Blumentopf lösen sich auf

"Es wird kein gemeinsames Album mehr geben. Wir sind Geschichte." Die bekannteste Rap-Kombo Münchens ist raus. Immerhin mit einem Abschiedskonzert.
jakob-biazza

Wenn die Witze schon nicht komplett zünden, dann ist die Lage wohl tatsächlich ernst:

„Man soll aufhören, wenn’s am schönsten ist. Aber nach ‚Kein Zufall’ hatten wir noch keine Lust dazu. Deshalb haben wir noch 20 Jahre drangehängt.“ Die Band Blumentopf hat am Freitag auf Facebook also ihre Trennung bekannt gegeben. Mit einem Video und einem zunächst noch etwas kryptischen Post: „Hallo liebe Fans und Freunde, unserem Schlachtruf ‚Nieder mit der GbR’ folgend stellen wir die Stühle hoch. Wir schalten die Geräte ab, klappen die Reimbücher zu und stürzen die Hip Hop Szene in ein schwarzes leeres Loch. Voller Chaos und Ungewissheit!“


"So können wir noch gemeinsam auf einer Couch sitzen und das verkünden." Blumentopf sagen Servus ...

Der Nachklapp ist dann aber doch eindeutig – und traurig: „Im Klartext: Wir lösen den Blumentopf auf. Es wird kein gemeinsames Album mehr geben. Wir sind Geschichte.“ München verliert also seine bekannteste – weil auf die Langdistanz ja auch beste – Rap-Formation. Die Entscheidung sei ihnen nicht leicht gefallen, hieß es auf Facebook zunächst nur. „Trotzdem sagen wir jetzt mit einer dicken Träne im Knopfloch: ‚Wir sind draußen.’“

Etwas später veröffentlichte die Band ein selbstaufgenommenes Interview. Man habe das letzte Album „Nieder mit der GbR“ schon im vollen Bewusstsein aufgenommen, „dass es das letzte sein wird“, sagt DJ und Produzent Sepalot darin. Und: „Weil uns das so bewusst ist, gibt es jetzt auch so eine klare Ansage. Und man sagt nicht, man geht auf unbefristete Zeit in Pause.“

Die Aussagen der anderen Mitglieder klingen ähnlich definitiv: Rapper Roger spricht von einem guten Zeitpunkt: „Blumentopf ist keine Nebenher-Band.“ Man könne die Band nicht mehr so machen wie früher, „deshalb machen wir’s lieber gar nicht, sonst machen wir nur die Band kaputt.“ Und MC Holunder fügt an, man habe sich zuletzt fast nur noch im Bandkontext gesehen. „Es war alles nur noch Band.“ Er freue sich darauf, "dass das Zwischenmenschliche wieder die alte Qualität bekomme, wenn es die Band nicht mehr gibt.“

Vor allem während der Produktion von „Wir“, dem wohl auch deshalb ungewohnt düsteren Album, gab es offenbar schon schwerere Diskussionen innerhalb der Band. „Es sind unglaublich viele Sachen von außen auf uns eingeprasselt, die die Idee: da sitzen fünf Freunde im Studio und machen einfach nur Musik, manchmal unmöglich gemacht haben“, erinnert sich Schu an diese Zeit. Damals hätte alles auch „im Streit enden können. So konnten wir den Zeitpunkt noch selbst wählen. Und gemeinsam auf einer Couch sitzen und das verkünden.“

Blumentopf wurden 1992 in Freising gegründet. Ihr Debüt „Kein Zufall“ veröffentlichten sie 1997 bei Four Music. In den vergangenen Jahren hatten die einzelnen Mitglieder sich immer wieder Soloalben veröffentlich – Roger und Schu gerade erst die gemeinsame Platte „Clap Your Fingers“. DJ Sepalot hat in diesem Jahr unter anderem Songs für das aktuelle Album von Jesper Munk produziert. Am 22. Oktober 2016 will die Band ein Abschieds-Konzert im Münchner Zenith geben.

Text: jakob-biazza - Foto: Screenshot

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