Bildungsfernsehen. Was wir dank "Sex and the City" und "Indiana Jones" wissen

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Von Indiana Jones haben wir gelernt...

Dass Archäologie so eine Art Schnitzeljagd um die Welt ist. Dass auch Sean Connery als Vater nerven kann. Dass niemand so schlecht mit Pistolen umgehen kann wie eine Horde Nazis. Dass Gags, in denen jemand gruseliges Essen vorgesetzt bekommt, ziemlich bald langweilig werden. Dass man für die männliche Hauptrolle sämtliche Sport- und Nahkampfarten beherrschen muss, während es für die weibliche genügt, blond zu sein und auf Anfrage zu kreischen. Dass eine Weste an einem Mann tatsächlich auch einigermaßen gut aussehen kann. Dass Harrison Ford aber der einzige ist. Dass man, wenn man in geheimnisvollen, archäologischen Anlagen unterwegs ist, immer zuerst mal auf den Boden schauen sollte – insbesondere wenn beim Gehen ein leichtes Knacken wie von Chitinpanzern ertönt. Dass man verfluchte Grabkammern verflucht ernst nehmen sollte. Dass man mit einer Peitsche nahezu alles festhalten kann und mit einem Pferd nahezu alles noch erreichen. Dass ein einprägsames Heldenjingle auch über dramaturgische Schwächen hinwegtäuschen kann. Dass vielleicht ja auch unsere langweiligen Professoren im Dschungel oder in einem manövrierunfähigen Flugzeug so richtig aufdrehen könnten. Dass man die übernatürlichen (und tödlichen) Kräfte, die beim Öffnen einer Bundeslade entweichen, überstehen kann, indem man die Augen schließt. Simpel, oder? Archäologisch interessante Stellen erreicht man nicht etwa durch GPS oder langes Suchen mit Landkarten, nein, man lässt sich einfach mit einem Schlauchboot aus einem abstürzenden Flugzeug fallen und wird nach ein paar Verrücktheiten wie von selbst an sein Ziel schlittern. Dass jeder, der über die Ängste der Einheimischen lacht, ziemlich bald tot ist. Nächste Seite: Was wir von Sex and the City gelernt haben


Von Sex and the City haben wir gelernt...

Dass Lady Bitch Ray das geheime Kind von Samantha Jones und Bushido sein muss. Dass Moderedakteure denken, dass alle Frauen wie Carrie Bradshaw aussehen wollen, auch wenn niemand auf die Idee kommen würde, den Eiffelturm als Handtasche spazieren zu führen. Dass überzeichnete und überschminkte Fernsehfrauen die besseren Busenfreundinnen sind. Dass das Honorar für eine wöchentliche Sexkolumne ausreicht, um jeden Monat die Manolo-Blahnik-Schuhabteilung bei Barney’s leer zu kaufen. Dass die moderne Karrierefrau durch professionelles Zeitmanagement mehr als 24 Stunden aus einem Tag herausholen kann. Neben einem Vollzeitjob bleibt immer noch genug Zeit, um top gestylt mittags und abends Freundinnen zu treffen, Prada zu besuchen und heiße Guys am laufenden Band kennen zu lernen. Dass es Männer gibt, die heimlich alleine Sex and the City schauen, um das Geheimnis „Frau“ zu ergründen. Dass der schwule beste Freund die zeitloseste aller It-Bags ist. Dass wahre Liebe eben auch nur ein paar Folgen lang hält. Dass mitguckende Jungs natürlich immer Charlotte am hübschesten finden. Dass Menschen wie Schuhe sind. Schuhe sind nicht gerne einsam. Diese Faustregel zur Bewältigung von Liebeskummer: die Zeit, die man braucht um über jemanden hinweg zu kommen, beträgt genau die Hälfte der Beziehungsdauer Dass Fernsehserien nicht unbedingt einen Titel brauchen, der einen Sinn ergibt. "Sex und die Stadt"? Häh? Dass der beste Kommentar zum absurden Erfolg von SATC von den "Simpsons" kam. In der Szene ist Marge bei ihren Schwestern zu Besuch, die ihr dann erklären, was es mit dem Phänomen "Sex in New York" auf sich hat: "Das entspricht genau unserem Leben, als hätten sie ne Kamera in unserer Wohnung aufgestellt." Ja-ha. Genau. Dass Vibratoren einen Namen haben. Dass man pupsen muss, wenn man schwanger ist und am Schreibtisch einschläft (jedenfalls als rothaarige Frau in einer HBO-Erfolgsserie). Dass Sex-Kolumnistinnen sich ihre Themen aus dem Freundeskreis holen und mit einer schlimmen Hülle aus Moral und Verallgemeinerung überziehen.

Text: fabian-fuchs - xifan-yang, christina-waechter

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