Bruce Willis und der Film ohne Handlung

Ein Kampf, der keiner war: Bruce Willis wolle Apple verklagen, hieß es. Die Gegner des Unternehmens freuten sich, die Nachricht verbreitete sich schnell. Ihn selbst hatte allerdings niemand gefragt, ob die Geschichte stimmt. Das sagt einiges darüber, wie Aufmerksamkeit im Netz heute funktioniert.
andreas-weck

Wo er hinschlägt, wächst kein Gras mehr, geschweige denn ein Apfelbaum. Bruce Willis will es angeblich mit der größten Glaubensbruderschaft nach der katholischen Kirche und ihren Mitbewerbern aufnehmen. Dem Apple-Konsortium. Genauer gesagt, mit der iTunes-Riege. Das klingt doch filmreif, oder?



Stellen wir uns das Actionfilm-Drehbuch einmal vor: der muskelbepackte Action-Star, der sich schon länger aus der Liga der Gerechten verabschiedet hat, sieht sich gezwungen zurückzukehren, um ein paar Missetätern in blauen, apfelbedruckten T-Shirts das Handwerk zu legen. Grund für dieses Comeback? Apple verwehrt Sterbenden das Recht, die auf iTunes erworbene Musik-, Film- oder eBook-Sammlung zu vererben.

Das behaupten zumindest verschiedene Publikationen aus dem Murdoch-Imperium wie die „Sun“ oder die „Sunday Times“. Laut iTunes AGBs erwirbt man nämlich nur ein Nutzungsrecht der Dateien, die sich ausschließlich auf die Lebenszeit des Käufers beschränkt. Ganz anders also als beim Kauf einer CD, DVD oder Blue-ray. Bruce Willis finde das ungerecht, hieß es, er plane eine Klage gegen Apple. Der Blockbuster wäre damit perfekt.

Die Nachricht war ein gefundenes Fressen für diejenigen, die Apple eh nicht leiden können und ein wahrer Aufreger für die, die sich in Zeiten von digitalen Privilegien und alternden Urheberrechten sowieso missverstanden fühlen. Unter dem Hashtag #brucewillis, oft in Verbindung mit #itunes, lassen sich köstliche Mitschnitte und Kommentare dazu finden, wie dieser hier von @absolutradio: “I cant believe Apple are even considering taking on Bruce Willis over this music ownership thing - haven't they seen DIE HARD?”

Selbst die großen Web-Blogs wie TechCrunch oder Gizmodo lassen es sich nicht nehmen, darüber zu schreiben und zu twittern: „Bruce Willis is planning a legal battle to ensure he can leave his iTunes library in his will”

Doch wie valide ist das Ganze überhaupt? Der Verdacht, dass die Yellow-Press, zu der die „Sun“ & Co. zählen, möglicherweise ein klein wenig übertrieben haben könnte, liegt nicht ganz fern. Auch wenn sie hier und da mal die Telefone der VIPs anzapfen, um an Informationen aus erster Hand zu kommen, würde eine solche Nachricht wahrscheinlich nicht zuerst in einem Boulevardblatt erscheinen, sondern in einem der unzähligen Web-Blogs, die einen Apple-Rechtsstreit schon riechen, noch bevor dieser überhaupt das Licht der Welt erblickt hat.

Tatsächlich ist das Debakel um die Rechteverwertung auf iTunes unter Interessierten längst bekannt. Die „AGB-Diktatur“ der Internetgiganten à la Microsoft, Facebook oder Google, um es mal mit den Worten des European-Kolumnisten Gunnar Sohns zu formulieren, führt bisweilen dazu, dass man ihr Handeln mit einer Gutherrenmanier vergleichen möchte. Die großen Web-Unternehmen verlangen von ihren Nutzern, teilweise absurde Geschäftsbedingungen zu akzeptieren. Da kommt es schon mal vor, dass beispielsweise Microsoft seinen Cloud-Nutzern ohne Vorwarnung das Konto löscht, sobald sich Nacktbilder im digitalen Speicher wiederfinden. Und auch Apple hat hier schon mehrmals sein Fett wegbekommen.

Eine reißerische Geschichte lässt sich mit diesem Grundgerüst und einem Star wie Willis also schon einmal schön aufbauen. Und doch macht die Geschichte den Eindruck als würde es sich hier um einen Hoax, einen Streich, handeln. Zementiert wird diese Annahme nun auch durch einen Tweet der aktuellen Gemahlin des Filmstars, Emma Hemming-Willis. Sie wurde in einer ebenfalls 140 Zeichen langen Nachricht auf das Thema aufmerksam gemacht. Ohne jegliche Umschweife kommentierte sie die Causa: „It’s not a true story“. Und so schließt sich der Kreis scheinbar. Der einzige, der dazu bislang noch nichts gesagt hat, ist Bruce Willis selber. Warum auch? Seinem aktuellem Film „The Expandables 2“ tut so viel Aufmerksamkeit sicher gut.

Was uns diese Geschichte nun aber schlussendlich lehrt, ist die Tatsache, dass der Umgang mit Nachrichten in Zeiten der Echtzeitkommunikation hier und da ins Wanken gerät. Man benötigt nur einige reichweitenstarke Medien, die eine Kettenreaktion via Twitter und Konsorten auslösen, und schon werden ungeprüfte Meldungen in das Digitaliversum hinaus posaunt, wo sie freudige Abnehmer finden. Die Web-Protagonisten laufen Gefahr, sich unglaubwürdig zu machen.

Es wäre ein schöner Film gewesen, der Kampf Willis gegen Apple. Nur leider hatte das Drehbuch keine Handlung. 



Text: andreas-weck - Foto: rtr

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