Betrieb Scientology Werbung auf SchülerVZ?

Bei der Initiative "Jugend für Menschenrechte" soll es sich um eine Tarnorganisation von Scientology handeln. Auf Druck von Anonymous wurde vor ein paar Tagen die entsprechende Gruppe gesperrt.
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Die Gruppe „Anonymous“, selbst ernannter Hauptfeind von Scientology, hat ihren Kampf gegen die Organisation nun auch auf das Netzwerk SchülerVZ ausgeweitet. Dort unterhielt seit einiger Zeit die „Jugend für Menschenrechte“ eine eigene Gruppe, auf der sie Mitglieder zur Verbreitung der Menschenrechte animieren wollte. Bei der Gruppe soll es sich um eine Tarnorganisation von Scientology handeln.

Die Scientology-Gegner "Anonymous" treten stets mit einer Guy-Fawkes-Maske auf. Hier demonstrieren sie in New York gegen die Organisation Anonymous hat in den letzten Tagen mit der Operation „CleanVZ“ begonnen, Mitglieder der Gruppe gezielt anzuschreiben. Inhalt der PM lautete: „Vielen Dank, daß Sie sich für eine Mitgliedschaft in der Scientology-Kirche entschieden haben. Für weitere Informationen stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung.“ Laut eigenen Angaben sei es Anonymous dadurch gelungen, die Anzahl der Gruppenmitglieder drastisch zu reduzieren und die Sperrung der Gruppe zu erreichen. „Die Gruppe wurde von uns am 23.2. gesperrt“, bestätigt Dirk Hensen, Leiter Unternehmenskommunikation bei SchülerVZ. Als Grund nennt er „Verstöße gegen den Verhaltenskodex." "Konkret ging es um zwei Punkte: Andere Religionen wurden beleidigt und innerhalb der Gruppe kam es zu Beleidigungen untereinander." Jürgen Heise aus München ist ein Betreiber der Website „Jugend für Menschenrechte“. Hauptziel der im Jahr 2005 gegründeten Initiative sei, die Verbreitung der Menschenrechte. „Zwar gibt es die Deklaration der Menschenrechte schon sehr lange, aber fast niemand weiß, was sie eigentlich bedeutet. Zahlreiche Länder haben die Erklärung ratifiziert und sich dazu verpflichtet, sie durchzusetzen. Getan wird jedoch wenig. Wir setzen uns vor allem dafür ein, die Menschenrechte bekannter zu machen. Unser Ziel ist es, dass sie zu einem festen Bestandteil des Schulunterrichts wird“, sagt er. Dazu stellt „Jugend für Menschenrechte“ kostenlose Videos als Unterrichtsmaterialien zur Verfügung. In einem der Videos sieht man leicht überzeichnete Kindergesichter, eine Stimme fragt: „Können Sie sagen, welches dieser Kinder nicht von Geburt an frei war?“ Am Ende des Videos folgt ein Verweis auf die Homepage der Initiative. Von Scientology zunächst keine Spur. „Der Vorwurf, die Organisation „Jugend für Menschenrechte“ sei eine Tarnorganisation von Scientology, stimmt so nicht“, sagt Jürgen Heise „Unser Ziel ist die Verbreitung, Unterrichtung und Anwendung der Menschenrechte, nicht die Werbung für Scientology.“ Zwar, so gibt Heise zu, sei zwar die Gründerin der Initiative, Mary Shuttleworth, Scientologin und er selbst auch. Grundsätzlich aber sei „Jugend für Menschenrechte“ eine religionsübergreifende Initiative, die jeder Glaubensrichtung offen steht“. Etwas mehr Hinweise jedoch erhält man, wenn man die amerikanische Website youthforhumanrights.org besucht. In einer Broschüre über die Krankheit AIDS wird Scientology-Gründer und Science-Fiction-Autor L. Ron Hubbard zitiert: „(Sex) misused or abused carries with it heavy penalties and punishments.” Für Ursula Caberta von der Hamburger Arbeitsgruppe Scientology ist die Initiative Jugend für Menschenrechte eindeutig eine “Tarnorganisation von Scientology”. „Dabei handelt es sich um eine so genannte Frontgroup. Sie besetzt zunächst ein Thema – in diesem Fall handelt es sich um Menschenrechte - und verteilt kostenlos Infomaterialien in Schulen und Jugendzentren. Später folgen dann die Scientologen. Die Organisation, vor der wir übrigens schon seit Jahren warnen, wird aus den USA gesteuert.“ Auch Sekten-Experte Ingo Heinmann warnt vor der Organisation: Tatsächlich führt das Spendenkonto niemand anderes als Sabine Weber, lange Zeit Sprecherin von Scientology Deutschland. „Wer sucht, kann durchaus herausfinden, dass die Scientology-Organisation hinter "Jugend für Menschenrechte" steckt,“ schreibt Heinmann auf seiner Website www.ingo-heinemann.de. „In dieser Website findet man de Begriff Scientology nur an wenigen versteckten Stellen, etwa mit der irreführenden Angabe, "Jugend für Menschenrechte" werde "von Mitgliedern der Scientology Kirche unterstützt". Der Krieg im Internet zwischen Scientologen und deren Gegnern wird unterdessen weiter geführt: Über 500 Gruppen findet man, wenn auf facebook.com nach „Scientology“ sucht, darunter allerdings zahlreiche mit dem Zusatz „Fuck“, „Fight“ oder „Destroy“.

Text: philipp-mattheis - Foto: Reuters

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