Bleistiftespitzen. Ein neues Berufsbild

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Oh, das ist eine exquisite Kunst, der sich David Rees verpflichtet hat. Ein ganz altes, ein uraltes, ein vom Universum vererbtes Handwerk. David Rees aus New York spitzt gegen Entgelt Bleistifte. Wem der graphitene Docht stumpf wird, der packt seinen Bleistift in ein Kuvert und schickt ihn nach Amerika. Dort zieht David Rees seine Schutzbrille auf und versieht eine Arbeit, die Rees auch tatsächlich als Arbeit versteht. Er spitzt. Er macht den Bleistift wieder scharf. Im Interview mit dem Magazin Details sagt Rees (und das sollte man nicht übersetzen, weil die Verve des Handwerkers sonst ihre Mächtigkeit verliert): "I want to get these things fucking sharp as shit." Diese Tätigkeit ist freilich nicht umsonst zu haben. 12,50 Dollar verlangt Rees. Natürlich, glaubt er, könne sich leicht jemand in Indien finden, der denselben Job für acht Dollar erledigt. "But if you want authentic American craftsmanship, $12.50 per pencil", sagt Rees und kling dabei relativ kompromisslos. Man darf nicht vergessen, dass die Kunden auch das abgespitzte Material zurückbekommen. Verpackt in eine kleine Tüte. Und wer etwas mehr Geld bei der Hand hat, kann für 60 Dollar die Spitzdienste in Anspruch nehmen und sich nebenbei noch einen limitierten Druck zuschicken lassen, auf dem der epische Kampf Mann gegen Maschine angekündigt ist. Spitzhandwerker Rees gegen einen elektrisch betriebenen Spitzer von Panasonic. Die ganze Aktion ist natürlich ziemlich Banane, aber sehr nett anzusehen. Eine angenehme Parodie auf die Ernsthaftigkeit, mit der manchmal Dinge und Dienstleistungen unter die Menschen gebracht werden. Und vielleicht ist das auch mehr. Eine Anregung zum Nachdenken über Notwendigkeit und Überflüssigkeit, über die Funktionsprinzipien des Kapitalismus? Schwierig zu sagen. Es ist leicht, Rees bloß einen Gag oder doch mehr, so etwas wie feine Gesellschaftskritik zuzutrauen. Bislang verdiente der Spitzmeister sein Geld als sehr politischer Cartoonist. Unter anderem zeichnete er die hochgelobte Reihe Get Your War On. Wieviel Zeit ihm für solche Projekte aber gerade noch bleibt, muss berätselt werden. Bleistiftspitzen fordert. Wer es selbst nachvollziehen will: Nächste Woche, am 20. August 2010, spitzt David Rees in New York. Live. Ein Ereignis, sagt man.

Text: peter-wagner - Foto: Screenshot/artisanalpencilsharpening.com

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