwasserstoffe (FCKW) maßgeblich für den Abbau der Ozonschicht in der Stratosphäre verantwortlich waren. Wie hat's geholfen? Der Einsatz von Fluorchlorkohlenwasserstoffen ist heute in den meisten Bereichen verboten und 2050 wird das FCKW-Niveau in der Ozonschicht unter das von vor 1980 sinken. Kofi Annan nannte das Montrealer Protokoll die „bis heute vielleicht einzige erfolgreiche internationale Abmachung“.


3. Windgenossenschaften

Wer hat’s erfunden? Zwölf Dänen. Worum geht’s? 1978 schlossen sich ein Dutzend Besitzer von Windrädern zusammen und gründeten die „Danske Vindkraftvaerker“, die erste Genossenschaft, mit deren Hilfe Bürger gemeinsam Windräder bauen konnten, um eigenen Strom zu produzieren und Überschüsse zu verkaufen. Wie hat’s geholfen? Heute besitzen fünf Prozent der dänischen Bevölkerung Anteile an Windgenossenschaften und die Genossenschaften einiger Ortschaften – etwa Sydthy im Nordwesten Dänemarks – produzieren deutlich mehr Strom, als der Ort verbraucht. Unter anderem dieser Einsatz privater Gelder wird es Dänemark vermutlich ermöglichen, vier Mal weniger CO2 auszustoßen, als dies das Kyoto-Protokoll fordert. Ganz nebenbei wurde Dänemark Weltmarktführer für Windkrafttechnologie. *** 4. Plastiktütenabgabe

Wer hat’s erfunden? Die Iren. Worum geht’s? Plastiktüten sind nicht biologisch abbaubar. Deshalb gibt es seit 2002 in Irland eine Steuer auf alle Plastiktüten – mit wenigen Ausnahmen wie Tüten, die frisches Fleisch enthalten. Eine Tüte kostet den Käufer damit etwa 15 Eurocent. Wie hat’s geholfen? Mittelbar hat es vor allem den irischen Einzelhändlern geholfen, die vor Einführung der Steuer etwa 50 Millionen US-Dollar pro Jahr für Einmaltüten ausgegeben haben. Im ersten Jahr nach der Einführung nahm der irische Fiskus außerdem 9,6 Millionen US-Dollar ein, die in einen „grünen Fonds“ kamen, aus dem Umweltinitiativen finanziert werden. Laut dem damaligen irischen Umweltminister Martin Cullen sparte sich Irland so eine Milliarde Plastiktüten.


5. Staugebühr

Wer hat’s erfunden? Singapur Worum geht’s? Stau verursacht nicht nur Stress und Smog. Stau verursacht außerdem allein in den OECD-Ländern einen Schaden von etwa 810 Milliarden US-Dollar jährlich (interessanterweise ist das exakt der Betrag, der laut Experten jährlich notwendig wäre, um den Klimawandel zu stoppen). Singapur hat 1975 eine Zone eingerichtet, in der alle Autos, die mit weniger als vier Insassen fuhren, eine Strafe zahlen müssen. Wie hat’s geholfen? Die Durchschnittsgeschwindigkeit in der Innenstadt Singapurs erhöhte sich von 20 auf 30 km/h auf Hauptstraßen. Insgesamt fahren fast 13 Prozent weniger Autos. *** 6. Das Einspeisegesetz Wer hat’s erfunden? Die Amerikaner im Jahr 1978. Aber das weltweit beste Gesetz seiner Art gibt es seit 2000 in Deutschland. Worum geht’s? Das Energieeinspeisegesetz verpflichtet Netzbetreiber, Strom, der durch Wasser-, Deponie-, Klär- und Grubengas, Biomasse, Erdwärme, Winde und solare Strahlung erzeugt wurde, zu einem festgesetzten Preis dem Erzeuger abzukaufen. Wie hat’s geholfen? Deutschland hat es geschafft, Vorreiter im Hinblick auf die Kyoto-Ziele zu werden und wurde außerdem durch dieses Gesetz zum wichtigsten Markt für erneuerbare Energien. Nach der erfolgreichen Einführung haben 16 weitere EU-Staaten und China ein Einspeisegesetz nach deutschem Vorbild eingeführt.

Text: hannes-kerber - Foto: dpa, ap

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