Bombensache

Die Geheimdienste überprüfen Mails mit verdächtigen Wörtern. Damit etwas Lesenswertes auf ihren Schreibtischen landet, sammeln wir Reizwortgeschichten aus dem Kosmos.
christian-helten



Am Wochenende wurde bekannt, dass deutsche Geheimdienste sehr viel mehr im privaten Mailverkehr der Deutschen mitlesen als in den Jahren zuvor. 37 Millionen Mails und andere Datenverbindungen sind den Berichten nach im Jahr 2010 überprüft worden.

Das Verhältnis von Aufwand und Nutzen ließ dabei allerdings eher zu wünschen übrig: Nur in 213 Fällen hat die Überprüfung auch wertvolle Hinweise zu Tage gefördert. Das mag an den Schlagwörtern liegen, die der Mailfilterung zu Grunde liegen. Bombe, Rakete, und Atom – nach solchen Begriffen ließen die Geheimdienste ihre Computer die Datenflut durchkämmen. Es ist aber anzunehmen, dass die wenigsten Menschen, die einen Anschlag planen, in ihrem digitalen Schriftverkehr ganz offen mit solchen Wörtern hantieren würden. Kaum ein Terrorist würde wohl eine Rundmail mit der Betreffzeile „Anschlag“ an sein Komplizen-Netzwerk verschicken und darin fragen, ob jemand Sprengstoff für eine Bombe besorgen kann, mit der er ein Atomkraftwerk angreifen will.

Wer einmal den Posteingang seines eigenen Mailaccounts durchforstet, wird feststellen, dass darin einige Nachrichten zu finden sind, die vielleicht auch auf dem Schreibtisch der Geheimdienste gelandet sind. Die Fotos einer gepflegten Arschbombe am See, die Hinweise an den Dozenten, dass dieser und jener Aspekt wahrscheinlich den Rahmen der Hausarbeit sprengen würde – alles potenzielles Gefahrengut.

Auch wenn nicht anzunehmen ist, dass alle 37 Millionen Nachrichten tatsächlich von Menschen gelesen werden - es muss ziemlich frustrierend für die Geheimdienst-Mitarbeiter sein, sich durch eine Flut solcher Mails zu klicken und am Ende des Tages keinen einzigen Terroristen geschnappt zu haben.

Wir sind der Meinung, dass unser Land zufriedene und motivierte Geheimdienstler braucht und möchten ihnen deshalb etwas Schönes zu lesen geben. Texte, die ihnen den Tag versüßen, die sie zum Lachen oder zum Weinen bringen. Die sie so sehr berühren, dass sie zu ihren geheimen Geheimdiensttelefonen greifen und ihre Kollegen anrufen, um ihnen daraus vorzulesen. Deshalb starten wir heute im jetzt-Kosmos die Schreibaktion „Bombensache“ und schreiben dort Reizwortgeschichten für den Geheimdienst, die wir dann fleißig hin- und hermailen, damit sie auch auf jeden Fall abgefangen werden.

Unter dem Label Bombensache kannst du deinen Text posten. Vorgaben gibt es naürlich keine, er sollte nur folgende Reizwörter enthalten:

Bombe, Sprengstoff, Explosion, angreifen.

Viel Spaß beim Schreiben!

Text: christian-helten - Illustration: katharina-bitzl

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