"Bio" in 26 Buchstaben

Warum Biodiesel das Unwort des Jahres werden soll, Ostereier an Farbe verlieren und Pestizide dumm machen. Außerdem: Veganer-Katzen und Wurstsünder. Das Bio-ABC zum Angeben.
wlada-kolosowa

[b] A wie Alnatura [/b] Die Zeiten sind vorbei, in denen man Biomöhren bei seltsamen Gestalten in Jesuslatschen kaufte. Inzwischen macht jeden vierten Tag ein Biosupermarkt in Deutschland auf. Ende 2008 werden es insgesamt 500 sein. Alnatura ist mit 35 Öko-Discountern ganz vorne und macht pro Jahr 93,5 Millionen Euro Umsatz. [b] B wie Bauernfänger [/b] Auch wenn die Logos hübsch sind: Aufschriften wie „aus umweltfreundlichen Anbau“, „ungespritzt“, „unabhängig kontrolliert“ oder „aus nachhaltiger Landwirtschaft“ haben mit Bio wenig zu tun.

[b] C wie Club-Mate [/b] Gilt als die „grüne“ Cola schlechthin. Das koffeinhaltige Getränk auf der Basis von Mate hat weniger Zucker als gewöhnliche Softdrinks und hält genauso fit wie Kaffee. Weil die Limonade in der alternativen Szene beliebt ist, haftet ihr ein Ökoimage an. Ein Bio-Siegel hat Club-Mate aber nicht.


[b] D wie Diesel [/b] „Biodiesel“ soll das Unwort des Jahres 2009 werden, das fordert der ökologische Anbauverband Bioland. Die Begründung: Die Vorsilbe „Bio“ sei bei Kraftstoffen Schwindel - schließlich steht sie für strenge Produktionsauflagen, die Biodiesel nicht erfüllt. Einen neuen Namen hat Bioland auch: In Zukunft soll das Produkt Agro-Diesel heißen. [b] E wie EU-Öko-Verordnung [/b] Nicht jeder, der gerne Bio wäre, darf sich auch so nennen. Die EU-Öko-Verordnung legt fest, wer das Bio-Siegel tragen darf. Ohne synthetische Dünger, ohne Pestizide, ohne Gentechnik – das sind die Richtlinien für den Anbau. Nur wenn ein Produkt zu mindestens 95% aus Bio-Zutaten besteht, darf es die Prädikate „ökologisch“ oder „biologisch“ im Namen tragen. Schlechte Zeiten für „Bioghurt“: 2006 musste er sich von seinem Namen verabschieden.

[b] F wie Fast-Food [/b] Auch Currywurst und Pommes gibt es jetzt in Bio. Bekannte Öko-Imbisse: „Yellow Sunshine“ und „Gorilla – Bio Fast-Food“ in Berlin, „hin & veg“ in Hamburg und „MilchHäusl“ in München.


[b] G wie Gentechnik [/b] Banane, die ewig frisch bleibt, Wunder-Tomate mit dreifacher Tagesdosis an Vitaminen und Killermais, der Schädlinge selbst ins Jenseits befördert. Ein Traum? Ein Alptraum, meinen die Biobauern. Natur darf man nicht manipulieren – so ist die Parole. Gentechnik ist im Bioanbau deswegen verboten. Verunreinigungen kommen vor, sind aber gering: Sie liegen meistens unter 0,1 Prozent.

[b] H wie Hundeleben [/b] Auch Hunde und Katzen sollen ihren Beitrag zur bewussten Ernährung leisten - meinen einige Haustierbesitzer und setzten ihre Lieblinge auf veganische Diät. Als Allesfresser vertragen Hunde die fleischlose Kost ganz gut. Katzen sind Karnivoren und haben an Essgewohnheiten ihrer Herrchen deutlich härter zu knabbern. Tierschutzorganisationen werten das sogar als Quälerei. Minka, die älteste vegane Katze mit Vorliebe für Tofu und Nährhefe ist aber immerhin 18 Jahre alt geworden. [b] I wie Igitt [/b] Bio = lecker? Hier streiten sich die Gemüter. Fakt ist: Viele Produkte schmecken und sehen anders aus: Der Cappuccino-Schaum hat große Poren, der Schinken ist grau. Oft verlieren die Bio-Lebensmittel im Geschmackvergleich, weil unsere Rezeptoren an Zusatzstoffe gewöhnt sind. Forscher aus Bremerhaven konnten beobachten, dass Fünfjährige Joghurt mit frischen Erdbeeren ablehnten, weil künstliches Aroma ihnen besser schmeckt.


[b] J wie Jugendreport [/b] Dass die Kuh nicht lila ist, wissen inzwischen die meisten Jugendlichen. Ob die Kartoffeln unterhalb oder oberhalb der Erde wachsen, wissen aber bei weitem nicht alle. Laut dem Jugendreport 2006, an dem 2200 Schüler in Nordrhein-Westfalen teilnahmen, weiß nur jeder zweite der 12- bis 15-Jährigen, was eine Rosine ist. [b] K wie Kosten [/b] Klar, Bio ist teuerer als Discounter. Obwohl die Deutschen ein Drittel des europäischen Bio-Umsatzes schmeißen, ist noch mehr Potential drin: Was das Essen angeht, sind die Deutschen ziemlich knauserig. Nur 14 Prozent unserer Lebenshaltungskosten geben wir durchschnittlich fürs Essen aus. Zum Vergleich: In Frankreich ist es ein Drittel. [b] L wie LOHAS [/b] Sie leben genussvoll, aber nachhaltig. LOHAS ist der Marketingbegriff für Lifestyle of Health and Sustainability, in der Umgangsprache werden die Anhänger der Bewegung auch Neo-Ökos genannt. Ob du einer bist, erfährst du hier

[b] M wie Milch [/b] Mamas und Papas aufgepasst: Bio-Kühe geben bessere Milch! Wenn Babys mit biologischen Milchprodukten gefüttert werden, treten bei ihnen Ekzeme 36 % seltener auf. Das ergab eine Studie vom Louis-Bolk-Institut und der Universität Masstricht. [b] N wie newethics.com [/b] Newethics.com ist das neue Öko-Portal für Konsumethik. Die Seite schreibt unter anderem über Wascherde, Öko-Mode aus dem Clubuntergrund und Obstanbau auf Newyorker Dächern.


[b] O wie Ostern [/b] Neon-Eier, ade! Für Biofans wird Ostern weniger bunt. Die Bio-Ostereier sehen 2008 anders aus: Farbstoffe, mit denen sie bislang angemalt wurden, sind nach der neuen Eu-Öko-Verordnung verboten. Gefärbt wird stattdessen mit Rote-Beete-Saft und Zwiebelschalen: Etwas blasser, dafür umweltfreundlicher. [b] P wie Pestizide [/b] Pestizide töten tierische Schädlinge und schützen die Pflanzen. Landen sie im Essen, werden sie aber zum Problem. Sie fördern Krebs, schädigen das Nervensystem und machen sogar dumm. Die Forscher der Universität Indiana haben festgestellt, dass im Sommer gezeugte Kinder – wenn der Einsatz von Spritzmitteln besonders hoch ist - einen niedrigeren IQ haben. [b] Q wie Quadratisch, Praktisch, Bio [/b] So könnte der neue Werbespot von Rittersport lauten. Als erster großer Schokoladenhersteller bringt Ritter Sport Bio-Schokolade auf dem Markt. Die vier Sorten - Vollmilch, Feinherb, Mandelsplitter und Trauben Cashew – kommen ab April 2008 in die Läden. [b] R wie Rudolph Steiner [/b] Wer hat „Bio“ erfunden? Nein, nicht die Hippies. Rudolph Steiner rief schon 1924 den Begriff “Biologische Landwirtschaft” ins Leben. Gesunde Nahrungsmittel waren aber nur die Nebensache – viel mehr ging es dem Urvater der Waldorfschule um Harmonie zwischen Menschen, Tieren, Pflanzen, Erde und Kosmos. Ommm...


[b] S wie Siegel [/b] Das Bio-Siegel gibt es in zwei Versionen: europäisch rund und kantig deutsch. Obwohl das europäische Logo älter ist, kennen die meisten nur seinen deutschen Bruder. Das soll sich bald ändern: Ab 2009 soll EU-weit ein neues Bio-Siegel eingeführt werden. Das grün-schwarz-weiße Sechseck landet dann wohl zusammen mit der Deutschmark in der Nostalgie-Kiste. [b] Tschernobyl [/b] Glück im Unglück: Die Reaktorkatastrophe in Weißrussland war der Katalysator für den Aufschwung der Bioethik. Zuerst als Hirngespinste der Alternativen belächelt, wurden Gespräche über Öko und Co. erstmals salontauglich. [b] U wie Umsatz [/b] Bio boomt! Deutschland ist, gefolgt von Großbritannien, Italien und Frankreich, mit Abstand der größte Bio-Markt Europas. 2007 ist die Bio-Branche um ca. 15 % gewachsen. Der Umsatz: über 5 Mrd. Euro.


[b] V wie Vegetarier [/b] Frauen sind die besseren Vegetarier! Laut der nationalen Verzehrsstudie verzichten 2,2 % der Frauen auf Fleisch, bei den Männern sind es nur 1 %. Insgesamt gaben 1,6 % aller Deutschen an, sich vegetarisch zu ernähren.

[b] W wie Wurst [/b] Wer auf Wurst verzichtet, darf auch mal nach Mallorca fliegen! Vegetarier verursachen mit ihrer Ernährung nur zwischen 0,65 und 0,98 Tonnen CO2 pro Jahr. Ein typischer Fleischesser kommt hingegen auf 1,82 Tonnen. Die Differenz macht locker einen Billigflug gut. [b] Xenobiotika [/b] Xenobiotika sind chemische Stoffe, die durch den Menschen synthetisiert werden und unserem Körper fremd sind. Dazu gehören zum Beispiel künstliche Farbstoffe, Pestizide und Antibiotika: All das also, worauf Bio bewusst verzichtet.


[b] Y wie Yofu [/b] Yofu ist der „Große Bauer“ für alle, die nicht nur auf Fleisch, sondern auch auf Milch verzichten: Neben Tofu ist der Sojajoghurt ein fester Bestandteil der veganen Küche. Übrigens: Jeder tausendste Deutsche lehnt tierische Produkte gänzlich ab. [b] Z wie Zusatzstoffe [/b] Zusatzstoffe machen Lebensmittel bunt, süß und haltbar. Manche machen auch den Menschen krank. Auch Bioprodukte können Zusatzstoffe enthalten. Der Unterschied: Für konventionelle Produkte sind 316 Zusatzstoffe gestattet, für Bio-Essen nur 47.

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